Schwedens Außenministerin Margot Wallström | Bildquelle: picture alliance / IBL Schweden

Diplomatischer Eklat mit Israel Schwedische Außenministerin unerwünscht

Stand: 13.01.2016 20:58 Uhr

Schwedens Außenministerin Wallström hat den Zorn Israels auf sich gezogen - und wurde dort kurzerhand zur unerwünschten Person erklärt. Der Grund: Eine kritische Äußerung zu Israels Vorgehen gegen die Palästinenser während der jüngsten Gewaltwelle.

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Schweden haben einen neuen Tiefpunkt erreicht. Eine Äußerung der schwedischen Außenministerin Margot Wallström erzürnte die israelische Seite derart, dass die Diplomatin nicht mehr in dem Land willkommen ist.

Der Sprecher des israelischen Außenministeriums erklärte, die schwedische Politikerin habe sich "aufwieglerisch und aggressiv" geäußert. Er bezog sich damit auf eine Äußerung Wallströms. Sie hatte tags zuvor im schwedischen Parlament gefordert, die Rechtmäßigkeit der Erschießung mutmaßlicher palästinensischer Attentäter während der jüngsten Gewaltwelle "gründlich zu untersuchen".

Wallström bezog sich auf die nahezu 150 Palästinenser, die seit Anfang Oktober in Israel und den Palästinensergebieten erschossen wurden, ein Drittel davon bei Zusammenstößen mit Polizei und Armee. Bei mehr als 90 Toten handelte es sich um Attentäter oder vermutete Angreifer. Bei Anschlägen mit Messern und vereinzelt auch Autos oder Schusswaffen wurden im gleichen Zeitraum 23 Israelis und ein US-Bürger getötet.

Botschafter einbestellt

Israels Vizeaußenministerin Zipi Chotoveli reagierte auf Wallströms Äußerung besonders empört: "Israel hat beschlossen, seine Tür für schwedische Regierungsvertreter zu schließen", sagte sie. Später wurde aber klargestellt: Nur Wallström ist in Israel unerwünscht - auch die diplomatischen Beziehungen werden nicht abgebrochen.

Allerdings berief das israelische Außenministerium den schwedischen Botschafter ein. "Wallströms Bemerkungen zeigen, dass sie nicht versteht, was in unserer Region vor sich geht und sich der harten Situation nicht bewusst ist, in der Israelis ständigen Gefahren und mörderischen Terrorattacken ausgesetzt sind", so der Sprecher des israelischen Außenministeriums.

Bereits in der Vergangenheit hatte Schwedens Außenministerin Israels Palästinenserpolitik mehrfach kritisiert. Im Oktober 2014 hatte die schwedische Regierung erklärt, Palästina anzuerkennen. Daraufhin zog die israelische Regierung ihren Botschafter aus Stockholm zurück.

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