Prozess gegen "Costa-Concordia"-Kapitän vertagt

Prozess gegen Kapitän Schettino vertagt

Auf einmal war die Flucht nur ein Sturz

Wegen eines Anwaltsstreiks ist der Prozess gegen den Kapitän der "Costa Concordia", Schettino, kurz nach Beginn vertagt wurden. Die kurze Zeit jedoch nutzte sein Anwalt, um laut Staatsanwaltschaft ein "unverschämt geringfügiges" Angebot vorzulegen.

Von Gregor Hoppe, ARD-Hörfunkstudio Rom

Francesco Schettino (Bildquelle: AFP)
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Kapitän Schettino muss sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Francesco Schettino, der Kapitän der Costa Concordia, erschien pünktlich und allein zur Verhandlung. Aber bald schon konnte er wieder gehen, mit den Worten "Wir sehen uns am 17.".

Morgen in einer Woche also ist der Streik der Anwälte gegen die in Italien geplante Justizreform vorbei. Da auch Schettinos Verteidiger teilnimmt, vertagte sich das Gericht von Grosseto kurz nach zehn Uhr schon wieder.

Ein Wiedersehen gibt es also am 17. Juli. Am 20. Juli entscheidet das Gericht, ob es die verkürzten Verfahren gegen die anderen fünf Angeklagten zulässt. In einer Art Absprache könnten diese - ohne längere Beweisaufnahme - zu abgemilderten Haftstrafen verurteilt werden.

Prozessauftakt gegen "Concordia"-Kapitän vertagt
G. Hoppe, ARD Rom
09.07.2013 13:22 Uhr

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Stimmungsmache für den Mandanten

Vor diesem Hintergrund machte Schettinos Verteidiger, Domenico Pepe, gleich mal ein wenig Stimmung für seinen Mandanten. Er fordere, "nur die Feststellung der Wahrheit". Das spätere Urteil lege das Gericht fest. "Ich bin sicher, es wird ein faires Gericht sein. Allerdings: Wenn Sie die Strafen für die anderen Angeklagten betrachten, wofür das Gericht schon Zustimmung angedeutet hat, dann sehen sie, sie sind sehr geringfügig." Es ginge um ein Jahr, ein Jahr elf Monate, zwei Jahre und zwei Monate. "Und da erscheinen die geforderten 20 Jahre Haft für Schettino doch völlig unverhältnismässig. Es ist auf jeden Fall eine Forderung, die, wie Sie verstehen werden, mir völlig unverständlich ist und die ich auch ablehne", erklärte Pepe.

Allerdings hat die Staatsanwaltschaft die besagten 20 Jahre Haft für Schettino nicht gefordert. Sie hat lediglich kommentiert, welche Absprache Schettinos Vertreter dem Gericht vorschlugen: Der Kapitän solle in einem gleichen verkürzten Verfahren drei Jahre und vier Monate Haft bekommen.

Das lehnte das Gericht sofort ab. Und die Staatsanwaltschaft betonte, Schettino riskiere womöglich 20 Jahre Haft in einem ordentlichen Verfahren, deswegen sei der Vorschlag seiner Anwälte sozusagen unverschämt geringfügig.

Schettino muss allein gerade stehen

Nun, da das Verfahren gegen die Mitangeklagten - der Steuermann, zwei Offiziere, zwei weitere Besatzungsmitglieder - abgetrennt ist, muss Schettino allein für das Geschehen in der Nacht vom 13. Januar 2012 gerade stehen.

Sein Anwalt blieb heute bei der Darstellung, mit der Schettino eine der großen Fragwürdigkeiten seines Verhaltens in jener Nacht erklärt hatte. Es geht um die Frage, warum er als Kapitän als einer der ersten von Bord der Costa Concordia gegangen war. Pepe, Schettinos Verteidiger, erklärt: "Er ist nicht von Bord gegangen, er ist vom Schiff gestürzt. Da kam ein Aufprall, sodass er sich unversehens wie auf einer fast senkrechten Wand wiederfand, und so stürzte er ins Meer, es sind schließlich auch andere Offiziere dabei ins Meer gestürzt."

Wie dem auch sei, bezeugt ist, dass sich Schettino auch an Land später weigerte, wieder an Bord zu gehen und von dort die Evakuierung seines Schiffs zu leiten.

Beobachter erwarten, dass der Prozess allein schon wegen des großen Interesses auch im Ausland - 12 der 32 Toten stammten aus Deutschland - für italienische Verhältnisse rasch über die Bühne geht. Der Auftakt heute deutet allerdings in eine andere Richtung. 

Dieser Beitrag lief am 09. Juli 2013 um 06:49 Uhr auf NDR Info.

Stand: 09.07.2013 13:43 Uhr

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