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Nach Amoklauf in Newtown
Wagt sich Obama jetzt an das Waffenrecht?
Zum vierten Mal in seiner Amtszeit hat US-Präsident Obama an einer Trauerfeier für die Opfer eines Amoklaufs teilgenommen - doch in Newtown spendete er nicht nur Trost. "Wir werden uns ändern müssen", sagte er mit Blick auf die laxen Waffengesetze. Mehr als Andeutungen machte Obama aber nicht.
Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington
Montag, 17. Dezember 2012 - ein Schultag auch in Connecticut. Doch in der Kleinstadt Newtown findet kein Unterricht statt, denn Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen sollen mehr Zeit bekommen, die Tragödie zu erfassen und zu überstehen. Zudem finden die ersten Beerdigungen statt, vor allem von Familien, deren religiöse Überzeugung ihnen eine rasche Beerdigung der Leichen gebietet.
Ein wenig Trost mag ihnen die inter-religiöse Nachtwache am Vorabend geboten haben, wo unter anderem Katholiken, Protestanten, Juden, Methodisten und Muslime für die 20 erschossenen Erstklässler und sechs Schulangestellten beteten und sangen.
"Wir müssen uns ändern"
Auch Präsident Barack Obama nahm an der Trauerfeier teil. "Seit meinem Amtsantritt sind wir zum vierten Mal zusammengekommen, um einer trauernden Gemeinschaft Trost zu spenden, die durch eine Massenschießerei auseinandergerissen worden ist," sagte Obama. "Dazwischen gab es geradezu täglich Berichte über tödliche Schießereien aus kleinen und großen Städten in ganz Amerika. Oft waren Kinder zur falschen Zeit am falschen Ort." Die Nation könne das nicht länger hinnehmen. "Diese Tragödien müssen ein Ende haben. Und dafür müssen wir uns ändern."
Obama verspricht Konsequenzen
S. Hasselmann, MDR Washington
17.12.2012 16:33 Uhr
Man sage, dass die Gründe für derartige Gewalt komplex seien, so Obama weiter. "Das stimmt. Und ein oder mehrere Gesetze können nicht garantieren, dass nicht doch irgendwo bösartige Dinge geschehen. Doch das ist keine Entschuldigung dafür, nicht zu handeln."
Das Wort "guns" vermeidet Obama
Er werde in den nächsten Wochen alles in seiner Macht Stehende tun für diese Anstrengung - mit Strafverfolgern, Eltern, Lehrern und Fachleuten für psychische Krankheiten, so der Präsident weiter. Doch er sagte nicht, was genau er damit meint. Das Wort "guns", also Schusswaffen, ist ihm kein einziges Mal über die Lippen gekommen. Doch alle Zuhörer im Saal und alle TV- und Internetzuschauer dürften ihn so verstanden haben: Obama wird etwas unternehmen im Zusammenhang mit dem privaten Waffenbesitz.
Obama will nach Amoklauf in Newtown Waffengesetze reformieren
tagesthemen 22:15 Uhr, 17.12.2012, Stefan Niemann, ARD Washington
Viele Amerikaner hoffen darauf, während andere genau das fürchten. Es wäre nicht überraschend, wenn in diesen Tagen die Zahl der Waffenverkäufe deutlich steigt - wie immer nach Massenschießereien in der Hoffnung, sich bewaffnet besser vor derlei Tragödien verteidigen zu können. Und wie immer, wenn die Leute das Gefühl haben, die Regierung wolle ihnen das Recht auf Schusswaffen streitig machen.
Schütze nutzte drei legal registrierte Waffen
Laut Polizeisprecher Paul Vance von der State Police Connecticut benutzte der Schütze von den drei mitgeführten Waffen "in der Schule vollständig" das halbautomatische Maschinengewehr vom Typ Bushmaster, um die Kinder und Angestellten zu erschießen. Mit einer Pistole nahm er sich dann das Leben. Der 20-jährige Täter, der zunehmend als psychisch verstört beschrieben wird, hatte insgesamt drei legal registrierte Waffen seiner Mutter mitgeführt, dazu Hunderte Schuss Munition. Er erschoss einige Kinder mit bis zu elf Kugeln.
Wird jetzt eine Kommission gebildet?
Auch dass Präsident Obama zum Gedenken an die ermordeten Kinder ihre Vornamen aufzählte, hinterließ einen tiefen Eindruck. Die Liste schien nicht zu enden. Doch wie nachhaltig ist dieser Eindruck und der Drang zu handeln? Schon wollen die ersten Politiker das vor Jahren außer Kraft gesetzte Verkaufsverbot für halbautomatische Angriffswaffen endlich wieder aufleben lassen. Obama hatte das in seinem ersten Wahlkampf vor fünf Jahren versprochen - und dann nie wieder angefasst.
Die ersten Senatoren wie Joe Lieberman rufen dazu auf, eine Kommission zur Untersuchung von Massenschießereien einzuberufen. Doch es ist alles schon unzählige Male analysiert, bedacht, besprochen worden. Die "Washington Post" berichtet, dass das US-Justizministerium sich nach der Schießerei in Tuscon in Arizona vor knapp zwei Jahren wohlbedachte Vorschläge für eine bessere Waffenkontrolle hatte ausarbeiten lassen. Doch dann lautete das Zeichen aus dem Weißen Haus: Füße stillhalten bis nach der Wahl. Justizminister Eric Holder ließ die Vorschläge in der Schublade. Vielleicht erfüllen sie ihren Zweck jetzt, da der Präsident Taten angekündigt hat.
Stand: 17.12.2012 18:26 Uhr
