Eine Gruppe von Menschen steht inmitten eines riesigen Trümmerfelds aus eingestürzten Häusern. | Bildquelle: REUTERS

Nach Erdrutsch in Sierra Leone Graben in Trümmern und Schlamm

Stand: 15.08.2017 16:34 Uhr

Es ist eine verzweifelte Suche am "Zuckerhut" in Sierra Leone. Inmitten von Trümmern und Schlammmassen, die ein durch schwere Unwetter verursachter Erdrutsch hinterlassen hat, suchen Retter und Freiwillige nach Überlebenden.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

"Zuckerhut" - so nennen sie den Berg in Freetown, der Hauptstadt des westafrikanischen Sierra Leone. Im "Zuckerhut" klafft seit Montagmorgen eine riesige Wunde. Ein Erdrutsch hat sie gerissen. Eine Schlammlawine, die viele Anwohner im Schlaf überraschte und tötete. Seitdem suchen Helfer und Angehörige auf diesem Trümmerfeld verzweifelt nach Überlebenden.

Abu Bakar Tarawalie ist Sprecher des internationalen Verbandes von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond (IFRC) in Freetown. Ihm zufolge werden noch immer 600 Menschen in dem Unglücksgebiet vermisst.

Zahl der Todesopfer noch unklar

Regierungsbehörden haben begonnen, die Überlebenden der Katastrophe am Zuckerhut-Berg zu registrieren. Es ist der Versuch, Informationen zu Überlebenden und vermissten Familienangehörigen zu bekommen. Und der Versuch, Obdachlose unterzubringen.

Wie viele Todesopfer die Schlammlawine tatsächlich gefordert hat, kann momentan nur geschätzt werden. In der Leichenhalle von Freetown wollen die Mitarbeiter bisher 300 Leichen gezählt haben. Andere Institutionen geben an, 270 Tote seien bisher geborgen worden.

Fest steht jedoch, dass die Hauptstadt von Sierra Leone eine der schlimmsten Katastrophen in einer Regenzeit erlebt hat. Vor zwei Jahren waren bei Überschwemmungen zehn Menschen ums Leben gekommen. Diesmal sind es Hunderte. Handyvideos von Menschen, die erlebten wie Schlamm und Wasser den Hang am Zuckerhut-Berg verwüsteten, zeigen entsetzliche Bilder: Beispielsweise wie ein vierstöckiges Gebäude, unterspült von wirbelnden Wassermassen, wie ein Pappkarton nach vorne stürzt und im Schlamm versinkt.

Über 1.000 Tote nach Schlammlawine in Sierra Leone befürchtet
tagesschau 12:00 Uhr, 16.08.2017, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Eine teils selbst verschuldete Katastrophe

Abu Bakar Tarawalie weist darauf hin, dass diese Katastrophe zumindest teilweise von Menschen verursacht wurde. Diejenigen, die am Zuckerhut-Berg Häuser gebaut hätten, seien gewarnt worden. Der Berghang sei riskant bei extremen Wetterlagen. Solche Warnungen seien nicht beachtet worden, sagt Tarawalie: "Diese Leute haben mit dafür gesorgt, dass das passieren konnte. Sie haben alles beseitigt, was die Erde am Berghang hätte zusammenhalten können. Sie haben am Hang gerodet und das Gebiet damit anfällig für Erosion und Überflutung gemacht."

Doch auch in anderen Teilen von Freetown haben die Überflutungen schwere Schäden angerichtet. Nach drei Tagen besonders heftiger Regenfälle steht das Wasser in vielen Armenvierteln der Millionenstadt. Die Abwassersysteme dort sind überlastet oder durch Abfälle und Schwemmgut verstopft. Etliche Slums liegen auf Höhe des Meeresspiegels, deshalb kommt es dort nach ergiebigen Regenfällen häufig zu Überschwemmungen.

Sierra Leone schon von Ebola-Epidemie betroffen

Sierra Leones Präsident, Ernest Bai Koroma, wandte sich im Staatsfernsehen an die Bevölkerung. "Diese große Katastrophe fordert uns einmal mehr heraus, zusammenzustehen und einander zu helfen", appellierte er an die Bevölkerung. Koroma wandte sich auch an die internationale Gemeinschaft: "Wir brauchen dringend Hilfe!" Sierra Leone gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und war in den vergangenen Jahren bereits von der Ebola-Epidemie schwer getroffen worden.

Sierra Leone – 600 Vermisste, verzweifelte Suche nach Überlebenden
Jens Borchers, ARD
15.08.2017 15:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. August 2017 um 17:00 Uhr.

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