Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi | Bildquelle: AFP

Sisi bei Trump Unter Freunden

Stand: 03.04.2017 10:56 Uhr

Er sei ein "fantastischer Kerl" - so schwärmte Donald Trump nach seinem ersten Treffen von Abdel Fatah al-Sisi. Nun ist Ägyptens Präsident auf Antrittsbesuch in Washington. Doch er muss mit einem kleinen Dämpfer rechnen.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Donald Trump und Abdel Fattah al-Sisi verbindet eine Männerfreundschaft. Nach dem ersten Treffen der beiden im September in New York nannte Trump den ägyptischen Präsidenten einen "fantastischen Kerl". Der ägyptische Nahostexperte Said Sadek war nicht überrascht: "Trump stellte fest, dass Sisi ein starker Mann ist, und er mag starke Männer. Wahrscheinlich wird Trump mit Sisi zusammenarbeiten bei der Bekämpfung des Terrorismus im Nordsinai, in Libyen und andernorts."

Sisi revanchierte sich für die freundlichen Worte Trumps. Er war das erste ausländische Staatsoberhaupt, das dem Amerikaner nach dessen Wahlsieg telefonisch gratulierte. Im Januar sagte Sisi, er schätze Trumps Persönlichkeit und fügte hinzu: "Er wird die Probleme der Region stärker und engagierter anpacken. Die USA spielen eine strategische Rolle in der Region und in der Welt - da sehe ich kein Schrumpfen dieser Rolle."

Trump bei seinem ersten Treffen mit Präsident al-Sisi im September 2016 in New York. | Bildquelle: AFP
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Trump - damals noch nicht Präsident - bei seinem ersten Treffen mit Präsident al-Sisi im September 2016 in New York.

Obama hielt Sisi auf Distanz

Sisi ist der erste ägyptische Staatschef seit 2009, der ins Weiße Haus eingeladen ist. US-Präsident Barack Obama hatte Sisi auf Distanz gehalten. Nachdem das ägyptische Militär Mohammed Mursi, den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes, 2013 absetzte, stoppte Obama sogar vorübergehend bestimmte Waffenverkäufe.

Selbst unter Trump in Gefahr zu sein, scheint nun aber die jährliche Militärhilfe für Ägypten in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar. Wie die "New York Times" berichtet, überdenkt die neue US-Regierung diese Unterstützung, im Rahmen einer allgemeinen Kürzung von Zahlungen an ausländische Regierungen und Hilfsorganisationen. Sisi wird darauf drängen, dass Trump den Rotstift nicht bei Ägypten ansetzt. Außerdem hofft der Ägypter auf Unterstützung für seine Wirtschaftsreformen. Die zeigen zwar erste Erfolge, aber die Inflation ist im Frühjahr auf mehr als 30 Prozent gestiegen.

Menschenrechte - wohl kein Thema für die Öffentlichkeit

Eine öffentliche Standpauke über die miserable Menschenrechtslage in Ägypten muss Sisi indes nicht erwarten. Das Weiße Haus ließ durchblicken, dass Trump dieses Thema nur unter vier Augen ansprechen wird. Ihm entkommen kann Sisi nicht, sagt Anwar al-Sadat, ehemaliger Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses des ägyptischen Parlaments: "Die amerikanische Gesellschaft - verschiedene Einrichtungen, die Denkfabriken, die Medien - werden die Frage der Menschenrechte auf jeden Fall thematisieren - das, was in Ägypten passiert. Ob darüber im Weißen Haus hinter verschlossenen Türen gesprochen wird oder öffentlich - das Thema wird hochkommen."

Präsident Sisi regiert sein Land zunehmend autoritär. Laut Menschenrechtsorganisationen sitzen mehr als 40.000 Regierungskritiker in Haft. Dass Trump dies nicht öffentlich ansprechen will, passt ins Bild: Erst vor wenigen Tagen hatte seine Regierung Waffenverkäufen an Bahrain zugestimmt. Obama hatte sie wegen der schlechten Menschenrechtslage dort gestoppt.

Trump empfängt Ägyptens Staatschef Al-Sisi
C. Kühntopp, ARD Kairo
03.04.2017 11:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. April 2017 um 11:50 Uhr.

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