Nicola Sturgeon | Bildquelle: AFP

SNP-Parteitag in Schottland Viel Applaus für Referendums-Pläne

Stand: 18.03.2017 19:59 Uhr

Schottlands Regierungschefin Sturgeon will ein zweites Referendum über eine Unabhängigkeit von Großbritannien. Dafür ernetete sie auf dem SNP-Parteitag viel Beifall. Ex-Premier Brown - ebenfalls Schotte - warnte jedoch vor den Folgen.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon ließ bereits vor dem SNP-Parteitag keinen Zweifel aufkommen: "Wenn die Bedingungen für den Brexit klar sind, aber es noch die Möglichkeit gibt, den Kurs zu ändern, werden die Schotten die Wahl bekommen: Dann wird es ein Unabhängigkeitsreferendum geben." Bevor Großbritannien die EU, den Europäischen Binnenmarkt und die Zollunion verlässt, sollen die Schotten die Wahl haben: Wollen sie aus dem Vereinigten Königreich austreten, um in der EU zu bleiben, oder gemeinsam mit dem Rest Großbritanniens die Europäische Union verlassen?

May will das Referendum nicht zulassen

In der kommenden Woche wird das Regionalparlament in Edinburgh darüber abstimmen, nach 2014 ein weiteres Schottland-Referendum durchzuführen. Die britische Premierministerin Theresa May kündigte zwar schon an, dass sie eine Volksabstimmung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zulassen werde. Doch das schreckt die schottische Regierungschefin und SNP-Vorsitzende nicht.

die britische Premierministerin Theresa May | Bildquelle: dpa
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Großbritanniens Premier May ist momentan nicht bereit, ein weiteres Referendum zuzulassen.

Nicola Sturgeon, SNP | Bildquelle: AFP
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Die Schottische Regierungschefin Sturgeon will einen zweiten Anlauf für ein Referendum.

Unter dem donnernden Beifall des Parteitags rief sie den schottischen Nationalisten zu: Die Zeiten, in denen London das Sagen habe, seien vorbei - Schottlands Zukunft liege jetzt in Schottlands Hand. Sturgeon erklärte, sie würde den Austritt aus der Europäischen Union akzeptieren, wenn das Land zumindest im Europäischen Binnenmarkt bleibe.

Doch die konservative Regierung in London wolle den harten Brexit, fuhr Sturgeon fort. Theresa May sei zu keinem Kompromiss bereit gewesen. Wenn die britische Regierung genauso kompromisslos in Brüssel auftrete, werde sie die Austrittsverhandlungen mit der EU an die Wand fahren.

"Schottland ist noch nicht voll"

Immer wieder wurde ihre Rede von langanhaltendem Beifall unterbrochen. Doch Sturgeon weiß: Wenn die schottischen Nationalisten nicht noch einmal ein Referendum verlieren wollen, müssen sie auch die 55 Prozent überzeugen, die 2014 für den Verbleib bei Großbritannien gestimmt hatten.

Die Regierungschefin denkt zum Beispiel an die 190.000 Bürger aus anderen EU-Staaten, die in Schottland leben und beim Referendum wahlberechtigt seien. Sturgeon rief ihnen zu: Schottland sei noch nicht voll - wer auch immer entsetzt über die Londoner Abschottungspolitik sei, solle doch nach Schottland kommen.

Ex-Premier Brown meldet sich zu Wort

Kurz bevor die schottische Ministerpräsidentin in Aberdeen das Podium betrat, hatte sich der ehemalige britische Labour-Premierminister Gordon Brown in seinem früheren Wahlkreis im schottischen Kirkcaldy zu Wort gemeldet. Er warnte seine schottischen Landsleute vor der Unabhängigkeit: "Wenn wir das Vereinigte Königreich verlassen, dann treten wir auch aus dem gemeinsamen britischen Binnenmarkt aus. Aber eine Million Arbeitsplätze hängen vom britischen Markt ab. Wir wickeln 65 Prozent unseres Handels mit dem Rest Großbritanniens ab, aber nur 15 Prozent mit dem Rest der EU. Ein Ausstieg aus dem freien Handel mit dem Rest Großbritanniens hätte also dramatische Konsequenzen.“

Schon 2014 hatte sich der aus Schottland stammende britische Ex-Premier mit einer vielbeachteten Rede in die Referendumskampagne eingeschaltet und damals viele Unabhängigkeits-bewegte Schotten zum Nachdenken gebracht. Diesmal aber werden die Karten neu gemischt. Diesmal geht es in Schottland nicht nur um Großbritannien, sondern auch um Europa.    

Schottische Nationalisten machen mobil - Abschluss SNP-Parteitag
J.-P. Marquardt, ARD London
18.03.2017 18:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 18. März 2017 um 12:22 Uhr

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