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Rumänien geht gegen Schwarzfahrer vor
Bestechliche Schaffner in Erklärungsnot
Bahn fahren ist teuer - nicht nur in Deutschland. In Rumänien reagieren die Passagiere darauf eigenwillig, 40 Prozent kaufen keine Tickets. Stattdessen zahlen sie einfach die Hälfte des offiziellen Fahrpreises als Schmiergeld an den Schaffner. Nun wurden Filmaufnahmen der heimlichen Geschäfte veröffentlicht.
Von Karla Engelhard, ARD-Hörfunkstudio Wien
Die Züge der staatlichen rumänischen Eisenbahn CFR fahren heutzutage meist langsamer als zu Zeiten von Diktator Nicolae Ceausescu. Seit dessen Sturz 1989 wurden weder Streckennetze noch Züge wesentlich erneuert. Hauptgrund: Kein Geld.
Das kommt auch kaum rein, denn Schwarzfahren hat in Rumänien eine lange Tradition – bestechliche Schaffner werden im Volksmund verharmlosend "Nasch" - übersetzt: Pate - genannt. Statt einen gültigen Fahrschein zu lösen, zahlen rund 40 Prozent aller Reisenden dem Kontrolleur die Hälfte des offiziellen Fahrpreises als Schmiergeld direkt im Zug. Der schlecht bezahlte Staatsbedienstete drückt dann ein Auge zu.
Bis zu 40 Millionen Euro Verlust jährlich
Das soll sich ändern, seit Monaten führt die Polizei regelmäßige Razzien durch und kontrolliert die Kontrolleure. Die Polizei filmt sich dabei und zeigt ihre Erfolge als abschreckendes Beispiel. So hatte ein Schaffner umgerechnet 30 Euro in der Tasche, viele Fahrgäste ohne Ticket in seinem Zug und Erklärungsnotstand.
Kleinkorruption mit großer Wirkung
K. Engelhard, ARD Wien
31.10.2012 09:56 Uhr
Die rumänische Eisenbahn beziffert ihre Verluste durch Kleinkorruption mit rund 30 bis 40 Millionen Euro jährlich. Derzeit wird gegen rund 200 Zugschaffner ermittelt, auch deren Vorgesetzte sollen mit abkassiert haben. Ministerpräsident Viktor Ponta begrüßt die groß angelegte Aktion, doch er hat auch Zweifel: "Ich kann nur sagen, die Aktionen sind gut gemacht. Aber leider haben solche Korruptionsstrukturen bei uns Tradition und sie existieren weiter."
Durch Privatisierung könnten Fahrpreise steigen
Die rumänische Staatsbahn gilt als Selbstbedienungsladen für Privatfirmen. Schwarzfahren ist dagegen Kleinkorruption, die sich jedoch summiert. Der politische Kommentator Alex Cumpanasu erklärt im rumänischen Fernsehen: "Es gibt zahlreiche Verlustquellen der staatlichen Eisenbahn. Verlustbringende Verträge über Instandhaltung und Reparaturen der Züge und alle möglichen Verträge mit privaten Dienstleistungsbetrieben. Im Klartext: Diese Privatfirmen verdienen über die Bahn ganz offen am Staat. Die Rumänische Eisenbahn kann nur profitabel und effizient werden, wenn sie privatisiert wird."
Vor allem die Fahrpreise könnten dadurch wieder steigen. Schon jetzt ist Zugfahren in Rumänien vergleichsweise teuer. Wer kann fährt Auto. Doch in etlichen Regionen ist die Fahrt mit der Eisenbahn alternativlos – vor allem im Winter.
Stand: 31.10.2012 08:57 Uhr
