Das Olympia-Stadion Luschniki in Moskau | Bildquelle: dpa

EU-Sanktionen gegen Russland Sollen die EU-Staaten WM 2018 boykottieren?

Stand: 03.09.2014 14:04 Uhr

Diese "Sanktion" würde Russland richtig wehtun: Die EU-Kommission schlägt vor, die Fußball-WM 2018 zu boykottieren. Auch die Formel 1 solle nicht in Russland starten. Doch die Spitzenfunktionäre der Sportverbände halten nichts davon.

Von Ralph Sina, ARD-Hörfunkstudio Brüssel    

Die Formulierung ist im typischen EU-Jargon gehalten: Von einem "Boykott aller internationalen kulturellen, sportlichen und wirtschaftlichen Großveranstaltungen in Russland" ist im Konzeptpapier der EU-Kommission zum Thema "Strafmaßnahmen gegen Putin" die Rede. Im Klartext: Die Kommission denkt darüber nach, Europas Staats- und Regierungschefs vorzuschlagen, massiven Druck auszuüben, um die Fußball-WM in Russland 2018 zu boykottieren.

Die Vertreter der baltischen Staaten in Brüssel sind von dieser Idee bereits begeistert. Denn ein WM-Boykott würde Wladimir Putin mehr treffen als alle finanziellen Strafmaßnahmen, sagte ein lettischer Diplomat der "Financial Times".

Sanktionsüberlegungen der EU-Kommission
R. Sina, WDR Brüssel
03.09.2014 13:37 Uhr

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Doch FIFA-Chef Sepp Blatter hält dagegen, ein Boykott von irgendeinem Sportereignis habe "nie etwas gebracht". Die Planspiele der EU-Kommission sind für den FIFA-Chef bereits Makulatur, bevor Europas Staats-und Regierungschefs überhaupt darüber nachgedacht haben. Es stelle sich keine Frage für die WM 2018 in Russland, so lautet Blatters Beruhigungssignal an Moskau.

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Doch innerhalb der EU-Kommission gibt es starke Stimmen, Russland von der Fußball-WM bis zur Formel-1-Premiere in Sotschi alle sportlichen Großereignisse zu verweigern, solange Putin in der Ukraine Krieg führt. Schließlich hätten die USA 1980 die Olympischen Spiele in Moskau boykottiert, nachdem ein Jahr zuvor sowjetische Truppen in Afghanistan einmarschiert waren, heißt es dazu aus Brüssel. Auch einflussreiche Außenpolitiker des US-Kongresses plädieren für einen Boykott der WM in Russland. 

Die EU-Kommission steht unter Zeitdruck, ihre Liste der potenziellen Strafmaßnahmen den europäischen Staats- und Regierungschefs zu präsentieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte während des EU-Sondergipfels am vergangenen Samstag, man habe "die Kommission gebeten, uns sehr schnell Vorschläge zu machen, über die wir dann innerhalb einer Woche entscheiden können".

Das Olympia-Stadion Luschniki in Moskau | Bildquelle: dpa
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Im Moskauer Olympia-Stadion Luschniki sollen einige der Spiele stattfinden. Für die WM müssen aber noch weitere Austragungsstätten gebaut werden.

Ausschluss vom Swift-Verfahren

Um Moskau die Geldaufnahme zusätzlich zu erschweren, könnten russische Staatsbanken verstärkt vom Europäischen Kapitalmarkt abgeschnitten werden. Einen Hebel dazu bietet das in der Nähe von Brüssel ansässige Bank-Transaktionssystem namens Swift: Großbritannien will die EU dazu bewegen, Russland von diesem grenzüberschreitenden Überweisungs- und Handelssystem auszuschließen. Da Swift in der Finanzwelt eine Monopolstellung hat und täglich über seine Server 20 Millionen Transaktionen abwickelt, würde Russlands stark mit Europa verflochtene Wirtschaft in die Knie gezwungen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. September 2014 um 16:00 Uhr.

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