Bankenviertel von Singapur | Bildquelle: dapd

Sauberkeit in Singapur Strafen lauern überall

Stand: 26.04.2018 12:19 Uhr

Die Straßen wirken wie geleckt, die Bänke, als ob man von ihnen essen könnte: Singapur ist wohl die sauberste Stadt Asiens. Dafür sorgen Freiwillige und Verurteilte.

Von Lena Bodenwein, ARD-Studio Singapur

Wie aus dem Boden gewachsen steht die Aufseherin plötzlich neben der unwissenden Frau auf dem Bahnsteig. "Sie können hier nicht essen", sagt sie und deutet auf das Verbotsschild: 500 Dollar Strafe gibt es für Nahrungsaufnahme im U-Bahnhof oder in der Bahn selbst. Dafür sind Singapurs U-Bahnhöfe so aseptisch sauber, dass man hier fast vom Boden essen könnte.

Bis zu 6500 Euro Strafe

Auf den öffentlichen Toiletten muss man sich erstmal durch die Schilderflut arbeiten: Nicht mit den Füßen auf die Brillen hocken, um sich "chinesisch" zu erleichtern, sonst setzen sich andere in den Dreck. Unbedingt abziehen, sonst drohen umgerechnet 150 Euro Strafe. Die nassen Hände nicht einfach abschütteln, sonst rutschen andere aus.

Sauberkeit in Singapur hat mit Erziehung zu tun. Schau, dies sind die Konsequenzen deines Handelns, also lass es besser sein. "Wir guten Menschen dürfen den bösen und hässlichen Menschen nicht erlauben, unsere Stadt dreckig zu machen“, so denken die braven Singapurer. Wer seine Umwelt verschmutzt, indem er einfach Abfall fallen lässt, muss schon beim ersten Mal bis zu 2000 Singapur Dollar zahlen, also etwa 1300 Euro. Beim zweiten Mal ist das Doppelte fällig und beim dritten Mal 10.000 Dollar, also 6500 Euro.

Arbeiter reinigen die Skulptur eines schlafenden Jungen von Marc Quinn in Singapur.
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Arbeiter reinigen die Skulptur eines schlafenden Jungen von Marc Quinn in Singapur.

Stockhiebe und Haftstrafe

Damit nicht genug: Die Verschmutzer können zusätzlich verurteilt werden, zwölf Stunden lang Parks zu säubern. Am besten direkt in ihrer Nachbarschaft, damit sie öffentlich bloßgestellt werden.  Das "Public Shaming" war die Motivation hinter der Einführung dieser Strafe.

Strafen lauern überall: Rauchen an der falschen Stelle, auf den Boden spucken oder auch bei illegalen Malereien. Zwei Leipziger, die vor mehr als drei Jahren eine Singapurer U-Bahn mit Graffiti verziert hatten, wurden zu je drei Stockhieben und neun Monaten Haft verurteilt. Singapur solle eine saubere Stadt sein. Man müsse dafür sorgen, dass Singapur schön bleibt, meint ein freiwilliger Stadtreiniger.

saubere Straßen in Singapur | Bildquelle: picture alliance / Amanda Hall/r
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Wer die Straßen verdreckt, muss hohe Strafen zahlen.

Freiwilligen-Bewegung

Es gibt nicht nur Strafen, sondern viele Freiwillige, die ihre Stadt makellos halten wollen. Eine ganze Bewegung hat sich formiert: "Keep Singapore Clean Movement", heißt sie. An den Wochenenden gehen ganze Schulklassen in die "Food Courts", die großen Ansammlungen von Ess-Buden, singen ein Lied oder tragen ein Gedicht vor, um an die Esser zu appellieren, ihren Dreck wegzuräumen.

Singapur sauber zu halten, hebt auch die Lebensqualität, so sehen es die Bewohner. Der Stolz auf ihre blühende Stadt ist es, der viele Singapurer motiviert. "The Garden City" heißt sie auch, die Stadt als Garten, in dem jeder sich erfreuen können soll.

Weil die Stadt sich aber nicht nur auf Freiwillige verlassen kann, fegt, säubert, räumt und putzt noch ein riesiges Heer von günstigen Arbeitskräften jeden Bürgersteig und jeden Parkweg.

Der Müll, die Stadt und die Strafen - Vermüllung in Singapur
Lena Bodewein, ARD Singapur
26.04.2018 11:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. April 2018 um 11:47 Uhr.

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