Drei junge Frauen freuen sich über das Abstimmungsergebnis. | Bildquelle: REUTERS

Referendum zur Unabhängigkeit Die Schotten haben Nein gesagt

Stand: 19.09.2014 11:36 Uhr

Schottland bleibt Teil Großbritanniens. Beim Referendum über die Unabhängigkeit entschieden sich die Schotten mit klarer Mehrheit gegen die Loslösung und für die Fortsetzung der seit 307 Jahren bestehenden Union mit England sowie mit Wales und Nordirland. Dem Endergebnis zufolge haben 55,3 Prozent mit Nein und 44,7 Prozent mit Ja gestimmt.

Die Gegner der Abspaltung kamen damit laut BBC auf 2.001.926 Stimmen. Die nötige Schwelle zur Entscheidung des Referendums lag bei 1.852.828 Stimmen. Die Beteiligung erreichte einen Rekordwert von 84,6 Prozent.

"Ich akzeptiere das Urteil des Volkes"

Der schottische Regierungschef und Anführer der Unabhängigkeitskampagne, Alex Salmond, räumte die Niederlage ein: "Eine Mehrheit hat entschieden, zu diesem Zeitpunkt kein unabhängiges Land zu werden.

Alex Salmond | Bildquelle: REUTERS
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Rief seine Anhänger auf, die Niederlage zu akzeptieren: der schottische Regierungschef Salmond

Ich akzeptiere das Urteil des Volkes", sagte er vor Anhängern in Edinburgh und rief sie ebenfalls dazu auf. "Es ist wichtig zu sagen, dass unser Referendum ein ausgeglichener und einmütiger Prozess war", betonte Salmond.

Bereits zuvor hatte Salmonds Vizeregierungschefin Nicola Sturgeon in der BBC gesagt, offenbar werde das Unabhängigkeitslager "nicht das Ja-Votum erhalten, auf das ich gehofft habe". Bei den Befürwortern einer Abspaltung herrsche "echte Enttäuschung darüber, dass wir knapp unterlegen sind".

Ersten Analysen zufolge konnte die Schottische Nationalpartei in ihren Zentren nicht genügend Wähler mobilisieren. Große Städte wie Glasgow oder Dundee stimmten zwar mehrheitlich für die Abspaltung von Großbritannien. Die Wahlbeteiligung reichte aber nicht aus, um das Ergebnis aus anderen Regionen umkehren zu können.

Cameron gratuliert und will reformieren

Froh über den Ausgang der Abstimmung twitterte der britische Premierminister David Cameron am frühen Morgen: "Ich habe mit Alistair Darling gesprochen - und ihm zu einem gut geführten Wahlkampf gratuliert." Cameron hatte den Labour-Politiker und schottischen Unabhängigkeitsgegner Darling mit dem Wahlkampf in Schottland beauftragt, weil seine eigene Konservative Partei , die Tories, im sozialdemokratisch geprägten Norden keine Wählerbasis hat.

Um 7.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MESZ) gab Cameron in der Downing-Street eine Stellungnahme ab und kündigte eine umfassende Verfassungsreform für ganz Großbritannien an. Bereits im November soll eine Ausweitung der Machtbefugnisse für das schottische Regionalparlament in Edinburgh verhandelt werden. Ein Gesetzentwurf solle im Januar 2015 vorliegen. Aber er betonte auch: "So wie die Schotten mehr Macht über ihre Angelegenheiten haben werden, so müssen auch die Menschen in England, Wales und Nordirland mehr Mitsprache über ihre Angelegenheiten haben."

Mehr als 55 Prozent der Schotten stimmen mit "nein"
tagesschau 17:00 Uhr, 19.09.2014, Annette Dittert, ARD London

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Nach dem Referendum sei der Streit über eine Abspaltung nun "für eine Generation" beigelegt. "Das schottische Volk hat gesprochen, seine Entscheidung ist klar, es hat entschieden, den Zusammenhalt unserer vier Nationen zu bewahren, und wie Millionen andere Menschen bin ich glücklich." Ein Zerbrechen des Königreichs hätte ihm "das Herz gebrochen", sagte Cameron.

Königin Elizabeth II. verfolgte die Ereignisse von ihrem Schloss Balmoral in Schottland aus. Sie werde von ihren Beratern in London und Edinburgh auf dem Laufenden gehalten, hatte ein Palastsprecher. Im Fall der Loslösung hätte die Queen auch weiterhin Staatsoberhaupt Schottlands bleiben sollen.

Infografik Referendum in Schottland
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Die orangen Flächen zeigen, wie eindeutig die Schotten gegen eine Abspaltung gestimmt haben. Nur in den blau gekennzeichneten Regionen fand sich eine Mehrheit für die Unabhängigkeit. Die Städte Aberdeen, Edinburgh und Glasgow sind extra aufgeführt, weil die Nationalisten hier die meisten ihrer Anhänger haben.

Identitätsdiebstahl in Glasgow?

Insgesamt waren 4.285.000 Wahlberechtigte ab 16 Jahren zu dem Referendum registriert. In Glasgow, wo die Wahlbeteiligung bei 75 Prozent lag, untersuchte die Polizei zehn Fälle angeblichen Identitätsdiebstahls. Demnach stellten mehrere Wähler im Wahllokal fest, dass jemand bereits in ihrem Namen abgestimmt hatte.

In Edinburgh und Glasgow harrten Tausende Menschen die Nacht über in Pubs und auf den Straßen aus. Vor vielen Wahlbüros in ganz Schottland brachen die Gegner der Abspaltung bei der Verkündung des Ergebnisses in Jubel aus. Vielerorts enthüllten sie britische Flaggen.

Aufschwung für die Währung

Der Erfolg der Unabhängigkeitsgegner in Schottland hat dem britischen Pfund leichten Auftrieb gegeben. Am Morgen wurde die Währung des Vereinigten Königreichs bei 1,6473 US-Dollar und 1,2753 Euro gehandelt - jeweils etwa ein halbes Prozent höher als am Vortag.

Das Pfund hatte bereits in den vergangenen Tagen etwas zugelegt, nachdem Umfragen ein Scheitern der Befürworter einer Abspaltung prognostiziert hatten. Zwischenzeitlich war der Kurs von rund 1,66 Dollar auf etwa 1,61 Dollar abgesackt.

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