Wütender Protest gegen Saudi-Arabien im Iran | Bildquelle: AP

Saudi-Arabien weist Diplomaten aus Riad kappt Beziehungen zu Teheran

Stand: 04.01.2016 12:57 Uhr

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr eskaliert der Konflikt zwischen den Regionalmächten Saudi-Arabien und dem Iran: Das Königreich kappte die diplomatischen Beziehungen zum Iran. In Teheran reagierte man mit Unverständnis. Die USA riefen die Widersacher zum Dialog auf.

Der Konflikt in Syrien und die Bedrohung durch die Terrormiliz IS hatten die großen Widersacher in der Region zuletzt nähergebracht. Doch nun brechen alte Konflikte zwischen Saudis und Iranern wieder auf. Auslöser ist die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al Nimr und 46 weiteren Menschen am Samstag - wegen Terrorverdachts.

Der schiitische Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region ringt, hatte empört reagiert. Die saudischen Führer würden "die Rache Gottes spüren", drohte der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei. Iranische Demonstranten setzten Teile der saudische Botschaft in Teheran in Brand und verwüsteten Büros.

48 Stunden Zeit zur Ausreise

Dieser Angriff sei ein "schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen", sagte Außenminister Adel al Dschubair. Das Königreich werde alle diplomatischen Beziehungen zum Iran abbrechen. Das diplomatische Personal Irans habe 48 Stunden Zeit, das Land zu verlassen. Alle diplomatischen Vertreter seines Landes im Iran seien zurückgerufen worden. Sie trafen in Dubai ein, wie der Fernsehsender Al Arabija meldete. "Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet", so Dschubair. Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. Schließlich zeige die Kritik des Iran an der Hinrichtung, dass Teheran den Terrorismus unterstütze.

Iran spricht von "voreiligem" Schritt

Der Iran reagierte mit Unverständnis auf den Abbruch der Beziehungen. "Die Saudis haben schon in der Vergangenheit mit solchen voreiligen und irrationalen Entscheidungen Instabilität in der Region verursacht",  sagte Vizeaußenminister Hussein Amir Abdullahian. Mit Blick auf die wütenden Proteste vor der saudischen Botschaft fügte er hinzu: Kein saudiarabischer Diplomat sei dabei zu Schaden gekommen. Sein Land sei für Diplomaten eines der sichersten der Region. Die Hinrichtung des prominenten Geistlichen Nimr durch Saudi-Arabien bezeichnete Abdollahian als großen Fehler, der nicht mit dem Abbruch der Beziehungen vertuscht werden könne.

Saudi-Arabien bricht diplomatische Beziehungen zu Iran ab
tagesschau 12:00 Uhr, 04.01.2016, Natalie Amiri, ARD Athen, zzt. Teheran

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International war Saudi-Arabien mit der Massenhinrichtung auf scharfe Kritik gestoßen - von UN über USA bis zu EU. Einhellig herrscht die Sorge vor neuen Spannungen in der Region vor. Die USA mahnten Saudis und Iraner zum Dialog. "Wir glauben, dass diplomatisches Engagement und direkte Gespräche bei der Überwindung von Schwierigkeiten äußerst wichtig sind", sagte Außenamtssprecher John Kirby. Die USA appellierten deshalb an die politisch Verantwortlichen in der Region, "Schritte zur Reduzierung der Spannungen zu unternehmen".

Syrien-Gespräche in Gefahr?

Das Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien ist bereits jahrzehntelang schwierig. Der schiitische Iran ringt mit dem sunnitisch geprägten Königreich um die Vormachtstellung in der Region. Die jüngste Eskalation allerdings markiert eine lange nicht erreichten Tiefpunkt zwischen beiden Ländern. Mit den aufbrechenden Gräben zwischen Riad und Teheran steht auch ein Verhandlungsfortschritt im Syrien-Konflikt in Frage. Am 25. Januar sollen neue Gespräche in Genf beginnen. Die beiden Länder spielen eine Schlüsselrolle bei der Lösung des Konflikts. Feindseligkeiten zwischen dem Iran als engstem Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al Assad und der Ölmonarchie, die ihrerseits Rebellen unterstützt, würden die Verhandlungen enorm erschweren.

Hintergrund: Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten
tagesschau 20:00 Uhr, 03.01.2016, Thomas Aders, ARD Kairo

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