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Umstrittener Megaplan in Simbabwe
Mugabe will sich eine neue Hauptstadt bauen
Für sagenhaften Reichtum ist Simbabwe nicht gerade bekannt. Das hindert seinen 89-jährigen Staatschef Mugabe nicht, Pläne für eine Kapitale samt Präsidentenpalast, Ministerialvillen, Luxus-Einkaufsmeile und angeschlossenem Parlament zu schmieden. Und so fragt man sich, wo soll das Geld herkommen?
Von Claus Stäcker, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg
Zweifel sind Robert Mugabe fremd - vor wenigen Tagen hat ihn seine Partei Zanu-PF mit fast 89 Jahren wieder zu ihrem Spitzenkandidaten gewählt. Der große Steuermann, immer noch beneidenswert fit, regiert Simbabwe längst wie ein König. Nun möchte er sich das finale Denkmal setzen: Eine komplett neue Hauptstadt in Mount Hampden, in seinem Heimatbezirk Zvimba. Sein ergebener Lokalregierungsminister Chombo wirbt unermüdlich für die Kapitale samt Präsidentenpalast, Gerichtssitz, Ministerialvillen, Luxus-Einkaufsmeile und angeschlossenem Parlament.
Mugabe dreht frei und jeder nüchtern denkende Simbabwer wie der Grundschullehrer John Mutsvangwa versteht die Welt nicht mehr: "Das ist absolut lächerlich, ganz Simbabwe steckt in der Krise und leidet unter der Armut und diese Regierung hat nichts Besseres zu tun, als eine neue Hauptstadt zu bauen? Ausgerechnet in Zvimba, der Heimat von Robert Mugabe?" Das Geld dafür solle man besser in Bildung stecken oder in andere Bereiche, meint er und fügt hinzu: "Leute können sich nicht mal mehr Lebensmittel kaufen. Dieses Geld nach Zvimba zu schieben, ist eine Ohrfeige für alle armen Simbabwer."
Mugabe will neuen Regierungssitz in Heimatbezirk bauen
C. Stäcker, ARD Johannesburg
11.12.2012 15:47 Uhr
Wo kommt das Geld für eine neue Hauptstadt her?
Der Politikdozent Pedzisai Ruhanya stimmt zu, Simbabwe habe Probleme zuhauf. Außerdem gibt er zu bedenken: "Die Regierung erzählt uns, dass unser Staatshaushalt 3,5 Milliarden Dollar beträgt. Für ein ganzes Jahr. Wo kommt da das Geld für eine neue Hauptstadt her?" Ruhanya spekuliert über die Diamantenfelder in Marange und fährt fort: "Unsere Städte leiden und verfallen, Harare, Bulawayo - es gibt regelrechte Geisterstädte wegen der Wirtschaftskrise. Wozu da noch eine neue Stadt bauen?"
Schlüssige Antworten gibt es bisher keine. Eigentlich hatte das Kabinett nur zugestimmt, das koloniale Parlamentsgebäude in Harare durch einen Neubau zu ersetzen, innerhalb der Stadtgrenzen. Plötzlich geht es um einen neuen Regierungssitz, 30 Kilometer entfernt - und Mugabes Verbündete schwimmen mit einem Mal im Geld. Selbst die Zanu-PF, noch vor einem Jahr fast bankrott, kaufte gerade für 14 Millionen Dollar 600 neue Autos, und die Mugabe-treue Armee, direkt beteiligt an den Marange-Diamantenfeldern, schaffte sogar tausend Neuwagen an.
Über zwei Milliarden Dollar in dunklen Kanälen
Die kanadische Organisation Partnership Africa schätzt, dass in Marange seit 2009 über zwei Milliarden Dollar in dunklen Kanälen verschwunden sind. Das macht selbst Analysten wie Paridzirai Tendwandiani stutzig, die durchaus Verständnis für die Hauptstadtpläne haben. "Ich denke, das Projekt ist gar nicht so politisch, wie es aussieht, es ist eher ein wirtschaftliches Entwicklungsprojekt", meint er: "Aber es bleibt sehr fischig, weil sich keiner erklären kann, wie plötzlich aus einem Parlamentsneubau das Projekt für eine halbe Stadt werden konnte."
Noch hat das Kabinett, dem auch die Mugabe-Rivalen der MDC angehören, nicht zugestimmt. Gestorben ist Mugabes kapitaler Plan damit aber noch lange nicht.
Stand: 11.12.2012 15:47 Uhr
