Ex-Vizepräsident Emmerson Mnangagwa (Archivbild 2016) | Bildquelle: AP

Mugabe-Nachfolger Mnangagwa Neuanfang mit alter Elite

Stand: 27.11.2017 16:10 Uhr

Nach dem Rücktritt Mugabes soll der von ihm geschasste Vize-Präsident Mnangagwa am Freitag als neues Staatsoberhaupt von Simbabwe vereidigt werden. Unter dem Jubel seiner Anhänger kündigte er eine "neue Demokratie" an - doch wie sein Vorgänger gehört Mnangagwa zur alten Elite.

Emmerson Mnangagwa soll am Freitag als neuer Präsident von Simbabwe vereidigt werden. Das kündigte Parlamentspräsident Jacob Mudenda an. Am Nachmittag kehrte das künftige Regierungsoberhaupt aus dem südafrikanischen Exil nach Harare zurück.

Unter dem Jubel seiner Anhänger zeigte sich Mnangagwa erstmals in der Öffentlichkeit. Das Land stehe am Beginn einer "neuen und sich entfaltenden Demokratie", sagte er. "Das Volk hat gesprochen. Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes." Der Wille des Volkes werde immer siegen. Zugleich versprach er, für Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze zu sorgen. Dafür sei man auf die Hilfe der internationalen Gemeinschaft angewiesen.

Simbabwes designierter Präsident Emerson Mnangagwa | Bildquelle: AP
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Nach seiner Rückkehr aus dem Exil ließ sich Mnangagwa von seinen Anhängern feiern.

Jahrelang treuer Gehilfe

Mnangagwa, wie Robert Mugabe ein früherer Unabhängigkeitskämpfer gegen die britische Kolonialherrschaft, war jahrzehntelang ein treuer Gehilfe Mugabes. Er war unter anderem Finanz- und Verteidigungsminister und wird für brutale Unterdrückungsmaßnahmen verantwortlich gemacht - seine Skrupellosigkeit hat ihm in Simbabwe den Spitznamen "Krokodil" eingebracht.

Mnangagwa unterhielt aber auch enge Beziehungen zum Militär. Als Wunschnachfolger der Armee für das Präsidentenamt galt der 75-Jährige schon länger.

Übergang von einem Tyrannen zum nächsten?

Der Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günther Nooke, ist skeptisch, ob es für Simbabwe nach dem Rücktritt Mugabes einen wirklichen Neuanfang gibt. Das Ende von Mugabes jahrzehntelanger Herrschaft bezeichnete er im SWR-Hörfunk als Machtkampf der alten Eliten. Sie hätten sich im Verbund mit China durchgesetzt, das starke wirtschaftliche Interessen in dem südafrikanischen Land unterhalte.

Nooke betonte, in der Bevölkerung seien sowohl die Regierungspartei Zanu-PF als auch die Opposition unbeliebt. In Simbabwe herrsche ein Klima der Angst, das keine freie Diskussion zulasse. Die Vereidigung des früheren Mugabe-Stellvertreters und Geheimdienstchefs Mnangagwa bezeichnete er als Übergang von einem Tyrannen zum Nächsten.

Bundesregierung bewertet Wechsel positiv

Die Bundesregierung dagegen wertete den Rücktritt des greisen Langzeitpräsidenten Mugabe als Chance für einen Neuanfang in Simbabwe. Dieser müsse "unter Einschluss aller demokratischen und zivilgesellschaftlichen Kräfte erfolgen", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin. Die Ereignisse der vergangenen Tage hätten "eindringlich gezeigt", dass die Menschen in Simbabwe einen "echten Neuanfang" wollten und ein Land, "das friedlich, gewaltfrei, demokratisch und pluralistisch ist".

Afrikanische Union sieht Übergangsprozess

Auch die Afrikanische Union begrüßte Mugabes Entscheidung, "nach einem ganzen Leben im Dienste der simbabwischen Nation" als Staatschef zurückzutreten. AU-Kommissionschef Moussa Faki Mahamat wertete das Eingreifen der Armee nicht als Militärputsch, sondern als Ausdruck der Bevölkerung nach "einem friedlichen Machtübergang". Der Rücktritt Mugabes ebne den Weg für "einen Übergangsprozess, der dem souveränen Volk Simbabwes gehört und von ihm geleitet wird".

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, es sei wichtig, dass nun ein offener Dialog für eine demokratischere Zukunft eingerichtet werde, der zur Beschleunigung wesentlicher Reformen animiere. Die EU sei bereit, diesen Prozess zu begleiten.

China, das unter Mugabe zu einem wichtigen politischen und wirtschaftlichen Partner Simbabwes geworden ist, zollte Mugabe Respekt. Er bleibe "ein guter Freund des chinesischen Volkes", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking. Auch die "freundliche Politik" gegenüber Simbabwe werde sich nicht verändern.

Morgan Tsvangirai | Bildquelle: dpa
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Fordert baldige Neuwahlen: Morgan Tsvangirai

Freie und faire Wahlen gefordert

Oppositionsführer Morgan Tsvangirai forderte, schnellstmöglich freie und faire Wahlen abzuhalten, um aus Simbabwe wieder eine erfolgreiche Demokratie zu machen. Ob die Opposition an der Übergangsregierung bis zur Wahl im nächsten Jahr beteiligt werden soll, ist unklar.

Mugabes Partei, Zanu-PF, hatte den zunehmend autokratisch regierenden Präsidenten am Wochenende als Vorsitzenden abgewählt und zum Rücktritt aufgefordert. Den Rückhalt in der Bevölkerung hatte Mugabe ohnehin schon lange verloren. Die Massenproteste am Samstag waren der deutliche Beweis.

Robert Mugabe tritt zurück
tagesthemen 22:15 Uhr, 21.11.2017, Thomas Denzel, ARD Johannesburg

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"Historischer Moment"

Die US-Botschaft in Harare bezeichnete Mugabes Rücktritt als einen historischen Moment für Simbabwe und gratulierte allen Simbabwern, die ihre Stimme erhoben hatten.

Die britische Premierministerin Theresa May erklärte, der Rücktritt Mugabes gebe Simbabwe die Chance, einen neuen Weg frei von Unterdrückung einzuschlagen.

Simbabwer feiern, trinken, tanzen und singen am 21.11.2017 in Harare, Simbabwe, die Rücktrittserklärung des Präsidenten Mugabe. | Bildquelle: dpa
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Jubel in Harare...

Jubel in Harare nach Rücktritt von Mugabe | Bildquelle: REUTERS
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... nach Mugabes Rücktritt.

Rückzug des Militärs aus der Politik unklar

Bislang weiß niemand, ob Mugabe in Simbabwe bleiben wird und ob ihm möglicherweise von der Militärführung Straffreiheit zugesichert wurde. Unklar ist auch, wie schnell und wie stark sich das Militär nach der Bildung einer Übergangsregierung wieder aus der Politik zurückziehen würde.

Mugabe war in dem Land im südlichen Afrika seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1980 an der Macht, zunächst als Premierminister und seit 1987 als Präsident. Seine Regierungsführung wurde mit den Jahren zunehmen autoritärer. Unter seiner Führung wurde aus der wohlhabenden Kornkammer der Region ein Armenhaus.

Nach Mugabe-Rücktritt: Simbabwe im Freudentaumel
Jan-Philippe Schlüter, ARD Johannesburg
22.11.2017 13:11 Uhr

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Mit Informationen von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Südafrika.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. November 2017 um 11:00 Uhr.

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