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Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verbot gefordert - doch die französischen Richter ließen Scientology mit Geld- und Bewährungsstrafen davonkommen. Wenn die Sekte weiter arbeite, sei sie besser zu kontrollieren, betonten die Richter.
Von Johannes Duchrow, ARD-Hörfunkstudio Paris
Wenn man die Reaktionen der beiden Parteien als Maßstab nimmt, muss das Urteil der großen Strafkammer sehr weise sein. 600.000 Euro Strafe für die Sekte, und dem Scientology-Chef Alain Rosenberg hat das Gericht zwei Jahre Haft auf Bewährung und 30.000 Euro Strafe aufgebrummt.
[Bildunterschrift: Zwei Jahre Haft auf Bewährung und 30.000 Euro Strafe für den französischen Scientology-Chef Alain Rosenberg. ]
Olivier Morice, der Anwalt mehrerer Opfer, war nach dem Urteil hochzufrieden. Die Richter seien raffiniert gewesen, weil sie der Sekte einen letzten Warnschuss verpasst hätten. Und weil die Scientolgen verpflichtet worden seien, das Urteil in ihren Veröffentlichungen abzudrucken, müssten sich auch die Mitglieder mit dem Urteil auseinandersetzen. "Das Urteil ist deshalb erzieherisch und eine weltweite Botschaft des Gerichtes gibt es auch. Die heißt: wenn wir die Organisation nicht verbieten, können wir sie besser kontrollieren." Denn wenn sie im Geheimen wirke, könne sie ihre Methoden weiter anwenden.
Das, was Scientology in Frankreich "Glückstherapie" nennt, ist für die große Strafkammer in Paris "bandenmäßiger Betrug". Geklagt hatten Opfer der Sekte, die mehrere 1000 Euro in Therapien investiert und ein sogenanntes Elektrometer gekauft hatten.
[Bildunterschrift: Sitz der Scientology-Sekte in Paris ]
Die Staatsanwaltschaft hatte insgesamt vier Millionen Euro Strafe gefordert und wollte die Scientologen verbieten lassen. Doch das scheiterte an einem Fehler des französischen Parlaments. Das hatte im Mai beschlossen, das Strafrecht zu vereinfachen. Dabei war kurzfristig auch die Möglichkeit weggefallen, verurteilte Vereine aufzulösen.
Und so sieht sich auch Scientology als Sieger des Verfahrens. "Mit der Entscheidung sind wir natürlich nicht zufrieden", sagte ihr Rechtsanwalt Patrick Maisonneuve. "Andererseits sind wir weit von dem entfernt, was der sehr strenge Staatsanwalt gefordert hatte. Jetzt kann die Scientologen-Kirche weiter arbeiten."
Dennoch kündigte Maisonneuve unmittelbar nach dem Gerichtstermin an, dass er das Urteil anfechten werde.
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