Die schwedische Journalistin Kim Wall | Bildquelle: dpa

Polizei findet Kopf Durchbruch im Fall Wall?

Stand: 07.10.2017 13:12 Uhr

Die dänische Polizei hat Kopf und Beine der schwedischen Journalistin Kim Wall gefunden. Die Ermittler sprechen von einem Durchbruch in dem rätselhaften Fall. Denn der Fund belastet den des Mordes verdächtigten Tüftler Peter Madsen schwer.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Die Aussage des mordverdächtigen U-Boot-Bauers Peter Madsen scheint widerlegt: Er hatte angegeben, die 30-jährige Journalistin Kim Wall sei im August auf seinem Boot bei einem Unfall ums Leben gekommen. Das schwere Turmluk - die schwere Klappe am Turm des U-Boots - sei ihm aus der Hand geglitten und ihr auf den Kopf gefallen. Er habe die Leiche dann über Bord geworfen und das Boot versenkt, weil er es nie wieder habe benutzen wollen.

Keine Fraktur am Kopf festgestellt

Bisher hatten Taucher nur den Torso der Frau aus dem Wasser geborgen. Gestern machten sie dann die wohl entscheidende Entdeckung, so Polizeichef Jens Möller Jensen: "Gegen Mittag haben wir zuerst ein Bein gefunden, dann ein weiteres und kurz danach einen Kopf. Auch er lag in einer Tüte, die mit Metallteilen beschwert war."

Kurz zuvor hatten Polizeitaucher und ein Team von Meeresforschern der Universität Aarhus in der Køgebucht südlich von Kopenhagen Kleidung gefunden, ebenfalls in dem Beutel. Die Polizei geht davon aus, dass es sich dabei um Walls Kleidung handelt, wie auch um ihre Beine und den Kopf der Journalistin.

Die schwedische Journalistin Kim Wall steht auf dem privaten U-Boot "UC3 Nautilus" | Bildquelle: AFP
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Die schwedische Journalistin Kim Wall auf Peter Madsens privaten U-Boot "UC3 Nautilus". Sie wollte eine Reportage über ihn schreiben.

Der sei nach einigen Wochen im Wasser zwar in keinem guten Zustand, so Möller Jensen. Der Kopf weise nach einem ersten Eindruck aber nur leichte Verletzungen auf, also keine Spur von einem Bruch des Schädels, wie er nach Madsens Schilderung des Unfalls mit dem Turmluk zu erwarten gewesen wäre. Die Körperteile sind nun zur genauen Untersuchung in die Kopenhagener Gerichtsmedizin gebracht worden. Die Suche nach Kim Walls noch fehlenden Armen geht weiter.

Videos mit Gewalt gegen Frauen gefunden

Auch wenn die Todesursache der Journalistin weiter offiziell nicht feststeht, gibt es kaum noch einen Zweifel an der Annahme, dass sie ermordet worden ist. Mit den aktuellen Funden hat sich der Mordverdacht gegen Madsen erhärtet. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Polizei auf seinem Computer heruntergeladene Videos gefunden hat, die Misshandlungen und Tötungen von Frauen zeigen.

An Walls Torso waren zudem Spuren mehrere Messerstiche gefunden worden. Ein Richter hatte daraufhin verfügt, dass der 46-Jährige in Untersuchungshaft bleibt, über deren - mehr denn je wahrscheinliche - Verlängerung Ende Oktober entschieden wird.

Polizei findet Kopf und Beine
C. Schmiester, ARD Stockholm
07.10.2017 12:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 07. Oktober 2017 NDR Info um 13:00 Uhr und Inforadio um 13:10 Uhr.

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