Drohne | Bildquelle: dpa

Preis für Start-up Kasseler begeistern im Silicon Valley

Stand: 25.08.2017 11:20 Uhr

Deutsche Unternehmensgründer, die im Silicon Valley Fuß fassen wollen, haben es häufig schwer. Diese Erfahrung machte auch Jörg Lamprecht, mit seiner Drohnenabwehr-Idee entdeckte er allerdings eine Marktlücke. Nun wurde sein Start-up ausgezeichnet.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Bill Reichert ist erstaunt. Selten habe er so viele, so gute Geschäftsideen gesehen wie an diesem Abend, schwärmt der Kapitalgeber, der seit vielen Jahren zu den großen Investoren im Silicon Valley gehört. "Das war einer der besten Gruppen-Pitches, die ich gesehen habe. Die Qualität der Präsentation war sehr beeindruckend. Man muss allerdings auch sagen, dass alle Unternehmen schon deutlich fortgeschritten und dadurch reifer waren."

Fünf Start-ups - allesamt mit Gründern aus Deutschland, die jetzt im Silicon Valley leben - waren angetreten. Am Ende des Abends des deutsch-amerikanischen Wirtschaftsverbandes Gaba gewinnt ein Unternehmen, das ursprünglich aus Kassel kommt: Dedrone wurde erst vor anderthalb Jahren gegründet und entdeckte eine Marktlücke. "Wir schützen Gebäude aller Art vor unerwünschten Drohnen. Drohnen werden ja mittlerweile genutzt, um Drogen in Gefängnisse zu schmuggeln, Firmen auszuspionieren oder einfach nur unerwünschte Aufnahmen zu machen. Das erkennt Dedrone", erklärt Geschäftsführer Jörg Lamprecht. "Wir scannen dazu den Luftraum und schützen wirkungsvoll vor Drohnen."

Gründer von Dedrone: Dr. Ingo Seebach, Jörg Lamprecht, Renee Seeber | Bildquelle: www.dedrone.de
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Die erste Zeit im Silicon Valley war für Dedrone-Gründer Lamprecht (Mitte) und seine Partner nicht einfach.

Zwischen San Francisco und Kassel

Das Unternehmen hat seinen Sitz von Kassel nach San Francisco verlagert, mehr als die Hälfte der 76 Arbeitsplätze ist aber weiterhin in Nordhessen - dort werden die Geräte gefertigt. In diesem Jahr erwirtschaftete Lamprechts Start-up bereits zwischen fünf und acht Millionen Euro Umsatz. 

Der 47-Jährige betont aber, dass er klein angefangen habe: "Ich bin im Januar letzten Jahres hierher gekommen - wir waren ursprünglich zu zweit, haben bei Starbucks gearbeitet und über Airbnb geschlafen. Keiner wollte wirklich mit uns spielen." Nach fünf Monaten hätten sie dann eine Finanzierung bekommen und konnten ein Team aufbauen, Mitarbeiter einstellen und die Geschäftsidee umsetzen.

Lamprecht sagt, der Aufbau von Dedrone wäre in Deutschland nicht möglich gewesen. Jedenfalls nicht so schnell. Deshalb sei er ins Silicon Valley gegangen. "Das ist nun mal unzweifelhaft der Platz auf der Welt, wo alles sehr schnell geht. Gerade für IT- und Sicherheitsunternehmen ist das der Platz, wo Unternehmen sehr schnell aufgebaut, finanziert und groß gemacht werden." Und das in kürzester Zeit. "Diesen Effekt haben wir hier genutzt."

Ein Mitarbeiter von Dedrone demonstriert, wie von einer Überwachungszentrale ein Firmengelände gegen Drohnen gesichert werden kann. | Bildquelle: dpa
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Ein Mitarbeiter von Dedrone demonstriert, wie von einer Überwachungszentrale ein Firmengelände gegen Drohnen gesichert werden kann.

Andererseits - Deutschland habe gegenüber dem Silicon Valley einen großen Vorteil: "Wie wir Unternehmen und Technologien aufbauen, ist sehr gut. Es geht nicht um die schnelle Mark, sondern um fundamentale Errungenschaften. Deutsche Ingenieure machen Dinge richtig." Was in Deutschland fehle, sei der Marktzugang.

Vor- und Nachteile in Deutschland

Mark Fleischmann ist Schwabe und lebt schon seit 26 Jahren im Silicon Valley. Er kennt die Gründerszene und weiß, wie schwer es ist, als Nicht-Amerikaner hier ein Unternehmen aufzubauen. Fleischmann gründete selbst eine Software-Firma und erlebte in den vergangenen Jahren so manchen Hoch- und Tiefpunkt. "Wenn man diese Marktlücke mit einem guten Produkt ausnutzt, hat man ganz erstaunliche Wachstumseffekte. Und das sieht man hier. Als Deutschen freut mich das für eine deutsche Firma besonders, dass sie hier so viel Erfolg hat, denn es ist schwer - es ist eine sehr andere Welt."

Unternehmensverband kürt deutsch-amerikanische Start-ups im Silicon Valley
M. Schuler, ARD Los Angeles
25.08.2017 09:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. August 2017 um 10:41 Uhr.

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