Schadenersatz-Prozess Schickedanz einigt sich mit Bank

Stand: 14.12.2016 18:01 Uhr

Nach jahrelangem Rechtsstreit hat sich Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim und ihrem Vermögensverwalter auf einen Vergleich geeinigt. Nach Recherchen von WDR und SZ steht ihr ein dreistelliger Millionenbetrag zu.

Von ARD-Korrespondent Georg Wellmann

Es sei sein bisher "schwerster Deal" gewesen, sagte der Multimillionär Clemens Vedder. Der erfahrene Schlichter war im September 2015 von Madeleine Schickedanz als Vermittler eingeschaltet worden, um die festgefahrenen Verhandlungen mit dem Bankhaus Sal. Oppenheim und dessen Konzernmutter, die Deutsche Bank, wieder ins Laufen zu bringen.

Stillschweigen über Konkretes

Der nun ausgehandelte Vergleich wurde durch die beteiligen Rechtsanwälte ausformuliert und liegt in unterschriftsreifer Fassung vor. Am kommenden Mittwoch soll schlussgezeichnet werden. Über den Inhalt der Vereinbarung ist Stillschweigen vereinbart worden. Auch Vedder möchte sich zu dem Vergleich konkret nicht äußern.

Schickedanz forderte 1,9 Milliarden Euro

Rund 200 beteiligte Interessensvertreter nahmen an den Verhandlungen teil. Im Dezember 2012 hatten die Anwälte der Quelle-Erbin die Bank und ihren ehemaligen Vermögensverwalter, den Troisdorfer Fondsinitiator Josef Esch, auf Schadenersatz in Höhe von 1,9 Milliarden Euro verklagt. Schickedanz, ehemals Großaktionärin des Warenhauskonzerns KarstadtQuelle AG, wirft dem Bankhaus und Esch vor, sie für eigene Aktien-Spekulationen missbraucht zu haben. Diese bestreiten die Vorwürfe.

Bankhaus Sal. Oppenheim in Köln | Bildquelle: picture alliance / Ulrich Baumga
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Sal. Oppenheim: Schickedanz wirft der Bank vor, sie für Aktien-Spekulationen missbraucht zu haben

Josef Esch (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance /
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... gleiches gilt für ihren ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch

Mit der Insolvenz des Traditionsunternehmens KarstadtQuelle in 2009 hatte Schickedanz ein Großteil ihres Milliardenvermögens verloren und verlangte Schadenersatz. Das Landgericht Köln ließ in einem Hinweis-Beschluss im August durchblicken, dass Schickedanz zumindest Rückabwicklungsansprüche aus zwei Immobiliengeschäften von rund 85 Millionen Euro haben könnte. Offenbar erhöhte das den Druck für eine außergerichtliche Einigung.

Betrag dürfte für "mehrere Generationen" reichen

Aus Kreisen von Verhandlungsteilnehmern ist zu erfahren, dass ein "wirtschaftlicher Vergleich" ausgehandelt wurde, in dem sowohl die Ansprüche von Madeleine Schickedanz als auch die der Deutschen Bank und weiterer Parteien miteinander verrechnet wurden. So verlangte das Bankhaus von Schickedanz die Rückzahlung von Kreditverpflichtungen in Höhe von rund 580 Millionen Euro. Dem Vernehmen nach steht Schickedanz nach Abschluss des Vergleiches ein dreistelliger Millionenbetrag zu, der für "mehrere Generationen" reichen dürfte, so ein Verhandlungsteilnehmer. Die 73-Jährige soll auch ihre weitläufige Privatvilla im mittelfränkischen Hersbruck behalten dürfen.

Mit dem Vergleich wird auch die Klage vor dem Landgericht Köln ein Ende finden. Der anberaumte Verkündungstermin war mehrfach wegen der laufenden außergerichtlichen Verhandlungen verschoben worden.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Dezember 2016 um 19:41 Uhr

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