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Zwar sind die Gesetzeshüter in New York für ihre Streife mit den neuesten Waffen ausgestattet. Ihre Haftberichte jedoch müssen die Beamten auf dreilagigem Durchschlagpapier verfassen - mit der guten alten Schreibmaschine. Das kostet viel Zeit, erfreut aber die Unterwelt.
Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York
Wer in New York City eine Polizeiwache betritt, geht auf eine kleine Zeitreise. Denn statt mit aktueller Büro-Atmosphäre ist der Raum vom Klang der Vergangenheit erfüllt: "Pling" macht es hier überall, denn die Beamten tippen ihre täglichen Formulare noch immer auf der Schreibmaschine.
[Bildunterschrift: Modern verkabelt gehen die Cops auf Streife in New York ... ]
Sie wisse auch nicht, wie die New Yorker Polizei die Nutzung von Schreibmaschinen erkläre, aber viel Sinn mache es aus ihrer Sicht nicht, sagt Dr. Edith Linn. Nach 20 Jahren im Polizeidienst lehrt sie heute Recht am Berkeley College in Manhattan. Und in einer aktuellen Studie hat sie herausgefunden, dass die Museumstechnik in den Polizeiwachen der Stadt eine gute Sache ist - allerdings nur für die Unterwelt: "Es hält die Mehrheit der Beamten davon ab, Festnahmen durchzuführen, weil es so unangenehm ist", sagt Dr. Linn. Sie hat festgestellt, dass eine durchschnittliche Arrestierung über zehn Stunden an Papierkram nach sich zieht - und dazu gehört auch das langwierige Ausfüllen altmodischer Selbst-Durchschreib-Formulare mit der Schreibmaschine.
Dabei gibt es in den Wachen überall in der Stadt durchaus Computer, und ein Großteil des Schriftverkehrs und der Verwaltungsarbeiten wird längst elektronisch abgewickelt. Was aber fehlt, ist ein zentrales Netzwerk - gegenwärtig können die Rechner weder untereinander kommunizieren noch mit den Dienststellen der Anklagebehörden: "Es gibt auch keine Verbindung zur Staatsanwaltschaft, die ist stolz darauf, dass sie ihr eigenes System hat", spottet Edith Linn.
[Bildunterschrift: ... doch ihre Berichte tippen sie auf "hochmodernen" Schreibmaschinen - immerhin nicht auf einer Hammond wie dieser. ]
Dass hier Reformbedarf besteht, ist auch der New Yorker Stadtverwaltung nicht verborgen geblieben - aber Modernisierung kostet Geld und Zeit: Dem Apparat mit seinen 37.000 Polizisten eine andere Richtung zu geben, sei ungefähr so langwierig wie das Wendemanöver eines Supertankers, sagt Linn. Immerhin ist man durchaus bereit, in High-Tech zu investieren: Im letzten Jahr hat die New Yorker Polizei einen Liefervertrag über knapp eine Million Dollar abgeschlossen - für neue Schreibmaschinen: "Das sind hochmoderne Maschinen mit Speicher, Display und automatischer Rechtschreib-Korrektur", sagt Ed Michael von der Herstellerfirma, die neben regelmäßiger Wartung mit Reinigung der Typenhämmer auch die Versorgung mit Schreibbändern sicherstellt - Begriffe aus einer fast vergangenen Welt.
"Sie sind in alten Traditionen verfangen" - das ist für Ex-Polizistin Edith Linn die wohl naheliegendste Erklärung für den Hang zum alten Schreibgerät. Vielleicht ist aber auch nur das freundliche "Pling".
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