Flüchtlinge an der serbisch-kroatischen Grenze | Bildquelle: dpa

Flüchtlingskrise auf dem Balkan Kroatien öffnet Grenze für Serben wieder

Stand: 25.09.2015 20:13 Uhr

Kroatien hat auf den Druck der EU reagiert und seine für serbische Fahrzeuge geschlossenen Grenzübergänge wieder geöffnet. Das Land wollte den Nachbarn so zwingen, keine Flüchtlinge mehr an die gemeinsame Grenze zu transportieren, und hatte damit eine Krise ausgelöst.

Kroatien hat die Sperrung seiner Grenze für serbische Fahrzeuge wieder aufgehoben. Zwei der acht Grenzübergänge seien seit dem Nachmittag wieder für "alle Autos unabhängig ihres Nummernschildes" geöffnet, teilte Innenminister Ranko Ostojic mit. Das Einlenken der Regierung in Zagreb erfolgte nach massivem Druck aus der EU. Brüssel hatte "umgehende Erklärungen" von Kroatien verlangt, so eine Kommissionssprecherin.

Kroatien hatte angesichts des durch die Schließung der serbisch-ungarischen Grenze ausgelösten Flüchtlingsansturms auf sein Territorium die Grenze zu Serbien Anfang der Woche für Lastwagen und Lieferfahrzeuge mit serbischem Kennzeichen gesperrt. Dort hatten sich kilometerlange Lkw-Staus gebildet. Die Außenbeauftragte Federica Mogherini habe heute mit den Regierungschefs in Kroatien und Serbien telefoniert und einen "konstruktiven Ansatz" gefordert.

Flüchtlinge weichen auf Kroatien aus

In Kroatien kommen seit Mitte des Monats immer mehr Flüchtlinge an. Grund dafür ist, dass Ungarn seine Grenze zu Serbien am 15. September komplett abriegelte. Seitdem weichen die über die Balkanroute unter anderem aus Syrien kommenden Flüchtlinge von Serbien nach Kroatien aus - und versuchen von dort nach Österreich und Deutschland weiterzureisen.

Um Serbien zu zwingen, die vielen Flüchtlinge auch nach Ungarn und Rumänien weiterzuleiten, hatte Kroatien Anfang der Woche seine Grenzen für Fahrzeuge aus Serbien gesperrt. Die serbische Regierung in Belgrad reagierte und schloss die eigenen Grenzen wiederum für den kroatischen Güterverkehr. Serbien beschwerte sich außerdem in Brüssel über Kroatien.

55.000 Flüchtlinge in zehn Tagen

Seit dem 15. September zählten die kroatischen Behörden 55.000 Flüchtlinge, allein am Donnerstag waren es 8500 Neuankömmlinge. Zagreb fühlt sich durch den Ansturm überfordert.

Ungarn kündigte derweil an, nach der Grenze zu Serbien auch die zu Kroatien komplett abriegeln zu wollen. Die Errichtung eines Zaunes und damit eines "Schutzes an der Grenze zu Serbien hat unsere Ziele erfüllt", sagte Regierungschef Viktor Orban. "Es ist unsere Pflicht, dies auch an der Grenze zu Kroatien zu machen." Der Andrang von Flüchtlingen werde "nicht nachlassen", sagte der rechtsgerichtete Politiker.

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