Proteste nach der Hinrichtung des Geistlichen Nimr in Saudi-Arabien. | Bildquelle: AFP

Sunniten brechen Beziehungen zum Iran ab Eiszeit am Persischen Golf

Stand: 05.01.2016 04:58 Uhr

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien wird der Konflikt zwischen Saudis und Iran zur regionalen diplomatischen Krise. Nach Riad legten zwei weitere sunnitische Länder die Beziehungen zum Iran auf Eis. Saudi-Arabien kappte zudem alle Handelsbeziehungen.

Mehrere sunniitsch dominierte Staaten haben die diplomatischen Beziehungen zum Iran abgebrochen oder eingeschränkt. Nach Saudi-Arabien taten dies nun auch Bahrain und der Sudan. Die Vereinigten Arabischen Emirate zogen ihren Botschafter aus Teheran ab und reduzierten die diplomatischen Kontakte.

Die sudanesische Regierung habe entschieden, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen, teilte das Außenministerium mit. Ein Ministeriumssprecher begründete dies mit "den barbarischen Angriffen" auf die saudische Botschaft in Teheran. Die Vereinigten Arabischen Emirate riefen ihren Botschafter aus der iranischen Hauptstadt Teheran zurück. Die Zahl der iranischen Diplomaten im eigenen Land werde reduziert, es werde nur noch Geschäftsbeziehungen geben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur der Emirate.

Auch Wirtschaftsbeziehungen gekappt

Saudi-Arabien kappte außerdem nach den Worten von Außenminister Adel al-Dschubeir alle Handelsbeziehungen mit dem Iran. Außerdem werde der Flugverkehr zwischen beiden Staaten eingestellt, saudi-arabischen Staatsbürgern sei es ab sofort verboten, in den Iran zu reisen, sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Dschubeir rief die Regierung in Teheran dazu auf, sich wie ein "normales Land" zu verhalten und internationale Regeln einzuhalten. Erst dann könnten die Beziehungen wieder normalisiert werden.

Saudi-Arabien kappt Beziehungen zum Iran
tagesthemen 23:10 Uhr, 04.01.2016, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Angesichts der diplomatischen Eskalation bemühte sich US-Außenminister John Kerry darum, die Wogen zu glätten. Kerry telefonierte mit seinen Amtskollegen in Riad und Teheran. "Wir rufen zur Ruhe und zur Deeskalation auf", sagte ein US-Regierungsvertreter.

"Keine Auswirkungen auf Friedensbemühungen"

Saudi-Arabien teilte mit, es stehe trotz des Zerwürfnisses mit dem Iran nach wie vor hinter den Friedensbemühungen für Syrien und dem Jemen. Der diplomatische Bruch mit Teheran sollte keine Auswirkungen auf die anstehenden Gespräche haben, sagte der saudische UN-Botschafter Abdullah al-Muallimi in New York.

Vertreter Saudi-Arabiens, das im syrischen Bürgerkrieg die Opposition unterstützt, werden zur nächsten Runde der Friedensverhandlungen am 25. Januar in Genf erwartet. Teheran, das hinter der syrischen Regierung von Präsident Baschar al-Assad steht, lässt bisher noch offen, ob es an dem Treffen teilnimmt.

Saudi-Arabien verteidigte zudem bei den Vereinten Nationen die Massenhinrichtung von 47 Menschen. "Alle verurteilten Personen hatten einen fairen Prozess", erklärte die Vertretung des Königreiches bei der UNO in New York. Die gefällten Urteile gründeten sich allein auf die Gesetze und "das kriminelle und illegale Handeln" der Betroffenen.

Angriff auf Botschaft verurteilt

Der UN-Sicherheitsrat verurteilte indes den Angriff auf die saudiarabische Botschaft in Teheran. In einer in New York veröffentlichten Erklärung des Gremiums wird der Iran nachdrücklich aufgefordert, "diplomatisches und konsularisches Eigentum und Personal zu schützen und den internationalen Verpflichtungen auf diesem Gebiet voll nachzukommen".

Volker Schwenck, ARD Kairo, über die Spannungen in der Golfregion
tagesschau 17:00 Uhr, 04.01.2016

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