Herausforderer bei Schach-WM "Mozart des Schachspiels"

Stand: 09.11.2013 01:41 Uhr

Bei der Schach-Weltmeisterschaft in Indien richten sich alle Augen auf Magnus Carlsen. Der erst 22-jährige Weltranglisten-Erste gilt seit seiner Vermarktung als Jeansmodel als der Popstar am Schachbrett. Viele seiner Gegner sagen, es sei nahezu unmöglich, gegen den Norweger zu gewinnen.

Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Es gibt Leute, die sagen, der Typ sei ein echter Kotzbrocken: schlampig, überheblich und unerreicht arrogant. Ob er das wirklich sei, beantwortet Magnus Carlsen tatsächlich mit ja.

In einer Talkshow des norwegischen Fernsehens gibt er genau die Antworten, die alle hören wollen. Magnus ist der Popstar am Brett, einer wie es ihn beim Schach noch nie gegeben hat. Eine Jeansfirma hat ihn weltweit als Model vermarktet, die Cosmopolitan wählte ihn zu den einhundert attraktivsten Männern der Erde. Carlsen grinst und zieht seine kleinen dunklen Augen schnell wieder zusammen.

"Mozart des Schachs" - Norwegens Wunderkind Magnus Carlsen vor der WM
T. Krohn, ARD Stockholm
09.11.2013 00:20 Uhr

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Gefühle verbergen als Erfolgsrezept

Image ist alles. "Ich glaube, dass es mir hilft, wenn ich schlechte Laune habe. Dass ich dann diese Energie ins Spiel einbringen kann", sagt er. Das dürfe natürlich nicht zu weit gehen, "wir müssen ja immer noch Schach spielen. Aber ein geschicktes Wütend sein - das tut mir gut, glaube ich.“

Rotzig, fast brutal sieht er aus mit seinen dichten, dunklen Haaren und dieser viel zu breiten Boxernase. Der 22-Jährige wirkt ebenso kraftvoll wie gelangweilt, topfit und irgendwie lustlos. Popstars dürfen das. "Ich bin oft nervös", erzählt er von sich selbst. "Man hat ja alle möglichen Gefühle im Laufe so einer Partie. Ich bin nervös oder zufrieden, auch richtig stolz ab und zu oder irritiert, wenn ich schlecht spiele." Natürlich habe er aber versucht zu lernen, nicht zu viele Gesichtsausdrücke preiszugeben.

Die Nummer eins der Weltrangliste im Schach, Magnus Carlsen. (Bildquelle: dpa)
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Als "Wunderkind" gewann der Norweger Magnus Carlsen bereits fast alle wichtigen Wettbewerbe.

Wunderkind des Schachspiels

Früher, als der kleine Magnus noch längst nicht so "tough" ins rechte coole Licht gesetzt wurde, hatte er so ziemlich allen um ihn herum den letzten Nerv geraubt. Als 13-jähriger schlürfte Magnus mit Donald-Duck-Heft unterm Arm ans Brett und schlug mal eben einen Profi nach dem anderen. Man nannte ihn wahlweise "das kleine Arschloch" oder auch den "Mozart" des Schachs. Der Junge konnte seine Spielzüge aus dem Ärmel schütteln wie der gleichaltrige Mozart seine Noten. Mit 19 wurde Carlsen die Nummer Eins in der Welt. Nicht einmal die großen alten Legenden wie Bobby Fischer oder Garri Kasparow hatten sich so schnell entwickelt wie er. 

Computerprogramme langweilen ihn. Carlsen will ans Brett, gerne gegen zehn Gegner gleichzeitig, ohne hinzusehen, er hat alles im Kopf - ein Naturwunder. Kasparow hat versucht, ihn zu trainieren und dann schnell wieder hingeschmissen. Das konnte nicht gut gehen, obwohl Kasparov einer der besten Spieler überhaupt, vielleicht sogar der Beste sei, wie Carlsen erläutert. "Das Problem ist nur: Ich habe ja selber auch ein großes Ego. Ich mag es halt nicht, wenn einer mir genau sagt, was ich tun soll."

Nur eine Freundin könnte gefährlich werden

Carlsen sei wie eine Schlange, die einem langsam die Luft abschnürt, erzählen seine Gegner. Sein Stil sei extrem "kraftraubend", ständig zwinge er einen in eine neue Situation, man werde kaum noch schlau daraus, was er eigentlich vor hat. Das sieht Carlsen selbst nicht ganz so: Er sei zwar laut Weltrangliste der Beste, "dennoch mache er immer noch ziemlich dumme Fehler. Wenn ich diese dummen Fehler vermeiden kann, dann müsste ich noch viel besser werden und die Schachwelt noch mehr dominieren."

Sogar der noch amtierende Weltmeister Anand geht inzwischen davon aus, dass Carlsen das schaffen wird. Es gebe da höchstens eine einzige Sache, die den Norweger einmal richtig schwächeln lassen könnte, meint der Inder. Der Junge brauche dringend eine Freundin. Doch Popstars dürfen so ziemlich alles haben, nur das nicht.

Dieser Beitrag lief am 07. November 2013 um 12:14 Uhr auf InfoRadio.

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