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New York diskutiert nach "Sandy" über Schutzmaßnahmen
Aufblasbare Stöpsel als Schutz vor der nächsten Flut?
Künstliche Inseln, Sperrwerke, aufblasbare Stöpsel für die U-Bahn - seit "Sandy" wird in New York einiges diskutiert. Denn durch den Hurrikan ist allen klar geworden, dass die Stadt kein Schutzkonzept hat. Als Vorbild nennen viele nun die Niederlande. Nur: In New York ist manches komplizierter.
Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkkorrespondent New York
Würde der Vergleich nicht im krassen Widerspruch zu einem Beruf als Ozeanograf stehen, könnte man Malcolm Bowman einen "Rufer in der Wüste" nennen: Seit Jahren hat er immer wieder vergeblich davor gewarnt, dass New York einer anrollenden Flutwelle schutzlos ausgeliefert ist. Nach dem Jahrhundertsturm erwartet er nun mehr Aufmerksamkeit.
Briten und Niederländer als Vorbild
Hurrikan "Sandy" sei ein "Weckruf" für alle in New York und Long Island gewesen, sagt der Professor der State University New York. Allen müsse nun endgültig klar sein dass die Region dringend ein Schutzkonzept brauche. Bowman fordert den Entwurf und den Bau von Flutsperrwerken nach dem Beispiel einiger europäischer Städte, wie etwa das Schutzwehr in der Themse vor London oder die Delta-Sperrwerke in der holländischen Provinz Seeland.
Klingt plausibel, aber es gibt ein Problem: New York ist an drei Seiten vom Wasser umgeben und würde dadurch gleich mehrere gigantische Wehranlagen brauchen - ein Projekt, für das Jahre in die Planung und Milliarden in die Realisierung investiert werden müssten. Vielleicht geht es auch ein bisschen kleiner und damit schneller, meint deswegen Cynthia Rosenzweig: "Man kann nicht alles auf eine Karte setzen", sagt die Klimatologin von der New Yorker Columbia-Universität.
Auch sie hält Sperrwerke für wichtig, spricht sich aber auch für "intelligente Sofortmaßnahmen" aus. "Das reicht vom Schutz des U-Bahn-Systems da, wo es besonders gefährdet ist über die Verbesserung des Ufermauern bis zur Wiederherrichtung der Feuchtgebiete, so dass alle 21 Millionen Menschen in der Region vor dem nächsten Hurrikan geschützt werden können."
Wie kann man die Metropole gegen Überflutungen schützen?
T. Schmidt, ARD New York
23.11.2012 21:01 Uhr
Aufblasbare Stöpsel für die U-Bahn?
Besonders zum Schutz der New Yorker Subway gibt es bereits erste Vorschläge: Riesige aufblasbare Stöpsel könnten - wenn sich das System als funktional erweist - die Tunnel vor Überflutung schützen. Luftschächte sollen erhöht und Eingänge hochwassersicher gemacht werden. Ökologen wollen natürliche Marschen vor der Spitze Manhattans anlegen, künstlich aufgespülte Inseln sollen künftige Flutwellen brechen oder umleiten.
"Wir können viel von den Holländern lernen", sagt Jesse Keenan. "Nämlich die Philosophie, dass man nicht gegen das Wasser kämpfen, sondern mit ihm leben muss." Keenan ist Architektur-Professor an der Columbia-Universität, auch er arbeitet seit Jahren an einem eher organischen Ansatz beim Schutz vor Naturkatastrophen. Er macht klar: Nicht immer kann der Mensch der Sieger sein. Mit dem Wasser leben heißt eben auch, sich davor zurückzuziehen.
In Teilen New Yorks wird man nicht mehr leben können
New York werde wieder auf die Beine kommen, sagt Keenan. "Aber es wird Straßenzüge geben in Staten Island, den Rockaways oder Brooklyn, in denen nichts mehr so ist wie früher." Im Klartext: Hier wird man auf Dauer nicht mehr sicher leben können, auch ohne den nächsten Hurrikan. Experten haben errechnet, dass der Meeresspiegel allein durch den Klimawandel bis zum Ende dieses Jahrhunderts um mindestens 80 Zentimeter ansteigen könnte.
Stand: 24.11.2012 13:55 Uhr
