Bayerns Ministerpräsident Seehofer bei einer Pressekonferenz mit den ungarischen Ministerpräsidenten Orban (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Seehofer besucht Orban Treffen der Hardliner

Stand: 04.03.2016 09:18 Uhr

Horst Seehofers strikte Haltung in der Flüchtlingspolitik ist bekannt. Genauso wie die von Ungarns Premier Orban. Heute kommt es in Budapest zum Treffen der Hardliner. Ein Affront gegen die Kanzlerin oder der Beginn eines Brückenschlags?

Von Ralf Borchard, ARD-Studio Wien

Horst Seehofer gibt Viktor Orban mit seinem Budapest-Besuch ein Forum. Kurz vor dem EU-Flüchtlingsgipfel mit der Türkei kann der ungarische Regierungschef seine Haltung noch einmal publikumswirksam präsentieren. Orban war von Anfang an der schärfste Kritiker von Kanzlerin Angela Merkel, er hat als erster Grenzzäune gebaut und wehrt sich nach wie vor vehement gegen eine Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU.

Hendrik Hansen von der Andrassy-Universität
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Politikwissenschaftler Hendrik Hansen

An der Budapester Andrassy-Universität, wo Seehofer nach dem Treffen mit Orban eine Rede hält, wird aber auch betont, man müsse Ungarn wenigstens zuhören. "Orban ist ein Ministerpräsident, der gerne provoziert", räumt Hendrik Hansen an. Er ist Politikwissenschaftler und Prorektor der Universität und sagt: "Natürlich ist ein Teil der Kritik eine Reaktion auf Provokationen, die von ungarischer Seite zum Teil auch sehr bewusst lanciert werden. Aber - das ist wichtig - ich glaube, dass man sich in Deutschland viel zu wenig die Mühe macht, die ungarische Position zu verstehen."

Verständnis für Orbans Kritik

Um am Ende eine europäische Lösung zu erreichen, könnte Seehofer möglicherweise sogar eine Brücke zwischen Orban und Merkel bauen, meint Hansen. Ungarn habe sich vor allem zu Beginn der aktuellen Flüchtlingskrise von Deutschland übergangen gefühlt: "Die Fragen, die Orban aufwirft, sind ja welche, die wir uns in Deutschland, aber auch in Frankreich und England, doch schon stellen müssen. Er wirft uns ja vor, dass eigentlich die Integration in unseren Ländern nicht funktionieren würde", sagt Hansen.

"Er sagt, ihr redet von der Integration von muslimischen Migranten, aber schaut euch doch an, wozu die Integration bei euch geführt hat. Und wenn man nach Frankreich in die Banlieue guckt oder in Teile von Deutschland, wo die Integration nicht geglückt ist, dann muss man natürlich sagen, dass die ungarischen Anfragen zunächst einmal legitim sind." Deshalb fordert der Politikwissenschaftler: "Wir müssen zu einem Diskurs kommen in Europa, wo wir diese legitimen Positionen überhaupt erst mal zulassen."

"Grenzen dicht - auch in Deutschland"

Unter den Studenten der deutschsprachigen Andrassy-Universität ist die Meinung geteilt. Stephan Drexler kommt aus Eggenfelden in Niederbayern. Er macht hier seinen Master in Internationalen Beziehungen und ist bekennender Seehofer-Fan: "Ich bin der Meinung, wir müssen die Grenzen dicht machen, auch in Deutschland. Wir müssen aber gleichzeitig diejenigen, die wirklich in Not sind, die im Libanon und Jordanien sitzen, unterstützen", fordert der Student.

"Wir müssen uns überlegen, ob wir nicht direkt, wie es ja Großbritannien und Kanada machen, Familien, Kranke und Kinder aus den Lagern zu uns holen und die Familien mit Kindern jetzt nicht diesem Weg über den Balkan aussetzen", sagt Drexler.

"Chance für Deutschland"

Die Mailänderin Clara Latini fühlt sich vor allem als Europäerin. Sie habe Angst um die Reisefreiheit im Schengen-Raum, sagt die Italienerin, die zuvor in Regensburg studiert hat: "Man darf nicht vergessen, dass Flüchtlinge auch sehr gut für die deutsche Wirtschaft sein können. Also ich kenne auch in Regensburg viele Flüchtlinge, die haben in Syrien zum Beispiel Medizin studiert, und dann können sie auch gleich die Sprache lernen", berichtet Latini. "Ich glaube, man kann auch die andere Seite von den Flüchtlingen aus sehen. Es sind nicht nur böse Menschen, Kriminelle. Also, das kann auch ein Gewinn für Deutschland sein, für die Zukunft, für die Wirtschaft."

Seehofer zu Besuch bei Orban
R. Borchard, ARD Wien, zzt. Budapest
04.03.2016 05:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. März 2016 um 16:15 Uhr.

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