Plakat mit dem Konterfei des schiitischen Geistlichen und Regimegegners Nimr al-Nimr | Bildquelle: AP

Hinrichtungen in Saudi-Arabien Kuwait zieht Botschafter aus dem Iran ab

Stand: 05.01.2016 13:39 Uhr

Nach den Übergriffen auf die saudische Botschaft in Teheran ruft auch Kuwait seinen Botschafter aus dem Iran zurück. Es ist der fünfte arabische Staat, der seine diplomatischen Beziehung zum Iran abbricht. Erneut kritisierte Irans Präsident Ruhani Saudi-Arabien scharf.

Nach Saudi-Arabien, Bahrain, Sudan und den Vereinigten Arabischen Emiraten nun auch Kuwait: Nach den Übergriffen auf die saudische Botschaft im Iran hat der Golfstaat seinen Botschafter aus dem Nachbarland zurückgezogen.

Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Kuna unter Berufung auf das kuwaitische Außenministerium. Die Erstürmung der Botschaft stelle einen "groben Bruch" internationaler Verträge dar, hieß es. Unklar ist bislang, ob Kuwait wie die Vereinigten Arabischen Emirate den Botschafter durch einen Geschäftsträger ersetzt.

Wütende Demonstranten stürmten die Botschaft Saudi-Arabiens in Teheran. | Bildquelle: dpa
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Wütende Demonstranten stürmten die Botschaft Saudi-Arabiens in Teheran.

Ruhani: Diplomatie - der beste Weg

Angesichts des sich verschärfenden Konflikts mit Saudi-Arabien warb der iranische Präsident Hassan Ruhani für Diplomatie und regionale Einigkeit. "Wir glauben, dass Diplomatie und Verhandlungen der beste Weg zur Lösung von Problemen zwischen Staaten sind", sagte er laut der amtlichen Nachrichtenagentur IRNA.

Zugleich warf er Saudi-Arabien vor, mit dem Abbruch der Beziehungen zu seinem Land von eigenen Verbrechen ablenken zu wollen. "Saudi-Arabien kann das Verbrechen der Enthauptung eines religiösen Führers nicht hinter der Zerstörung der politischen Beziehungen zum Iran verstecken", so Ruhani.

Am vergangenen Wochenende hatte das vorwiegend sunnitische Saudi-Arabien 47 Häftlinge wegen Terrorvorwürfen hinrichten lassen. Darunter befand sich auch der schiitische Geistliche und Regimegegner Nimr al-Nimr. Die Hinrichtung hatte den Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran offen ausbrechen lassen.

In Teheran stürmte eine wütende Menge die saudi-arabische Botschaft im Iran. Auch in Irans zweitgrößter Stadt Maschhad wurde eine diplomatische Vertretung Saudi-Arabiens angegriffen. Nach den Vorfällen brachen nach Saudi-Arabien eine Reihe weiterer sunnitischer Staaten ihre diplomatischen Beziehungen zum schiitischen Iran ab. Riad stoppte auch alle Flüge vom und in den Iran.

Sicherheitsrat verurteilt Angriff auf saudische Botschaft
tagesschau 12:00 Uhr, 05.01.2016, Isabel Schayani, WDR

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Appelle zur Mäßigung

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief den Iran und Saudi-Arabien auf, jede weitere Eskalation der Spannungen zu vermeiden. Nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt telefonierte Steinmeier mit den Außenministern der beiden Länder und mahnte beide, sie hätten eine "gemeinsame Verantwortung" für eine Lösung der Konflikte in der Region. Beide Länder sollten alles tun, damit die jüngsten Spannungen die Friedensbemühungen für Syrien nicht gefährdeten.

Auch der UN-Sicherheitsrat forderte alle Konfliktparteien im Nahen Osten auf, den Dialog aufrechtzuerhalten und Spannungen abzubauen. Die Türkei und Großbritannien mahnten ebenfalls zur Mäßigung.

Der UN-Sicherheitsrat hatte den Angriff auf die saudi-arabische Botschaft in Teheran zwar verurteilt, aber UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte auch Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Vollstreckungen der Todesstrafen an dem schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr und der 46 weiteren Menschen angemeldet. Saudi-Arabien verteidigte die Hinrichtungen jedoch. Die Betroffenen hätten "faire und gerechte Prozesse" gehabt, so die UN-Vertretung des Landes.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Januar 2016 um 04:55 Uhr.

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