Karte Ägypten

Terror auf Sinai-Halbinsel Dutzende Tote bei IS-Anschlagsserie

Stand: 01.07.2015 15:14 Uhr

Der ägyptischen Regierung entgleitet immer mehr die Kontrolle über den Sinai. Bei der bislang schwersten Anschlagsserie auf der Halbinsel wurden nach Angaben von Behördenvertretern mindestens 70 Menschen getötet. Zu den Attentaten bekannte sich die Terrororganisation "Islamischer Staat".

Bei einer Serie von Anschlägen auf der ägyptischen Halbinsel Sinai sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Vertreter der Behörden sprechen inzwischen von mehr als 70 Toten. Bei etwa der Hälfte der Getöteten soll es sich um Soldaten oder Zivilisten handeln, bei der anderen Hälfte um Attentäter.

Zu den Anschlägen bekannte sich die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Eine ägyptische Untergruppierung des IS verkündete via Facebook, es seien 15 Stellungen der Armee und der Sicherheitskräfte angegriffen und drei Selbstmordanschläge verübt worden.

Nach Angaben der Armee griffen etwa 70 Attentäter mindestens fünf Kontrollpunkte der Sicherheitskräfte im Norden der Halbinsel an. Es entbrannten schwere Gefechte. Auch eine Polizeiwache sei Ziel der Terroristen gewesen. Extremisten hätten rund um die Wache in Scheich Suweid Sprengsätze deponiert und die Polizisten dazu gezwungen, im Gebäude zu bleiben. Zudem hätten sie eine Verbindungsstraße zu einem Armeelager vermint.

Wenig später erschütterten zwei Explosionen die ägyptische Stadt Rafah, die ebenfalls auf dem Sinai an der Grenze zum Gazastreifen liegt. Der Hintergrund hier ist noch völlig unklar.

Kampf gegen IS soll verstärkt werden

In der Region zwischen Mittelmeer und Rotem Meer hat die Gewalt nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Juli 2013 deutlich zugenommen. Verschiedene islamistische Gruppen sind seither in dem Gebiet aktiv. Sie verüben immer wieder Anschläge auf die Sicherheitskräfte, um eigenen Angaben zufolge die Unterdrückung der Mursi-Anhänger durch die Militärregierung zu rächen. In dem Konflikt wurden bereits hunderte ägyptische Soldaten und Polizisten getötet, vor allem im Norden des Sinai. Angesichts der zunehmenden Gewalt stellt sich die Frage, ob die Führung unter Mursis Nachfolger Abdel Fattah al Sisi in der Lage ist, den islamistischen Terror einzudämmen.

Gestern hatte Präsident Sisi angekündigt, das Vorgehen der Behörden gegen Extremisten zu verstärken. Er reagierte damit auf ein Attentat vom Montag, bei dem der Generalstaatsanwalt des Landes getötet worden war. Der IS hatte seine Anhänger aufgefordert, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan mit einer Welle von Anschlägen Stärke zu demonstrieren.

Anschläge auf Armeeposten im Sinai
C. Verenkotte, ARD Tel Aviv
01.07.2015 13:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juli 2015 um 17:00 Uhr.

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