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Mitt Romney und Barack Obama

Analyse zum US-Wahlrennen

Warum Obama noch nicht gewonnen hat

Es sieht alles so klar und einfach aus: Nach dem Wirbelsturm "Sandy" gehen die Umfragewerte für Obama leicht nach oben, teilweise liegt er sogar knapp vor dem Herausforderer Romney. Aber sicher ist noch gar nichts. Der Wahlausgang könnte sehr knapp werden.

Von Jörg Schönenborn, WDR

Die Katastrophe sorgt für "Oderflut"-Momente, ein republikanischer Gouverneur hat den US-Präsidenten hymnisch gelobt und der Bürgermeister von New York hat plötzlich entdeckt, wie gefährlich der Klimawandel ist und unterstützt deshalb Obama. Kann diese Wahl wirklich noch schief gehen für den Präsidenten?

Klare Antwort: Ja, sie kann. Seine Chancen scheinen sich in den letzten Tagen deutlich verbessert zu haben, aber die demoskopischen Grundlagen sind so weich wie der Küstensand im überfluteten New Jersey.

Vor US-Wahl: Gute Arbeitsmarktzahlen geben Obama Auftrieb
tagesthemen 21:45 Uhr , 02.11.2012, Stefan Niemann, ARD Washington

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Natürlich kann es sein, dass der von vielen amerikanischen Kollegen herbeigeschriebene Trend für Obama tatsächlich da ist. Es kann sein, dass Millionen zweifelnder Amerikaner vom Krisenmanager aus dem Weißen Haus so begeistert sind, dass er am Dienstag den Durchmarsch macht und deutsche Fernsehzuschauer viel früher ins Bett kommen als befürchtet.

Es kann aber auch ganz anders kommen. Fünf mögliche Gründe dafür:

  • Obamas Politik gegen den Sturm "Sandy" bestand vor allem aus starken Gesten. Die haben am Anfang gut getan. Aber jetzt ist konkrete Hilfe gefragt und die scheitert häufig am Ausmaß der Katastrophe. In der vergangenen Nacht waren noch mehr als vier Millionen Menschen ohne Strom, die dritte Nacht. Es fehlt an Benzin, an frischem Wasser, teilweise sogar an Lebensmitteln. Bis zum Wahldienstag ist es noch lang. Und es ist nicht unmöglich, dass die Begeisterung für Obama umschlägt in Enttäuschung, wenn es mit der Hilfe nicht vorangeht oder Pannen passieren.

  • Schon seit Wochen gibt es in den USA fast keine "unentschiedenen" Wähler mehr, also solche, die in Umfragen angeben, sich noch zwischen Romney und Obama entscheiden zu wollen. Stattdessen versuchen beide Seiten durch Haustürbesuche und Anrufe jeden einzelnen Wähler aus dem eigenen Lager zum Wählen zu motivieren. Entscheidend wird sein, wie viele wahlmüde Obama-Wähler mit geringem Einkommen und geringer Bildung motiviert werden können zu wählen. Ob das Krisenmanagement dazu beiträgt, ist offen.

  • Mehr als 30 Staaten der USA sind von "Sandy" nicht direkt betroffen gewesen, darunter Swing States wie Florida, Colorado und New Hampshire. In Umfragen haben die Wähler dort erklärt, für sie sei die Wirtschaftslage das wahlentscheidende Thema. Wird jemand, der an Obamas Wirtschaftskompetenz zweifelt, ihn jetzt wegen der souveränen Auftritte im Sturm trotzdem wählen?

  • Umgekehrt gab es in 15 Bundesstaaten auch drei Tage nach "Sandy" noch Stromausfälle. Millionen Menschen kämpfen darum, ihren Alltag zu regeln und haben am Dienstag womöglich für sie wichtigeres zu tun als zum Wahllokal zu fahren und in der Schlange zu stehen. Geringe Wahlbeteiligung aber nützt traditionell eher den Republikanern.

  • Ganz unabhängig vom Sturm sind in den letzten Wochen die methodischen Schwächen amerikanischer Umfragen intensiv diskutiert worden. Viele Erhebungen waren vom Ergebnis her unplausibel, bundes- und landesweite Umfragen passten nicht zusammen. Für die Meinungsforscher ist die Aufgabe ohnehin viel schwieriger als in Deutschland. Es gibt ein komplizierteres Wahlsystem, viel mehr Haushalte ohne Festnetztelefon, was repräsentative Umfragen erschwert, und große Unterschiede im Wahlverhalten der ethnischen Gruppen. Wenn schon in Deutschland der Grundsatz gilt, dass Umfragen keine Wahlergebnisse vorhersagen können, gilt er in den USA erst recht.

Kleiner Vorteil für Obama

Meine persönliche Einschätzung: Die Bevölkerungsentwicklung, die in wichtigen Bundesstaaten in den letzten vier Jahren stattgefunden hat, spielt Obama eher in die Karten: So nimmt beispielsweise der Anteil der Hispanics zu, die tendenziell den Kanidaten der Demokraten wählen. Obama hat strukturelle Vorteile und aus meiner Sicht die etwas besseren Chancen. Aber darauf zu setzen, dass er sicher gewinnt, wäre ein riskantes Glücksspiel.+

Obamas Pläne nach Wahlsieg
Martin Ganslmeier, NDR Washington
03.11.2012 03:58 Uhr

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Stand: 02.11.2012 18:11 Uhr

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