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Fünf Jahre nach der Verschleppung des israelischen Soldaten Schalit fordert die Europäische Union von der Hamas in einer Erklärung seine sofortige Freilassung. Bundesaußenminister Westerwelle erklärte, eine Freilassung sein ein "Gebot der Menschlichkeit". Das Martyrium müsse aufhören.
Von Sebastian Engelbrecht, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv
[Bildunterschrift: Seit 2006 entführt: Der israelische Soldat Schalit (Archiv). ]
"Ich bin Gilad, der Sohn von Noam und Aviva Schalit, der Bruder von Hadas und Joel, der in Mitzpeh Hila wohnt." Die Bilder und die Worte von Gilad Schalit haben sich einer ganzen Nation ins Gedächtnis eingebrannt. Am 2. Oktober 2009, vor fast zwei Jahren, erhielten die Eltern von Gilad und mit ihnen die israelische Öffentlichkeit das letzte Lebenszeichen.
Ein Video, aufgenommen bei Kunstlicht im Verließ der Hamas im Gazastreifen. "Ich hoffe, dass die gegenwärtige Regierung unter der Führung von Benjamin Netanjahu nicht die Gelegenheit vertut, die Verhandlungen zu einem Abschluss zu bringen und dass ich im Ergebnis meinen Traum verwirklich kann und befreit werde," sagte Schalit.
[Bildunterschrift: Naom Schalit (zweiter von links), Vater des entführten Soldaten, protestiert im Jahr 2010 für die Freilassung seines Sohnes. ]
Seit fünf Jahren hofft er, seine Existenz in der Gefangenschaft in Gaza möge zu Ende gehen. Mit ihm leiden seine Eltern, die Familie und ihre Freunde und fast alle Israelis, die selbst einmal als Soldaten gedient haben. Denn, was Schalit am 25. Juni 2006 geschah, hätte jedem passieren können.
Ein bewaffneter Trupp der Essedin-al-Kassam-Brigraden, des militärischen Flügels der Hamas, hatte einen Tunnel gegraben unter den Grenzanlagen zwischen dem Gazastreifen und Israel. Auf israelischem Territorium überfielen die Hamas-Männer einen israelischen Posten, erschossen zwei Soldaten und entführten den damals 19-jährigen Schalit.
Bislang sind alle Versuche gescheitert, ihn zu befreien. Eine Suchaktion des israelischen Militärs in Gaza scheiterte wenige Tage nach der Entführung. Ägypten, Frankreich und Deutschland haben ihre Diplomaten und Geheimdienste eingeschaltet. Ohne Erfolg.
Die Schalit-Familie leidet jeden Tag. Sie hat vor der Residenz von Ministerpräsident Netanjahu in Jerusalem ein Zelt aufgeschlagen. Vater Noam und Mutter Aviva wollen nicht aus dem Zelt weichen, bis ihr Sohn frei ist. Gilads Bruder Joel appellierte im Zelt an den Ministerpräsidenten: "Herr Benjamin Netanjahu! Gilads Zeit läuft aus. Nur Sie haben den Schlüssel zu seiner Befreiung und Freiheit. Nur Sie können mich und meine Familie von der Warteliste des Verlustes eines Angehörigen streichen. Ich will nicht Bruder eines Gefallenen sein."
[Bildunterschrift: Auch fünf Jahre nach der Entführung protestieren Menschen für Schalits Freilassung. ]
Das Volk steht hinter den Schalits. 63 Prozent der jüdischen Israelis sind für einen Gefangenenaustausch mit der Hamas. Der Tausch wurde in den Grundzügen von einem Vertreter des deutschen Bundesnachrichtendienstes ausgehandelt. Israel soll für Schalit 1000 Palästinenser freilassen, unter ihnen auch eine Reihe von Gefangenen, die für Anschläge auf israelische Zivilisten verantwortlich sind. Aber Netanjahu will keine Terroristen auf freien Fuß setzen.
Die israelische Regierung sperrt sich auch dagegen, Marwan Barghouti aus der Haft zu entlassen, eine Symbolfigur des palästinensischen Widerstands gegen die israelische Besatzung. Barghouti steht auf der Wunschliste der Hamas. Aber nach fünf Jahren gibt es immer noch keine klaren Anzeichen für einen Erfolg der Vermittler.
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