Gedenkfeier für die Opfer des Schulmassakers in Newtown

Massaker in US-Schule 20-Jähriger als Täter identifiziert

Stand: 15.12.2012 05:31 Uhr

Nach dem Massaker an einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut hat die Polizei den Täter identifiziert. Es handelt sich um den 20-jährigen Sohn einer Lehrerin. Er hatte 26 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Präsident Obama sprach von einer "heimtückischen Tat".

Von Silke Hasselmann, MDR-Hörfunkstudio Washington

Der Notruf war kurz nach halb zehn morgens bei der Polizei von Newtown eingegangen: eine Schießerei an der Grundschule am Waldrand. Bislang unerhört in dieser Kleinstadt. Als die Polizei dort eintraf,  befand sich der Schütze noch im Gebäude. Man habe die rund 700 Kinder und Angestellten in Sicherheit gebracht.

Doch für viele Menschen kam jede Hilfe zu spät, wie Leutnant Paul Vance von der State Police Connecticut erklärte: "18 Kinder wurden direkt in der Schule für tot erklärt, zwei weitere wurden in umliegende  Krankenhäuser gebracht und dort für tot erklärt. Zudem sind sechs Erwachsene umgekommen." Der Schütze sei der 27. Tote. Auch er sei "im Schulgebäude verstorben", so der Polizeichef.

Mutter zu Hause erschossen

Auf Nachfrage erklärte Vance, der Schütze habe "mit der dort tot aufgefundenen Person zusammengelebt". Doch weitere Details wollte oder konnte die Polizei zunächst nicht veröffentlichen. Wohl auch deshalb hieß es zunächst in einigen Medienberichten, die sich auf  "Ermittlerkreise" stützten, dass der Schütze 24 Jahre alt sei und unter anderem in der Schule auch seine Mutter erschossen haben soll. Die andere tote Person an dem zweiten Ort sei der Vater, hieß es zunächst.

Schießerei an US-Schule
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An der Grundschule werden Kinder vom Kindergartenalter bis zur vierten Klasse unterrichtet.

Doch nun hat die Polizei klargestellt, dass es sich bei dem 24-Jährigen um den sehr kooperationswilligen Bruder des Schützen handelt. Der Täter wiederum sei erst 20 Jahre alt gewesen sein. Jüngste Hinweise deuten darauf hin, dass er zunächst zu Hause kurz nach dem Aufstehen am Freitagmorgen seine Mutter erschossen hat. Danach sei er mit drei Handfeuerwaffen in die Grundschule gezogen, wo die Mutter im angeschlossenen Kindergarten gearbeitet hatte.

Dort habe der Schütze zielgerichtet die Klasse seiner Mutter angesteuert und dann in zwei Räumen das Feuer eröffnet. Sicher ist: Am Ende waren 20 Kinder und 6 Erwachsene in der Schule am Rande der Kleinstadt tot. Der Schütze scheint sich selbst gerichtet zu haben. De Polizei erklärte, keiner ihrer Einsatzkräfte habe einen Schuss abgegeben.

Amoklauf in einer Grundschule erschüttert Amerika
nachtmagazin 01:03 Uhr, 15.12.2012, Karin Dohr, ARD Washington

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US-Präsident kämpft mit den Tränen

"Wir haben in den letzten Jahren zu viele dieser Tragödien erlebt, und jedes Mal, wenn mich derlei Nachrichten erreichen, reagiere ich darauf nicht als Präsident, sondern wie jedes andere Elternteil", erklärte US-Präsident Barack Obama am Nachmittag.

Präsident Obama
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Präsident Obama ist sichtlich schockiert

Noch nie hat die Öffentlichkeit den stets beherrscht auftretenden Staatschef so gesehen. Bei gesenktem Kopf wischte er sich Tränen aus dem Auge, nachdem er gesagt hatte: "Dies waren wunderbare Kinder zwischen fünf und 10 Jahren, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatten. Geburtstage. Schulabschlüsse. Eigene Kinder." Nach einer weiteren Pause setzte er fort mit den Worten, dass "auch Lehrer getötet" worden seien. Nach US-Medienberichten befindet sich die Direktorin der Grundschule darunter. 

Seit seinem Amtsantritt im Januar 2009 sieht sich Obama immer wieder veranlasst, auf Massenschießereien zu reagieren. Als Vater zweier schulpflichtiger Mädchen versuchte er angesichts von insgesamt 28 Todesopfern in Newtown (Connecticut), den betroffenen Familien und Freunden Trost zu spenden.

Als US-Präsident erklärte er all seinen Landsleuten: "Das hat uns heute unsere Herzen gebrochen. Unser Land ist zu oft durch solche Ereignisse gegangen, ob es eine Grundschule in Newtown, eine Einkaufsmeile in Oregon oder ein Tempel in Wisconsin ist, ob ein Kino in Aurora oder eine Straßenecke in Chicago - das sind unsere Nachbarschaften und wir müssen zusammenfinden, um solche Tragödien mit wirksamen Maßnahmen zu verhindern."

Welche Maßnahmen er im Sinn hat, machte Obama nicht klar. Sein Regierungssprecher hatte zuvor erklärt, dies sei nicht der Tag, um über das Thema Waffenkontrolle zu reden.

Thomas Roth (ARD) zu den Hintergründen der Tat
nachtmagazin 01:03 Uhr, 15.12.2012

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