Feiernde stehen auf einem Platz in Madrid | Bildquelle: dpa

Rituale zum Jahreswechsel Weintrauben in Dosen und rote Unterwäsche

Stand: 31.12.2016 12:38 Uhr

In Madrid haben Tausende Spanier und Touristen 24 Stunden zu früh den Jahreswechsel begangen: Die Stadtverwaltung testete vorab das Glockengeläut. In ganz Europa werden pflegen Menschen skurrile Silvesterrituale: von Weintrauben bis zu roter Unterwäsche.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Brüssel

Rausgehen auf die Straße und Raketen in den Himmel schießen? Das ist den meisten Franzosen und Belgiern fremd. Es gibt zwar offizielle Feuerwerke, aber kaum private. Aus Sicherheitsgründen ist Böllern in den meisten Städten verboten. Silvester in Frankreich und Belgien bedeutet vor allem viel und fein essen. Mit der Familie und Freunden. Gerne Austern, Kaviar, Lachs, foie gras, also Stopfleber, dazu Wein und Champagner. Viele kleine Gänge werden verspeist. Das Silvestermenü wird über Stunden zelebriert.

Rote Unterwäsche in Rom

 
In Italien geht es vor allem um Geld und Glück. Auf den Tisch kommen traditionell die Lenticchie, braune Linsen. Sie sollen Geldmünzen darstellen, das neue Jahr soll den Italienern Reichtum bringen. Mehr Geld könnten auch der hochverschuldete Staat und die maroden Banken gebrauchen. Schön ist aber auch ein anderer Silvesterbrauch, der in Rom entstanden sein soll: Viele Italiener schenken sich untereinander rote Unterwäsche, die man zu Silvester trägt. Das soll Glück bringen im neuen Jahr.

Ein junger Italiener hat gleich zwei Slips gekauft - einen für seine Freundin - und, naja, einen für seine Mutter. Beide sollen eben Glück haben.

Spanier essen zwölf Weintrauben

Glück wünschen sich auch viele Spanier mit ihrem traditionellen Silvesterritual, den "uvas de la suerte", den "zwölf Weintrauben des Glücks". Kurz vor Mitternacht versammeln sich zehntausende Menschen auf dem bekanntesten Platz der spanischen Hauptstadt Madrid, der Puerta del Sol. Wer irgendwo anders in Spanien lebt, schaltet einfach den Fernseher ein, das Spektakel wird live übertragen.

Bei jedem Glockenschlag um Mitternacht muss man eine Traube essen und darf sich dabei etwas wünschen. Für jeden Monat einen Wunsch. So mancher wird sich wohl einen Job wünschen, denn fast jeder zweite junge Spanien hat keine Arbeit. Zwölf Glockenschläge, zwölf Trauben, zwölf Wünsche. Eine symbolische Zahl und eine ziemliche Herausforderung. Wer sich verschluckt oder mit den Wünschen durcheinander kommt, hat Pech im nächsten Jahr. So sagt es der Brauch.

Verfrühter Jahreswechsel in Madrid

Mehrere Tausend Spanier und Touristen haben sich bereits 24 Stunden vor dem Jahreswechsel in Madrid an der Puerta del Sol versammelt, um das neue Jahr einzuläuten. Der Grund für die verfrühte Party: Die Stadtverwaltung testet stets einen Tag vor Silvester das Glockengeläut.

Die Wünsche aller anderen gehen selbstverständlich in Erfüllung. Die zwölf "uvas de la suerte" gibt es abgezählt in kleinen Konservendosen zu kaufen. Sie sind bereits geschält, damit sie man sie leichter runterschlucken kann und sie nicht im Hals stecken bleiben.

Briten singen

Aus vollem Hals wird in Großbritannien zu Silvester gesungen. Das traditionelle Lied "Auld Lang Syne", was aus dem Schottischen übersetzt "Längst vergangene Zeit" bedeutet, darf nicht fehlen. Der deutsche Titel lautet "Nehmt Abschied Brüder".

Und weiter im Text heißt es "ungewiss ist alle Wiederkehr". Mit Blick auf den heraufziehenden Brexit-Verhandlungen im neuen  Jahr werden viele Briten ihr Silvesterlied wohl dieses Jahr nachdenklicher singen.

Böller, Trauben, Unterwäsche - Silvesterrituale in Europa
K. Bensch, WDR Brüssel
31.12.2016 11:51 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 31. Dezember 2016 um 08:48 Uhr auf WDR 5.

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