Militärparade in Peking | Bildquelle: dpa

Bericht des SIPRI-Instituts Mehr Waffen für die Welt

Stand: 16.03.2015 00:17 Uhr

In den vergangenen fünf Jahren ist der weltweite Waffenverkauf erneut angestiegen. Größte Exporteure bleiben die USA und Russland - gefolgt von China. Das geht aus dem neuen Bericht des SIPRI-Instituts hervor. Der größte Abnehmer ist Indien.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Angesichts der Vielzahl militärischer Konflikte weltweit ist der internationale Waffenhandel deutlich im Aufwind. Das schwedische Friedens-Forschungsinstitut SIPRI hat die Zeiträume 2005-2009 und 2010-2014 verglichen. Danach führen die USA und Russland nach wie vor die Liste der Waffenexportländer an, mit einigem Abstand gefolgt von China und einigen europäischen Ländern, sagte der SIPRI-Rüstungsexperte Pieter Wezeman.

"Wir beobachten einen Anstieg der Waffenverkäufe weltweit. Wir schätzen einen Anstieg von 16 Prozent", sagt Wezeman. Dabei sind die USA wie schon in der Vergangenheit weiterhin führend, Russland kommt an zweiter Stelle. Danach gibt es eine bedeutende Lücke, und dann kommen China an dritter Stelle und einige kleinere Länder wie Deutschland und Frankreich und Großbritannien."

Indien, China und Pakistan sind große Importeure

Zu den wichtigsten Waffen-Importeuren gehören der SIPRI-Studie zufolge Indien, China, Pakistan, Südkorea und Singapur. Diese fünf Länder importierten etwa 30 Prozent des weltweiten Waffenumschlags. Dabei importiere Indien etwa drei Mal so viel wie China.

Besonders viele Waffen seien im Untersuchungszeitraum seit 2010 in den Nahen Osten geliefert worden, insbesondere nach Saudi-Arabien: Das Land habe seine Waffenimporte um das Vierfache gesteigert, sagt Wezeman.

Europäische Staaten haben in den vergangenen Jahren nicht nur weniger Waffen exportiert - auch die Importe von Waffen seien um 36 Prozent zurückgegangen, sagte Wezeman. Der Grund dafür sei einfach: "Zum einen wird offenbar das Bedrohungspotenzial nicht mehr stark wahrgenommen. Zum anderen fehlt infolge der Finanzkrise einigen europäischen Staaten wie Griechenland und Portugal das Geld dafür. Deshalb suchen die europäischen Waffenproduzenten auch verstärkt andere Märkte im Nahen Osten oder in Asien."

Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI)

Anlässlich einer 150-jährigen Friedensperiode in Schweden wurde 1966 die Forschungseinrichtung SIPRI gegründet. Diese widmet sich seitdem der Friedens- und Konfliktforschung mit den Schwerpunkten Abrüstung und Rüstungskontrolle. Einen Großteil der Finanzierung übernimmt der schwedische Staat. Seit 1969 veröffentlicht SIPRI mit seinem international besetzten Mitarbeiterstab Forschungsberichte.

Anstieg auch bei Russlands Nachbarn

Die Ukraine-Krise, die im vergangenen Jahr eskalierte, sei in den jüngsten SIPRI-Untersuchungsbericht noch nicht explizit eingegangen. Man könne aber durchaus von einem Anstieg der Waffenverkäufe in diese Region ausgehen, so Wezeman: "Es gibt einige erste Anzeichen für eine neue Entwicklung. Gerade die Nachbarstaaten Russlands, etwa die baltischen Staaten aber auch Polen, fühlen sich von Russland bedroht. Wir beobachten, dass diese Länder damit begonnen haben, mehr Waffen zu kaufen."

Auch die Ukraine selbst kauft angesichts des Konflikts mit den von Russland unterstützten Separatisten mehr Waffen. Präsident Petro Poroschenko sagte am Freitag in einem Fernsehinterview, sein Land habe bereits mit elf EU-Staaten Kaufverträge für Kriegsgerät unterschrieben. Um welche Länder es sich dabei handele, sagte er nicht.

SIPRI-Zahlen zum internationalen Waffenhandel
B. Musch-Borowska, ARD Stockholm
16.03.2015 00:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. März 2015 um 9:00 Uhr.

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