Ein deutsches Großkampfschiff feuert eine Breitseite ab während der Schlacht von Skagerrak. | Bildquelle: dpa

100 Jahre nach der Seeschlacht Gemeinsames Gedenken an die Opfer vom Skagerrak

Stand: 31.05.2016 01:43 Uhr

100 Jahre nach der größten Seeschlacht der Geschichte erinnern Deutsche und Briten heute an die getöteten Soldaten. Bundespräsident Gauck reist auf die britischen Orkney-Inseln, um dort an einer Gedenkfeier teilzunehmen.

Von Gabi Biesinger, ARD-Studio London, zurzeit in Kirkwall

Das Gedenken in Schottland hat schon vor Tagen begonnen: Die Grand Fleet der britischen Marine war während des Ersten Weltkriegs im Hafen Scapa Flow auf den Orkney Inseln stationiert. Von dort lief sie aus zur verlustreichsten Seeschlacht der britischen Militärgeschichte, an deren Ende kein eindeutiger Sieger stand. Mehr als 6000 Briten kamen ums Leben und über 2500 deutsche Soldaten. Gedacht wird hundert Jahre später der Opfer auf beiden Seiten.

Prominente Gäste

250 Polizisten sind nach Orkney gekommen, um die Sicherheit der prominenten Gäste zu gewährleisten - auf einer windzerzausten Insel, auf der die Bewohner ihre Haustüren für gewöhnlich nicht abschließen. Bundespräsident Joachim Gauck, der britische Premierminister David Cameron und Prinzessin Anne als Vertreterin der Königsfamilie nehmen am Mittag zunächst an einem Gottesdienst in der St. Magnus Kathedrale in Kirkwall teil.

Landkarte Norwegen, Skagerak Bucht, Nordsee, Dänemark, Schweden | Bildquelle: picture alliance / arkivi
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Historische Landkarte der Skagerak Bucht.

Navy-Commander Mark Barton von der HMS Bulwark wird im Rahmen der Feier abwechselnd mit einem deutschen Marine-Kollegen von der Schleswig-Holstein Berichte von Überlebenden der Schlacht vorlesen. Für Barton ist es eine Ehre, dabei zu sein: Es sei bewegend, "dass die Soldaten auf beiden Seiten die gleichen Erfahrungen gemacht haben, das gleiche Leid durchgemacht haben. Und das soll der Gottesdienst zeigen."

Kränze auf dem Soldatenfriedhof

Musikalisch wird es in der Feierstunde eine Weltpremiere geben: Peter Maxwell Davies, ehemaliger Hofkomponist der Queen, der auf den Orkney-Inseln lebte und im März starb, hatte kurz vor seinem Tod seine letzte Komposition für diesen Anlass geschrieben. Das Chorwerk heisst "The Golden Solstice", die goldene Sonnenwende. Am Nachmittag setzen die Ehrengäste dann auf die Orkney-Insel Hoy über, wo sie am Soldatenfriedhof Lyness Kränze niederlegen, eine Andacht halten und Nachfahren der Teilnehmer der Schlacht treffen.

Schlacht im Skagerrak | Bildquelle: dpa
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Der deutsche Schlachtkreuzer "Seydlitz" während der legendären Schlacht von Skagerrak im Mai/Juni 1916.

Nick Jellicoes Großvater John überlebte die Skagerrakschlacht - und zwar in prominenter Position: Er war einer der Befehlshaber der Grand Fleet und hat heute eine kleine Gedenkbüste auf dem Trafalgar Square im Schatten der großen Nelson-Säule. Er habe seinen Großvater leider nie kennengelernt, er sei 1935 gestorben, sagt Nick Jellicoes. Aber er wünschte, er hätte ihn getroffen. "So kenne ich nur Zitate und Briefe von ihm." Es sei "so wichtig, dass Kinder ihre Großeltern fragen, was sie damals gemacht hätten. Wir müssen die Verbindung zu unserer Geschichte lebendig halten und daraus lernen."

Deutsche versenkten eigene Flotte

In einer Ecke des Friedhofs in Lyness sind auch deutsche Soldaten begraben. Sie starben nach Ende des Ersten Weltkriegs, als die deutsche Hochseeflotte auf den Orkneys interniert war. Im Juni 1919 versenkten die Deutschen auf Geheiß ihres Kommandeurs ihre Schiffe selbst. Und als die Soldaten von den sinkenden Schiffen zurück ans Ufer schwimmen wollten, wurden sie erschossen. Was für eine traurige Geschichte, meint Nick Jellicoe: "Das hier waren die letzten deutschen Opfer des Ersten Weltkriegs. Und die Briten verstanden nicht, dass sie keine Bedrohung mehr waren und haben sie erschossen."

Bundespräsident Gauck zum Skagerrak-Gedenken auf Orkney
G. Biesinger, ARD London
31.05.2016 01:40 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 31. Mai 2016 um 06:16 Uhr auf WDR 5.

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