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US-Behörden zum Angriff auf Sikh-Tempel
"Ein Fall von Inlandsterrorismus"
Die US-Polizei stuft den Angriff auf einen Sikh-Tempel im Bundesstaat Wisconsin als einen Akt von Inlandsterrorismus ein. Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich um einen Einzeltäter. Sein Motiv sei noch unklar. Der Mann hatte am Sonntag den Tempel überfallen und sechs Menschen getötet, bevor er selbst von der Polizei erschossen wurde.
Von Anna Engelke, NDR-Hörfunkstudio Washington
Sonntag gegen etwa halb elf morgens Ortszeit in Oak Creek, einer beschaulichen Kleinstadt am Ufer des Michigansees im US-Bundesstaat Wisconsin. Die Mitglieder der dortigen Sikh-Gemeinde bereiten in ihrem Tempel gerade den Gottesdienst vor, da betritt Zeugenaussagen zufolge ein bewaffneter Mann den Parkplatz des Tempels und eröffnet das Feuer. Zwei Menschen werden getroffen. Dann geht er in den Tempel und schießt auf weitere Menschen.
Panik bricht aus. Frauen, die in der Küche gerade das Mittagessen zubereiten, versuchen zu fliehen. Einigen Gemeindemitgliedern gelingt es, die Polizei anzurufen.
Anschlag auf Sikh-Tempel sorgt weltweit für Entsetzen
tagesschau24 14:00 Uhr, 06.08.2012, Frank Braun, DW
Was die Beamten erleben, als sie am Tatort eintreffen, beschreibt John Edwards, der Polizeichef von Oak Creek so: "Einer unserer Polizisten kümmerte sich am Tatort gerade um ein Opfer als auf ihn aus dem Hinterhalt mehrfach geschossen wurde." Ein zweiter Beamter habe daraufhin das Feuer auf den Schützen eröffnet und ihn getötet, so Polizeichef Edwards: "Wegen des heldenhaften Einsatzes unserer Polizisten konnte noch Schlimmeres verhindert werden."
Identität und Motiv unklar
Aber auch so war das, was gestern in dem Sikh-Tempel in Oak Creek passiert ist, schlimm genug. Sieben Menschen starben - darunter der Schütze. Drei Menschen sind im Krankenhaus, darunter der Polizeibeamte, auf den der Täter aus dem Hinterhalt geschossen hatte. Alle drei Verletzten befinden sich in kritischem Zustand.
Über die Identität des Schützen oder sein Motiv hat Polizeichef Edwards bisher keine Auskunft gegeben. Aber die Behörden schließen offensichtlich nicht aus, dass es sich bei dem Anschlag um einen gezielten Überfall auf die Sikh-Gemeinde von Oak Creek handeln könnte: "Wir behandeln diesen Fall als eine Art "Inlands-Terrorismus" und deswegen ist das FBI in die Ermittlungen eingeschaltet."
9/11-Tätowierung
Bisher geht die Polizei von einem Einzeltäter aus. Augenzeugen beschreiben ihn als einen glatzköpfigen Mann weißer Hautfarbe mit einer Tätowierung, die die Zahlen "9/11" zeigt. Mutmaßlich ist damit der 11. September gemeint, der Tag der Terroranschläge auf das World Trade Center.
Kanwardeep Singh Kaleka ist Gemeindemitglied des Sikh-Tempels. Dem US-Fernsehsender CNN sagte er, der Schütze habe vor allem auf Menschen gezielt, die einen Turban getragen hätten: "Meiner Ansicht nach handelt es sich um einen Fall von Hass-Kriminalität", so Kaleka. "Diese Person trägt diese Tätowierung vom 11. September. Offensichtlich verspürt er wegen der Anschläge Hass und ignoranterweise rächt er sich an einer Gemeinde, von der er denkt, dass sie verantwortlich ist. Das ist wahnwitzig. Wir sind Sikhs, und keine Muslime. Aber Muslime sind auch nicht dafür verantwortlich."
Über 700 Übergriffe auf Sikhs
In den USA leben etwa 500.000 Sikhs. Gläubige Sikhs lassen sich nicht ihr Haar schneiden und tragen Bärte. Sie werden deshalb manchmal mit Muslimen verwechselt. Nach Angaben eines Dachverbands der Sikhs in Washington hat es seit dem 11. September 2001 mehr als 700 Gewalttaten gegen Sikhs gegeben.
Präsident Barack Obama erklärte, er sei tief betrübt über den Angriff auf den Tempel. Die Sikhs bereicherten die USA, seien Teil der großen amerikanischen Familie. Der Überfall auf den Tempel in Wisconsin ereignete sich 16 Tage, nachdem ein Student in einem Kino in Colorado zwölf Menschen erschossen hat.
Sieben Tote bei Überfall auf Sikh-Tempel in Wisconsin
A. Engelke, NDR Washington
06.08.2012 04:45 Uhr
Stand: 06.08.2012 05:33 Uhr
