Nicola Sturgeo (SNP) | Bildquelle: AFP

SNP-Parteitag in Schottland Neuer Anlauf für die Unabhängigkeit

Stand: 18.03.2017 03:24 Uhr

Die Schottische Nationalpartei SNP beendet heute ihr Frühjahrstreffen. Regierungschefin Sturgeon will nach der Brexit-Entscheidung ein zweites Referendum über eine Unabhängigkeit von Großbritannien. Der Parteitag soll ihr Rückenwind geben.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Werbematerial für die Unabhängigkeit auf dem SNP-Parteitag | Bildquelle: REUTERS
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Auf dem Parteitag wird massiv Werbung für die Unabhängigkeit gemacht.

"Das Unabhängigkeitsreferendum ist eine Chance gewesen, die eine Generation nur ein Mal bekommt", sagte 2014 der damalige schottische Ministerpräsident Alex Salmond. Er hatte damals gerade den Kampf um Schottlands Unabhängigkeit verloren - die Schotten hatten mit 55 zu 45 Prozent für den Verbleib bei Großbritannien gestimmt. Salmond trat nach der Niederlage zurück, hörbar angefasst, aber ohne den Traum von der schottischen Unabhängigkeit aufzugeben.

Nur drei Jahre, und nicht etwa eine Generation, später könnte es jetzt die nächste Chance geben, dass Salmonds Traum in Erfüllung geht. Inzwischen sitzt er nur noch als außenpolitischer Sprecher der schottischen Nationalisten im Unterhaus in London, aber glaubt zu spüren, dass die politischen Verhältnisse erneut in Bewegung geraten: "Der Wandel, die unwiderstehliche Bewegung geht in Richtung Unabhängigkeit. Wenn wir uns jetzt erneut auf diesen Kurs begeben, hat Nicola Sturgeon jeden Grund, zuversichtlich zu sein."

Schotten wollen mehrheitlich in der EU bleiben

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon redet auf der jährlichen Konferenz ihrer SNP-Partei. | Bildquelle: REUTERS
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Die schottische Regierungschefin Sturgeon will ein neues Referendum zur Unabhängigkeit.

Nicola Sturgeon ist Salmonds politische Ziehtochter, seine Nachfolgerin und heutige schottische Ministerpräsidentin. 2016 gewannen die schottischen Nationalisten unter ihrer Führung erneut die Wahl zum Parlament in Edinburgh. Kurz darauf votierten die britischen Bürger landesweit mit Mehrheit für den Austritt aus der EU, während die Schotten mit 62 Prozent für den Verbleib in der Europäischen Union votierten.

Deshalb will Sturgeon jetzt noch einmal über die Unabhängigkeit von Großbritannien abstimmen lassen, um zumindest Schottland in der EU zu halten: "Ich werde dafür sorgen, dass Schottlands Zukunft von den schottischen Bürgern entschieden wird. Es ist Schottlands Entscheidung, und ich traue den schottischen Bürgern zu, diese Entscheidung zu treffen."

Brexit Anlass für neues Referendum

Theresa May | Bildquelle: AP
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Großbritanniens Premierministerin May will das Referendum verhindern.

Damit erfüllt sie auch ein Versprechen aus dem Wahlprogramm der SNP: Für den Brexit-Fall, mit dem damals kaum jemand rechnete, hatte die Partei dort ein neues Referendum in Schottland angekündigt.

Sturgeon wirft der britischen Premierministerin Theresa May jetzt vor, sich ohne Rücksicht auf schottische Interessen auf den Kurs eines harten Brexit zu begeben, nicht nur die EU, sondern auch den Europäischen Binnenmarkt und die Zollunion verlassen zu wollen - für die schottischen Nationalisten Anlass genug, es noch einmal zu versuchen.

Startschuss auf dem Parteitag

Der Parteitag in Aberdeen soll am Nachmittag mit einer klaren Kampfansage Nicola Sturgeons gegen London und für Brüssel enden. Und voraussichtlich am Mittwoch wird das Parlament in Edinburgh, mit den Stimmen der Nationalisten und der Grünen, ein neues Unabhängigkeitsreferendum beschließen.

Dass die britische Premierministerin dieses Referendum stoppen will, macht Sturgeon und ihre Nationalisten nur noch kampfeslustiger. SNP-Vize Angus Robertson sorgte in Aberdeen schon gestern für Stimmung, als er erklärte, das Referendum werde kommen. Kein britischer Premierminister sollte sich der schottischen Demokratie in den Weg stellen.

Schotten machen Mobil für Unabhängigkeit
J.-P. Marquardt, ARD London
17.03.2017 19:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. März 2017 um 18:27 Uhr

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