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Großes Bunkersystem in Russland entdeckt

Sekte soll jahrelang unter der Erde gelebt haben

Eingang zum Gelände der Sekte
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Das Gelände der Sekte ist von hohen Mauern umgeben.

Eine russische Sekte hat offenbar mit mindestens 20 Kindern ohne Sonnenlicht, Heizung und Strom in einem unterirdischen Bunkersystem gelebt. "Die Kinder sind nie zur Schule gegangen und waren kaum über der Erde", teilten die Behörden in der Stadt Kasan der Zeitung "Komsomolskaja Prawda" zufolge mit. Die rund 70 Mitglieder sollen mehr als zehn Jahre in den zellenartigen Wohnräumen gelebt haben.

Die Existenz der Gruppe, so Zeitungsberichte, war seit Jahren bekannt. Ihre Mitglieder sollen über und unter der Erde gelebt haben. Im Fernsehen sind Gänge und Kammern zu sehen, angeblich gibt es mehrere unterirdische Etagen.

Kinder kommen in Waisenhäuser

Die Kinder wurden inzwischen in Krankenhäusern untersucht. "Sie sehen gut ernährt aus, aber schmutzig, deshalb mussten wir sie waschen" sagte die Kinderärztin Tatjana Moros in einem Fernsehbericht. Die Kinder sind nach Medienangaben zwischen 18 Monaten und 17 Jahren alt. Sie kamen in Kliniken und sollen dann in Waisenhäusern betreut werden, wie der Kinderschutzbeauftragte der Regierung, Pawel Astachow, der Agentur Ria Nowosti sagte.

Russische Polizei entdeckt dutzende Sektenmitglieder in Bunker
nachtmagazin 0:00 Uhr, 10.08.2012, Olaf Bock, ARD Moskau

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Ermittlungen gegen Sektenchef und Eltern

Die Behörden in der muslimisch geprägten Teilrepublik Tatarstan ermitteln gegen den 83 Jahre alten Sektenchef Faisrachman Satarow, weil er "das Recht in die eigene Hand genommen hat". Den Eltern drohen Verfahren wegen Kindesmisshandlung. Festnahmen gab es bisher nicht.

Die Behörden wollen den Höhlenbau nun einebnen, der unter ein dreistöckiges Haus mit einem kleinen Minarett getrieben wurde. Satarows Anhänger in der Wolga-Stadt Kasan - rund 800 Kilometer östlich von Moskau - drohten der "Komsomolskaja Prawda" zufolge, den Weltuntergang heraufzubeschwören, falls ihnen die Behörden nicht ihre Kinder zurückgeben würden. Auch gegen den angekündigten Abriss des illegal gebauten Hauses ihres "Propheten" kündigten sie Widerstand an.

Die "Faisrachmanisten" hätten sich bereits 2001 von der Außenwelt abgeschottet, schrieb das Blatt. Die Gemeinschaft habe hohe Schulden gehabt. Die Sekte verfüge über eine Moschee, einen Dieselgenerator und eigene Brunnen. Die Frauen hätten ihre Kinder auf dem Gelände geboren. Unterricht gab nur Satarow. Seine Anhänger durften - bis auf wenige Ausnahmen - das Gelände nicht verlassen und keinen Kontakt zur Außenwelt aufnehmen.

Selbst ernannter Prophet ordnete Bau des Verstecks an

Anschlagsort
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Anschläge auf islamische Würdenträger waren der Anlass für die Ermittlungen.

Satarow erklärte sich Medien zufolge Ende der 1980er-Jahre gegen die Prinzipien des Islams zum Propheten. Nachdem er 1996 das etwa 700 Quadratmeter große Gelände am Stadtrand von Kasan gekauft hatte, befahl Satarow seinen Jüngern, dort das unterirdische Zellensystem zu errichten. Die Sekte erklärt jeden zum Feind, der nicht nach dem Koran lebt. Die Mitglieder lehnen deshalb nicht nur staatliche Behörden ab, sondern auch islamische Würdenträger.

Sektenversteck wurde bei Terrorermittlungen entdeckt

Auf die Spur der Sekte kam die Polizei bei der Fahndung nach den Mördern eines hohen islamischen Geistlichen Tatarstans, dem stellvertretenden Obermufti Waljulla Jakubow, der im Juli in Kasan vor seinem Haus erschossen worden war. Obermufti Ildus Faisow wurde wenige Minuten später bei einem Sprengstoffanschlag schwer verletzt. Beide sind Salafisten, die für eine strenge Auslegung des Islams eintreten.

Das Spezialkommando, das das Gelände der "Faisrachmanisten" stürmte, hatte eigentlich nach Waffen und Sprengstoff gesucht. Diese wurden jedoch nicht gefunden.

Stand: 09.08.2012 14:52 Uhr

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