Ein Demonstrant in Teheran zeigt ein Foto von Nimr al Nimr | Bildquelle: dpa

Nach Exekutionen von Schiiten Internationale Kritik an Saudi-Arabien

Stand: 03.01.2016 11:43 Uhr

UN-Generalsekretär Ban hat die Hinrichtung von 47 Menschen in Saudi-Arabien kritisiert. Zugleich mahnte er angesichts der Spannungen in der Region alle Beteiligten zur Ruhe. Im Iran wurden 40 Menschen festgenommen, die die saudische Botschaft gestürmt hatten.

Die Massenhinrichtung politischer Gefangener in Saudi-Arabien hat international Entsetzen und Protest ausgelöst. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kritisierte die Exekutionen des oppositionellen schiitischen Geistlichen Nimr al Nimr und weiterer 46 Menschen wegen des Vorwurfs des Terrorismus scharf und bezweifelte Fairness in dem Prozess.

Zugleich rief er angesichts der Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten in der Region zur Besonnenheit auf. Die politischen Führer in der Region müssten zu einer Beruhigung der Lage beitragen.

Angriff auf saudische Botschaft in Teheran
tagesschau 20:00 Uhr, 03.01.2016, Antonia Berneike, ARD Kairo zzt. Teheran

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Demonstranten stürmen Botschaft

Nach den Hinrichtungen im sunnitisch dominierten Saudi-Arabien am Samstag hatten Demonstranten in der iranischen Hauptstadt Teheran die saudische Botschaft mit Brandsätzen attackiert. Es kam zu Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, bei denen etwa 40 Menschen festgenommen worden. Schiitische Milizen riefen zu einer weiteren Protestkundgebung vor der Botschaft auf. Auch in der iranischen Stadt Maschhad wurde das saudi-arabische Konsulat angegriffen.

Der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, drohte Saudi-Arabien mit "göttlicher Rache". "Zweifellos wird das zu Unrecht geflossene Blut dieses Märtyrers Folgen haben", sagte Chamenei. Das saudische Königshaus benutze Repression und die Todesstrafe gegen ihre inneren Gegner. Auch der irakische Schiitenführer Ali al Sistani kritisierte Hinrichtungen als "ungerechtfertigte Aggression".

Kritik aus Europa und USA

Scharfe Kritik an den Hinrichtungen äußerte auch die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini. Die Europäische Union lehne die Todesstrafe grundsätzlich ab. Ähnlich wie Ban äußerte sie sich besorgt über ein Aufflammen der Spannungen in der Region und rief die Verantwortlichen zur Zurückhaltung auf. Der Generalsekretär des Europarates, Thorbjørn Jagland, erklärte, er sei tief besorgt über die Hinrichtungen, die dem weltweiten Trend zur Abschaffung der Todesstrafe gegenüberstünden.

Diskriminierung von Schiiten

Die schiitische Minderheit in Saudi-Arabien klagt seit langem über religiöse und soziale Diskriminierung durch das wahhabitische Herrscherhaus. Der 56-jährige Nimr war die zentrale Figur der schiitischen Proteste während des arabischen Frühlings 2011. Im Oktober 2014 wurde Nimr wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes von einem Sondertribunal zum Tode verurteilt.

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