Ferkel im Schweinestall | Bildquelle: dpa

Kein Schweinefleisch mehr in US-Bundesgefängnissen Gebt uns mehr Gemüse!

Stand: 13.10.2015 05:35 Uhr

Schweineschnitzel, Nackensteak oder Eier mit Speck: Seit dem 1. Oktober sind derartige Gerichte von den Speiseplänen der US-Bundesgefängnisse verschwunden. Der Grund ist ganz einfach.

Von Sabrina Fritz, ARD-Hörfunkstudio Washington

Auf den Speiseplänen der US-Bundesgefängnisse steht seit dem 1. Oktober alles außer Schwein. Der Grund ist laut zuständiger Behörde ganz einfach: Den Insassen schmeckt es nicht. Bei einer Umfrage nach dem Lieblingsessen schnitt das Schwein ganz schlecht ab. Außerdem ist es teuer geworden. Die Gefangenen wollen mehr Gemüse. Und wenn schon Fleisch, dann lieber Hühnchen, Truthahn, oder mal ein saftiges Rindersteak.

Der Verband der Schweinelobbyisten traut seinen Ohren nicht: "Es ist wirklich hart zu glauben, dass bei einer Umfrage die Mehrheit Nein gesagt hat", heißt es von dort empört. Man überlege nun Gegenmaßnahmen.

Viele Amerikaner wittern eine Verschwörung

Der Beirat der Muslime in den USA begrüßt die Entscheidung. "Wir hoffen aber, dass es kein Anzeichen für eine steigende Zahl von Muslimen in Gefängnissen ist“, erklärt ihr Sprecher Ibrahim Hooper.

Er hatte bereits prophezeit, dass diese Entscheidung zu wilden Spekulationen führen werde, und er hat recht. Viele Amerikaner wittern bereits eine Verschwörung, die Kommentare im Netz zu diesem Thema sind jedenfalls entsprechend: "Präsident Obama habe dies nur angeordnet, um den Muslimen in den USA einen Gefallen zu tun. Schließlich sei er ja selbst einer!"

Das stimmt nicht. Was stimmt, ist dass Muslime und Juden aus religiösen Gründen kein Schweinfleisch essen dürfen. Doch das war schon vorher kein Problem, sagt die Gefängnisverwaltung und veröffentlicht den Speiseplan.

Mittwoch gibt es Hamburger oder alternativ Sojaburger, Donnerstag Lasagne mit und ohne Fleisch. Am Sonntag Spaghetti Bolognese, für vegetarische Verbrecher auch mit Sojasauce.

Die Häftlinge liegen voll im Trend

In den Bundesgefängnissen der USA sitzen 206.000 Männer und Frauen. Sie haben zum Beispiel gegen ein Bundesgesetz verstoßen, oder sie sind ein Spezialfall, brauchen medizinische Hilfe, oder sind besonders gefährlich.

Mit ihrem Verzicht auf Schweinefleisch liegen die Häftlinge im Trend. Die Amerikaner essen seit Jahren immer weniger davon. Allerdings nachdem sie zuvor bei einer Rekordmenge von 75 Kilo im Jahr angekommen waren.

Die Obama-Regierung ist auch nicht die erste, die Schweinefleisch im Knast verbietet. In Tennessee und Ohio haben die Behörden bereits ähnliche Entscheidungen getroffen. Muslimische und jüdische Insassen hatten sich beschwert und wegen religiöser Diskriminierung sogar mit Klage gedroht.

US-Bundesgefängnisse verbieten Schweinefleisch
S. Fritz, ARD Washington
13.10.2015 05:12 Uhr

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