AKW Mühleberg | Bildquelle: picture alliance / dpa

Plan für AKW Mühleberg In 15 Jahren zur grünen Wiese

Stand: 26.11.2016 16:44 Uhr

Das zweitälteste Kernkraftwerk der Schweiz soll 2019 vom Netz. Wie reißt man so ein Atomkraftwerk ab? Über den Rückbau des Kernkraftwerks Mühleberg.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

1972 ging das Kernkraftwerk Mühleberg ans Netz und ist damit das zweitälteste AKW der Schweiz. Wegen seines hohen Alters und seiner Nähe zur Stadt Bern war das Kraftwerk bereits seit Jahren umstritten. Deshalb plante der Betreiber, die BKW Energie AG, einen Ersatz des Meilers.

Doch seit Fukushima steht in der Schweiz ein Neubau eines Kernkraftwerks nicht mehr auf der Tagesordnung. Am Abbruch des alten Kraftwerks hält der Stromversorger fest. 2019 soll der Meiler vom Netz gehen und dann abgerissen werden - so lautet der aktuelle Plan.

Der Abriss erfolgt in vier Phasen

Verantwortlich für das Projekt ist der deutsche Maschinenbauingenieur Stefan Klute. Der Abriss - so sagt er - geschieht in vier Phasen: "Die erste Phase ist die vorlaufende Planungsphase mit dem gesamten Genehmigungsprozess."

In der zweiten Phase werden die Brennelemente von der Anlage in ein Zwischen- bzw. Endlager transportiert. "Es ist eine Arbeit, wie sie auch während des Betriebs durchgeführt wird. Die Optimierung liegt darin, auch schon vorgelegte Stilllegungsarbeiten durchführen zu können", so Klute. Dadurch wird ein erneutes Hochfahren der Anlage nicht mehr möglich.

Nuklearer Rückbau nach vier Jahren

Nach etwa vier Jahren beginnt der nächste Abschnitt des Abbruchs - der sogenannte nukleare Rückbau. Nun werden die verstahlten Baugruppen des Kraftwerks entfernt und ebenfalls in ein Lager gebracht. Das sind in Mühleberg etwa 3000 Tonnen.

Klute erklärt: "Die hochradioaktiven Komponenten werden demontiert und in Abschirmbehälter eingestellt." Dann erfolgt der Transport in das Zwischenlager Würenlingen, welches sich in der Nähe zur Grenze nach Deutschland befindet.

Diese Phase werde etwa elf bis zwölf Jahre dauern. Bis dahin bleibt das Kraftwerk äußerlich weitgehend unverändert. "Mit Abschluss der Phase drei folgt der normale konventionelle Abriss einer Indusstriebrache", so Klute.

Kühe auf dem radioaktiven Sperrbezirk?

Schließlich, rund 15 Jahre nach der Stilllegung, soll die Fläche des Kraftwerks frei für eine neue Nutzung sein. Es gibt Darstellungen, die zeigen eine Weide mit Tieren dort, wo zuvor ein radioaktiver Sperrbezirk war.

Eine realistische Vision für das Jahr 2034? "Es gibt diese Beispiele der grünen Wiesen aus Deutschland. Wir gehen davon aus, dass wir Ende 2031 - das ist primäres Projektziel - keine radioaktiven Gefahrenquellen mehr auf dem Areal haben", so Klute. Die Weichen für die Nachnutzung des Areals werde man 2026 oder 2027 gestellt haben.

Zwei Milliarden Euro Kosten

Während der gesamten Abbrucharbeiten wird die Strahlenbelastung von der staatlichen Aufsichtsbehörde und dem Schweizer Bundesamt für Umwelt überwacht. Die BKW Energie AG rechnet mit Gesamtkosten von umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro.

Die nun anstehende Abstimmung über eine Festschreibung des Atomausstiegs sieht der Kraftwerksbetreiber kritisch, würde eine Annahme doch den Zeitplan für den Abriss des AKW Mühleberg mächtig durcheinanderwirbeln.

Wie reißt man ein AKW ab? Vor Schweizer Volksabstimmung über den Atomausstieg
D. K. Mäurer, ARD Zürich
26.11.2016 12:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. November 2016 um 05:54 Uhr

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