Schachweltmeister Magnus Carlsen und sein Herausforderer Sergej Karjakin bei einer Pressekonferenz (10.11.2016) | Bildquelle: AP

Schach-WM in New York Wunderkind gegen Wunderkind

Stand: 11.11.2016 15:17 Uhr

Schach-Genies unter sich: In New York spielen der jüngste Weltmeister, Magnus Carlsen aus Norwegen, und der jüngste Großmeister der Schachgeschichte, Sergei Karjakin aus Russland, um den Titel. Was macht die Konkurrenten aus? Wo liegen ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Wunderkind haben sie ihn genannt. Ein Genie. Wie spielt jemand Simultanschach gegen zehn Gegner mit dem Gesicht vom Brett abgewandt? Alle Züge im Kopf, von jedem der zehn Bretter. Und wie gewinnt man, ohne die Bretter zu sehen, zehn Spiele? "Mozart des Schachs" nennen sie ihn. Dann muss Magnus Carlsen immer lachen: "Ja, vielleicht bin ich es. Aber haben sie Mozart jemals gefragt, wie er das macht?"

"Ich kann es einfach"

Das, damit meint der 25-jährige Schachweltmeister die Kunst Mozarts. Er frage sich schon lange nicht mehr, wie er die Kunst des genialen Schachspiels hinbekommt. "Ich kann es einfach", sagt er.

Er wäre sehr beeindruckt, wenn Mozart auf eine solche Frage, wie er das mache, eine bessere Antwort gehabt hätte. Und dann zeigt der Norweger, der als 13-Jähriger gegen den damaligen Weltmeister Garri Kasparow Remis spielte, auf seinen Kopf: "Ist alles da drin." Damals, als er Kasparow beschämte, stand er während des Spiels auf. Nicht um anzugeben, sagt Carlsen, er habe sich die Spiele nebenan anschauen wollen. Er habe die nächsten Züge eh schon im Kopf gehabt. Dass er damals nicht gewann, sei seiner Nervosität geschuldet gewesen.

Vishwanath Anand und Magnus Carlsen beim Duell der Schach-Weltmeisterschaft
galerie

Gegen Viswanathan Anand wurde Magnus Carlsen Weltmeister.

Für Magnus Carlsen heißt es ab heute wieder Weltmeisterschaft. Dieses Mal in New York. Als Titelverteidiger ist er gesetzt. 2013 und 2014 hatte er den Inder Viswanathan Anand besiegt. "König Magnus" nennen sie ihn seither, den "Popstar der Schachwelt". Er arbeitet und verdient Millionen als Model. Sein Ziel: "Schach als Werkzeug einzusetzen, um die Welt zu einem klügeren Ort zu machen".

Karjakin, das andere Wunderkind

Sein Gegner ist ein Russe, der einst Ukrainer war. Sergei Karjakin: geboren auf der Krim, seit 2009 Russe, Putinfan. Viermal hat Carlsen ihn besiegt, einmal gewann Karjakin. 16 Partien gingen remis aus. Der Russe, Nummer neun der Weltrangliste, ist 26 Jahre alt: der jüngste Großmeister der Schachgeschichte bis heute. Mit zwölf Jahren errang er den Titel. Im März gewann das andere Wunderkind des Schachs ein Turnier in Moskau und damit das Recht, den Weltmeister herauszufordern: "Ich bin sicher, Carlsen hat meine Partien gesehen. Ob ich jetzt Angst vor ihm habe, oder nicht: Ich muss gutes Schach spielen. Wenn ich das mache, dann habe ich Chancen. Darauf konzentriere ich mich."

Furcht vor Hackern

Karjakin und Carlsen spielen bis zum 30. November zwölf Partien. Alle zwei Tage gibt es einen Ruhetag. Ein Punkt pro Sieg, ein halber für ein Remis. 6,5 Punkte, und der neue Weltmeister steht fest. Carlsen bereitet sich seit Wochen vor. Die Anspannung ist riesig. Aus Furcht, dass russische Hacker seine Schachcomputer knacken könnten, um sein Training auszuspionieren, hat Carlsen Microsoft-Experten eingeschaltet. Seine Computer, sagt sein Team, seien jetzt besser gesichert als die Rechner im Pentagon.

Sie spielen im Fulton Market Building, am New Yorker Hudson River. Das Preisgeld beträgt eine Million Dollar. Carlsens Vorbild: die amerikanische Schachlegende Bobby Fischer. Dass der am Ende verrückt wurde, ist das einzige, was das nervenstarke Genie Carlsen gelegentlich nervös macht: "Als ich den Film über Bobby Fischer sah, habe ich gedacht: Bin ich das? Passiert mir das auch? Das hat mich schon nachdenklich gemacht."

Der Mozart des Schach gegen den Putinfreund Karjakin
G. Schwarte, ARD New York
10.11.2016 23:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. November 2016 um 11:17 Uhr.

Darstellung: