Saudischer König bei Putin

Tauwetter in Moskau

Stand: 05.10.2017 19:26 Uhr

Im Syrien-Krieg stehen sie auf gegnerischen Seiten, den Iran bewerten sie gegensätzlich - und doch steht der Besuch des saudischen Königs Salman in Moskau für eine neue Freundschaft. Ein wichtiger Grund: der Ölpreis. Die USA könnten das Nachsehen haben.

Von Ina Ruck, WDR

Es ist der erste Besuch eines saudischen Königs in Russland überhaupt - beide Seiten nannten ihn schon im Vorfeld "historisch". Moskau veranstaltet zu Ehren des Gastes gleich eine "Woche der saudischen Kultur" und König Salman ist mit großem Gefolge angereist, allein 100 Geschäftsleute begleiten ihn. Die saudische Delegation hat das beste Hotel der Stadt komplett belegt, direkt gegenüber des Kreml.

Tatsächlich wäre noch vor wenigen Jahren so ein Staatsbesuch kaum vorstellbar gewesen. Denn Saudis und Russen lagen jahrzehntelang über Kreuz. Nicht nur, weil die beiden größten Rohölproduzenten der Welt bittere Konkurrenten auf dem Energiemarkt sind. Auch politisch standen und stehen sie bei vielen Konflikten in gegnerischen Lagern.

Am deutlichsten wird das in Syrien, wo Moskau Baschar al Assad unterstützt, währen die Saudis sich bereits früh hinter die Rebellen gestellt haben. Und dass Russland in Syrien ausgerechnet mit dem Iran paktiert, dem Erzfeind der Saudis, hat das Verhältnis nicht gerade verbessert. Dennoch hat König Salman sich nun entschlossen, Moskau den immer wieder verschobenen Besuch endlich abzustatten.

Eine russische Ehrenformation begrüßte den saudischen König Salman in Moskau.

Die USA schauen nach Moskau                     

Nirgendwo dürfte man die Schritte des Königs genauer verfolgen als in Washington. Denn die USA sind seit mehr als sieben Jahrzehnten der wichtigste Verbündete Saudi-Arabiens - andersherum ist Saudi-Arabien neben Israel der wichtigste Alliierte der Amerikaner in der Region.

Erst im Mai hatte US-Präsident Donald Trump seine erste Auslandsreise überraschend nach Riad gemacht - ein deutliches Signal der Wertschätzung. Mit großem Bahnhof hatten die Saudis Trump damals empfangen, setzten große Hoffnungen auf den neuen Mann im Weißen Haus. Denn sein Vorgänger Barack Obama war in ihren Augen viel zu sanft mit dem Iran umgegangen. Und er hatte den amerikanischen Anspruch, verlässliche Ordnungsmacht im Nahen Osten zu sein, weitgehend aufgegeben.

Neue Ordnungsmacht Russland

Doch auch Trump tat wenig, um das Vakuum wieder zu füllen. Als neue Ordnungsmacht in der Region sieht sich stattdessen Russland. Es hat damit zunehmenden, wenn auch zweifelhaften Erfolg. Mit Brachialgewalt hat Russland Assad, für den der Krieg so gut wie verloren war, zurück in eine sichere Position gebombt und sich selbst neuen Respekt verschafft. Mit zwei einander nicht sehr freundlich gesinnten Schlüsselmächten in der Region, der Türkei und Iran, hat Moskau Allianzen geschmiedet. Nun schickt es sich an, auch die Saudis näher an sich zu binden. Die USA können dabei nur zuschauen. 

Denn jenseits des Krieges in Syrien haben Russen und Saudis auch handfeste gemeinsame Interessen: die Volkswirtschaften beider Länder sind gefährlich abhängig vom Öl- und Gasexport, der dramatisch niedrige Erdölpreis der vergangenen Jahre hat beiden sehr geschadet. Ende 2016 hatten Saudis und Russen sich gemeinsam mit anderen Ölstaaten auf eine Drosselung der Förderung geeinigt, bereits das galt als ein historischer Schritt. Und er hat Wirkung gezeigt: der Ölpreis, der auch schon auf 30 Dollar pro Barrel abgesackt war, hat die 50 Dollar-Marke längst wieder weit überschritten.

Russische Kampfjets unterstützen die syrische Armee im Kampf gegen Rebellengruppen (Archivbild)

Russlands Budget war langfristig sogar auf einen Wert von 100 Dollar angelegt - offenbar peilt man an, diese Marke wieder zu erreichen. Ein wichtiges Thema der Gespräche in Moskau ist deshalb, die Produktionskürzung, die zunächst nur bis März 2018 angelegt war, weiter zu verlängern.

Interesse an AKW und Waffen

Für Russland könnte es nicht besser laufen. König Salman hat lange Listen von Aufträgen nach Moskau mitgebracht. Die Saudis interessieren sich für Atomkraftwerke und Waffen. Verträge im Umfang von drei Milliarden Dollar könnten abgeschlossen werden. Noch wichtiger für den Kreml: Riad erkennt an, dass Moskau wieder eine nicht mehr wegzudenkende Macht im Nahen und Mittleren Osten ist.

Die strategische Allianz mit den USA werden die Saudis allerdings nicht lösen - so weit geht die neue Nähe zu Russland nicht. Auch werden sie von Moskau mehr Distanz zum Iran verlangen.

Für Russland dürfte es zunehmend schwieriger werden, die widersprüchlichen Interessen seiner so unterschiedlichen Verbündeten in der Region unter einen Hut zu bekommen.

In einer früheren Version war von Verträgen im Umfang von 30 Milliarden Dollar die Rede gewesen. Richtig sind drei Milliarden. Dieser Fehler ist inzwischen korrigiert.