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US-Wahlkampf in Zeiten des Sturms
Mit "Sandy" beim Wähler punkten
Offiziell hat der US-Wahlkampf wegen "Sandy" Pause. Aber Obama und Romney sind nicht untätig: Der Präsident präsentiert sich als Krisenmanager, der Herausforderer sammelt Spenden. Doch der Sturm bringt Romney in Erklärungsnot: Im Vorwahlkampf hatte er gefordert, beim Katastrophenschutz zu sparen.
Von Sabine Müller, HR-Hörfunkstudio Washington
Im amerikanischen Präsidentenwahlkampf gibt es das geflügelte Wort von der "october surprise" - der Überraschung im Oktober, die das Rennen durcheinander wirbelt. Aber so eine "Oktoberüberraschung" wie in diesem Jahr gab es noch nie: Niemals ereignete sich eine Naturkatastrophe so nah am Wahltermin.
Die Obama- und Romney-Lager haben seit Samstag mehr als 30 Wahlkampftermine abgesagt - "Sandy" zwingt die Kontrahenten in diesem äußerst engen Rennen offiziell zur Pause. Indes besucht Präsident Obama die Katastrophenschutzbehörde FEMA, lässt sich vor den großen Landkarten im Krisenzentrum fotografieren und gibt sich ganz präsidial: Nein, um die Wahl mache er sich gar keine Sorgen, er sorge sich um die Familien und die Hilfskräfte, so Obama.
Gebete für die Opfer des Hurrikans
Der Amtsinhaber Obama hat den vermeintlich leichteren Job: Er kann als Krisenmanager Führungsstärke zeigen und darauf hoffen, dass die Amerikaner ihm das hoch anrechnen. Mitt Romney dagegen hat vergleichsweise wenig Handlungsspielraum: In seinen letzten Auftritten kurz vor dem Sturm rief er zu Gebeten für die betroffenen Menschen auf.
In Virginia wurde Romneys Wahlkampfbus mit Hilfsgütern beladen, um sie nach dem Sturm zu Opfern zu bringen - natürlich waren Fernsehkameras dabei, um alles im Bild festzuhalten. Ein Wahlkampfauftritt in Ohio wurde schnell zum Spenden-Event für die Sturmopfer deklariert.
Um durch "Sandy" zu punkten, muss Romney darauf hoffen, dass die Regierung Fehler macht, dass Obama die Verantwortung übernehmen muss, wenn die Sturmhilfe nicht gut läuft. Aber Obama wird garantiert kein zweiter George W. Bush werden, dessen Regierung 2005 nach dem Hurrikan "Katrina" katastrophal langsam reagierte.
Aufwartung beim Katastrophenschutz
Auch Romney versucht, Führungsstärke zu zeigen, wenn er betont, er stehe in engem Kontakt mit dem Wetterdienst und der Katastrophenschutzbehörde FEMA. Jener Behörde, die Romney am liebsten überflüssig machen würde.
Mitt, Obama und Sandy: Der politische Sturm
S. Müller, ARD Washington
30.10.2012 16:35 Uhr
Das hatte er zumindest in einer TV-Debatte im Vorwahlkampf angedeutet: Man sollte jede Chance wahrnehmen, Aufgaben von der Bundesebene zu den Einzelstaaten zu verlagern. Und noch besser sei es, Aufgaben in die Privatwirtschaft zu vergeben, so Romney Ende 2011.
Für Amerikas liberale Medien ein gefundenes Fressen: Wie würde die Reaktion auf "Sandy" wohl aussehen, wenn Romneys Pläne Realität wären?, fragen sie.
Ein Ereignis, das es noch nie gab
Das beliebteste Ratespiele amerikanischer Politbeobachter lautet zurzeit: Wird der Sturm "Sandy" dieses enge Präsidentenrennen beeinflussen? Wenn man ehrlich ist, lautet die Antwort: Das weiß keiner, weil es so etwas noch nie gab.
Tina Hassel (ARD) zu den politischen Folgen des Wirbelsturms
tagesthemen 22:00 Uhr, 30.10.2012
Stand: 30.10.2012 17:24 Uhr
