Kirill Serebrennikow | Bildquelle: dpa

Serebrennikow unter Betrugsverdacht Russischer Regisseur festgenommen

Stand: 22.08.2017 11:31 Uhr

Er hatte es schon seit Längerem befürchtet, im Mai zogen die Behörden seinen Pass ein: Nun ist der international anerkannte russische Theatermacher Kirill Serebrennikow festgenommen worden. Der Vorwurf: Veruntreuung von Geldern.

Der prominente russische Theaterregisseur Kirill Serebrennikow ist unter Betrugsverdacht festgenommen worden. Der Leiter des Moskauer Theaters "Gogol-Center" werde verdächtigt, zwischen 2011 und 2014 staatliche Gelder in Höhe von 68 Millionen Rubel (knapp eine Million Euro) veruntreut zu haben, teilte das Staatliche Ermittlungskomitee mit.

Der 47-Jährige war bereits im Mai kurzzeitig in Gewahrsam genommen und befragt worden. Damals hatten Behörden auch die Wohnung des Regisseurs und das Gogol-Centers durchsucht. Drei frühere Mitarbeiter wurden mit Untersuchungshaft oder Hausarrest belegt. Serebrennikow war nach Behördenangaben damals zunächst nur Zeuge im Verfahren. Weil aber sein Pass eingezogen wurde und er nicht ins Ausland reisen durfte, fürchtete auch er eine Verhaftung.

Serebrennikows Kritik an Behörden

Den Vorwurf der Veruntreuung wies er zurück. Allerdings belastete ihn die frühere Chefbuchhalterin seiner Produktionsfirma "Siebtes Studio" in Vernehmungen. Nach Serebrennikows Angaben werfen die Ermittler ihm vor, dass eine bestellte Inszenierung von Shakespeares "Sommernachtstraum" nicht zustande gekommen sei. Die Aufführung ist allerdings mehrfach in Russland und im Ausland gezeigt worden. Nach einem Aufruf des Gogol-Centers hatten im Juni Nutzer zahlreiche Fotos, Eintrittskarten und Plakate der Inszenierung in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Serebrennikows Anhänger sehen in den Ermittlungen eine Vergeltung konservativer Kreise des Kremls wegen seiner satirischer Kritik an russischen Behörden. Seine Produktionen sind seit Jahren ausverkauft. Im Juli hatte das Bolschoi-Theater eine mit Spannung erwartete Ballett-Inszenierung über den russischen Startänzer Rudolf Nurejew unter der Leitung von Serebrennikow drei Tage vor der Premiere abgesagt. In der Moskauer Kunstszene sprachen viele Beobachter daraufhin von einer Rückkehr zur Zensur. Das Bolschoi wies Berichte zurück, wonach die Inszenierung wegen ihrer freimütigen Darstellung der homosexuellen Beziehungen des Protagonisten gestrichen worden sei.

Im September sollte Serebrennikow in Stuttgart die Märchenoper "Hänsel und Gretel" inszenieren. Vergangene Woche hatte sich der Intendant der Stuttgarter Oper, Jossi Wieler, für den Regisseur eingesetzt und seine Hoffnung auf politische Unterstützung für den Theatermacher geäußert. In der "Süddeutschen Zeitung" nannte er alle Vorwürfe gegen Serebrennikow politisch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. August 2017 gegen 13:15 Uhr im ARD-Mittagsmagazin und um 15:00 Uhr.

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