Paralympionikin Anna Schaffelhuber in der Werkstatt von Ottobock

Werkstatt bei den Paralympics Für alle Fälle das richtige Werkzeug

Stand: 13.03.2018 13:59 Uhr

Während der Paralympics sorgt ein niedersächsisches Unternehmen dafür, dass die Ausrüstung der Athleten immer in Schuss ist. 30 Techniker kleben, hämmern und schweißen in der kleinen Werkstatt.

Von Moritz Cassalette, NDR

Im Paralympischen Dorf steht ein riesiges weißes Zelt, in dem die Athleten einkaufen, Kaffee trinken und zum Frisör gehen können. Direkt daneben steht etwas unscheinbar ein kleineres weißes Zelt, das aber viel wichtiger ist. Hier ist die Werkstatt.

"Im Ottobock-Reparatur-Servicecenter reparieren wir alle Rollstühle, Prothesen, Orthesen, Sportgeräte - das ganze technische Equipment, das die Sportler und Athleten hier bei den Paralympischen Spielen brauchen", erklärt Peter Franzel.

Die 15. Spiele - "ein schönes Jubiläum"

Er ist in Pyeongchang der Organisationsdirektor von Ottobock, einem Orthopädie-Unternehmen aus Duderstadt in Süd-Niedersachsen, das Behindertensportlern bei Paralympics seit inzwischen 30 Jahren hilft. "Wir haben 1988 mit vier Technikern aus Australien angefangen, diesen technischen Service zu leisten", erinnert er sich. "Mittlerweile sind es jetzt die 15. Spiele, bei denen wir mit 30 Technikern im Einsatz sind. Das ist ein schönes Jubiläum für uns."

An einer Werkbank hat ein Techniker in der rechten Hand einen Föhn, in der linken den Stiefel eines chinesischen Sledge-Eishockey-Spielers. "Vorne hat sich die Sohle komplett gelöst", sagt der Techniker. Und es sieht wirklich hoffnungslos aus. Er versucht, sie wieder anzukleben. Vielleicht wäre es besser, einen neuen Schuh zu kaufen, aber der Sportler will ihn lieber repariert haben.

Ein japanischer und ein tschechischer Eishockeyspieler kämpfen bei den Paralympics in Pyeongchang um den Puck. | Bildquelle: REUTERS
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Im Gangneung Hockey Center ist Ottobock ebenfalls mit einer Werkstatt vertreten. Sollte in den harten Zweikämpfen die Ausrüstung der Spieler kaputt gehen, kann sie sofort repariert werden.

13 Stunden täglich im Einsatz

Drei Meter weiter an einer Werkbank wird gehämmert, aus einem anderen Raum ist hinter einer drei Meter hohen Pappmachéwand eine laute Säge zu hören.

13 Stunden am Tag ist die Werkstatt geöffnet. Vorne im Zelt sitzt in einem kleinen Empfangsraum der deutsche Topstar Anna Schaffelhuber. Sie lässt sich ihren Rollstuhl reparieren. "Bei mir wurde an den Kugellagern gearbeitet", sagt sie. Das ist für die Werkstatt im Paralympischen Dorf kein Problem.

8000 Teile an allen Wettkampforten

Auch für rustikalere Fälle gibt es das nötige Werkzeug. An den Stadien und Hallen sind ebenfalls kleine Werkstätten eingerichtet. "Im Gangneung Hockey Centre, wo Para-Eishockey gespielt wird, haben wir sogar eine Schweißanlage", erzählt Franzel. Wenn die Spieler mit ihren Schlitten heftig aneinander krachten, könnten unter Umständen die Rahmen brechen. "Wir können dann die Spieler während des Spiels vom Spielfeld holen, kurz den Rahmen schweißen und die Spieler dann wieder zurück ins Spiel schicken."

8000 Ersatzteile hat Ottobock in Pyeongchang, um die Geräte der Sportler zu reparieren - zur Not kann die Filiale aus Seoul aushelfen. Peter Franzel geht davon aus, dass während dieser Paralympics bis zu 400 Sportler, also etwa zwei Drittel aller Athleten, einmal vorbei kommen. Die Hilfe ist kostenlos, in der Werkstatt im kleinen weißen Zelt im Paralympischen Dorf.

Deutsche Werkstatt bei den Paralympics
Moritz Cassalette, NDR
13.03.2018 11:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 13. März 2018 um 09:50 Uhr.

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