Jeff Sessions  | Bildquelle: AP

Anhörung zur Russland-Affäre Der Tag des Jeff Sessions

Stand: 13.06.2017 04:37 Uhr

In der Russland-Affäre rund um US-Präsident Trump steht heute eine weitere brisante Anhörung im Senat an: Justizminister Sessions wird vom Geheimdienstausschuss befragt. Thema werden auch die Umstände rund um die Entlassung des Ex-FBI-Chefs Comey sein.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Er wird aussagen - und zwar öffentlich. Um 20:30 Uhr deutscher Zeit wird US-Justizminister Jeff Sessions vor dem Geheimdienstausschuss des US-Senats erwartet. Mindestens zwei Mal soll sich Sessions im US-Wahlkampf mit Sergej Kisljak, dem russischen Botschafter in Washington getroffen haben.

Bei der Anhörung zu seiner Bestätigung im Januar 2017 hatte er behauptet, nicht mit den Russen kommuniziert zu haben. Als die  Begegnungen bekannt wurden, erklärte Sessions im März seinen Rückzug aus den laufenden Russlandermittlungen. "Er hat gelogen", sagte die demokratische Abgeordnete Nancy Pelosi. "Das ist ein Grund für einen Rücktritt".

Wie bei Comey hohe Einschaltquoten

Ähnlich wie die Anhörung des entlassenen FBI-Chefs James Comey letzte Woche dürfte auch Sessions für hohe Einschaltquoten bei den Nachrichtensendern sorgen. Comey hatte unter Eid ausgesagt, er habe sich an seinen Dienstvorgesetzten Sessions gewandt, um unangenehme und aus seiner Sicht unangemessene Vieraugengespräche mit dem Präsidenten zu vermeiden. Doch "am Ende war der FBI-Direktor allein", kritisierte die demokratische Senatorin Diane Feinstein.

Ob der demokratische Senator Chuck Schumer Antworten auf seine zentralen Fragen erhalten wird, scheint unklar. "Hat er sich in die Russlandermittlungen eingemischt, bevor er sich wegen Befangenheit zurückgezogen hat? Welche Sicherheit gibt es jetzt dafür, dass er sich nicht einmischt?", so Schumer. "Er sagt, er hätte etwas mit der Entlassung Comeys zu tun gehabt und der Präsident sagt, Comey sei wegen Russland gefeuert werden. Wie passt das mit seiner Befangenheit zusammen?"

Sessions: "Ich freu mich drauf"

Sessions könnte oft antworten, dass er über geheime Dinge keine Auskunft geben darf. Oder er beruft sich auf Schweigerechte als Regierungsmitglied. Es sei wichtig für die US-Bürger, die Wahrheit direkt von ihm zu hören, begründete der 70-jährige Minister seinen Willen auszusagen. Er freue sich darauf, die Fragen der Senatoren zu beantworten.

Republikaner James Lankford und seine Kollegen wollen Klarheit: "Wir hatten ja eine Menge ungenannte Quellen, die in den Medien Dinge über Sessions gesagt haben. Es wird gut sein, direkt von ihm zu hören".

"Verteidigung der Demokratie"

Der Abgeordnete Adam Kinzinger, ebenfalls Republikaner, geht erheblich weiter. Es steht für ihn zweifelsfrei fest, dass Russland sich in die US-Wahlen vom vergangenen Jahr eingemischt hat. Und es aus seiner Sicht wieder tun wird. Bei Wahlen in Deutschland, bei den Zwischenwahlen 2018 in den USA und wenn im Jahr 2020 die nächsten Präsidentschaftswahlen anstehen. Deshalb gehe es auch um die Verteidigung der Institution Demokratie, sagt Kinzinger

Mehrere US-Medien berichteten, es sei zwischen Sessions und Präsident zu erheblichen Spannungen gekommen. Der Justizminister habe sogar seinen Rücktritt angeboten. Nun wird er im Geheimdienstausschuss des Senats erwartet. Ob und wie viele Antworten über Art, Umfang und Zwecke der Russlandverbindungen der Trump-Kampagne die Senatoren und die Öffentlichkeit von Sessions erhalten werden, wird erst am späten Abend deutscher Zeit klar sein.

Vor der Sessions-Anhörung im US-Senat
A. Horchler, ARD Washington
13.06.2017 06:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. Juni 2017 um 10:20 Uhr.

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