Henry Kissinger und Helmut Schmidt | Bildquelle: picture-alliance/ dpa/dpaweb

US-Reaktionen auf Tod des Altkanzlers "Helmut war ein Vorbild"

Stand: 11.11.2015 08:07 Uhr

Für den früheren US-Außenminister Henry Kissinger war Helmut Schmidt ein enger Freund und Vorbild. Auch andere US-Politiker würdigten die Lebensleistung des verstorbenen Altkanzlers. Ein Ex-Präsident zeichnet ein etwas anderes Bild von "Schmidt the lip".

Von Martin Ganslmeier, ARD-Hörfunkstudio Washington

Einem amerikanischen Politiker mit deutschen Wurzeln fühlte sich Helmut Schmidt über Jahrzehnte verbunden: Der ehemalige Außenminister Henry Kissinger und Helmut Schmidt kannten sich seit den 1950er-Jahren. Im ARD-Interview bezeichnete Kissinger seinen Freund als "einen der größten deutschen Staatsmänner". "Helmut war ein Vorbild. Die Welt wird ihn vermissen", sagte er.

Beide besuchten sich auch nach ihrer aktiven Zeit regelmäßig privat. Für ihn - so Kissinger - habe Helmut Schmidt jene Generation verkörpert, die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut und fest im westlichen Bündnis verankert habe. "Ein Deutschland von historischen Werten, das sich den Hauptaufgaben unserer Zeit widmete und das ein tiefes Verhältnis mit Amerika verband."

Henry Kissinger und Helmut Schmidt | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Helmut Schmidt mit Henry Kissinger im Jahr 1974 in München

"Einer der großen Deutschen"

Auch der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, würdigte Schmidt als "einen der großen Deutschen des 20. Jahrhunderts". Er habe an der Seite Amerikas gestanden, um den Westen gegen sowjetischen Expansionismus zu verteidigen.

Schmidts Beziehung zu Amerika begann schon 1950, als er das erste Mal in die USA kam: nach Chicago und zu Verwandten nach Duluth im Bundesstaat Minnesota, wo ihm sogar ein Job angeboten wurde. Auch wenn er sich für die Rückkehr ins Nachkriegs-Deutschland entschied, an Amerika und seinen Menschen fasziniere ihn die "ungeheure Vitalität" und der "Hang zum Optimismus", so Schmidt in seinem Buch "Menschen und Mächte".

Die "Washington Post" lobt in ihrem Nachruf, Schmidt habe fließend Englisch gesprochen, sogar "besser als Henry Kissinger, wie US-Diplomaten damals witzelten". Aus amerikanischer Sicht habe Bundeskanzler Schmidt den Wandel zu einem "selbstbewussteren und unabhängigeren Kurs" Westdeutschlands personifiziert.

"Geschrien und gelärmt"

Jimmy Carter und Helmut Schmidt vor dem Weißen Haus | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Der damalige US-Präsident Jimmy Carter kam mit Helmut Schmidt weniger gut zurecht als seine Vorgänger. (Archivbild von 1980)

Während sich Schmidt mit den republikanischen Präsidenten Richard Nixon und Gerald Ford gut verstand, spürte der Demokrat Jimmy Carter die unangenehmen Eigenschaften von "Schmidt the lip", wie der Kanzler in den US-Medien genannt wurde. Bei Schmidt habe er nie so recht gewusst, woran er sei, schrieb Carter in seinen Memoiren: Privat habe der Kanzler eine harte Linie gegenüber den Sowjets empfohlen, aber öffentlich meist das Gegenteil vertreten, vermischt mit scharfer Kritik an Washington. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel 1980 in Venedig, erinnert sich Carter, habe der Schmidt "geschrien und gelärmt".

Auch die "New York Times" kommt in ihrem Nachruf zu einer zwiespältigen Bilanz: Seine kritische Haltung zu den Präsidenten Carter und Reagan habe anti-amerikanische Tendenzen in der SPD befördert. Diese hätten letztlich seine Kanzlerschaft unterminiert. Auch wenn Helmut Schmidt in den USA eher respektiert als geliebt wurde, war er für Henry Kissinger bis zuletzt "einer seiner engsten Freunde". Kissinger und Schmidt ergänzten sich ideal als Realpolitiker und Welterklärer.

US-Reaktionen auf Tod des Altkanzlers
Martin Ganslmeier, ARD Washington
11.11.2015 18:07 Uhr

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