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Zerrissene US-Flagge am zerstörten Boardwalk von Rockaway

Aufräumen nach "Sandy"

Von Normalität kann keine Rede sein

Mindestens 72 Todesopfer, Schäden in Höhe von bis zu 50 Milliarden Dollar: Nach dem Wirbelsturm "Sandy" versuchen die Bewohner der US-Ostküste, zurück in die Normalität zu finden. Präsident Obama lobte die Amerikaner für ihren Einsatz - und die sind mit Obamas Krisenmanagement zufrieden.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Ja, es gibt Fortschritte in den von "Sandy" verwüsteten Bundesstaaten New Jersey und New York. Einige U-Bahnen in New York fahren wieder. Auch der dritte Großflughafen La Guardia wird bald wieder für den Flugverkehr geöffnet. Und der von "Sandy" umgeknickte Riesen-Kran, der in Manhattan in schwindelerregender Höhe baumelt, soll angeblich abgesichert sein.

Straße in Hoboken in New Jersey nach dem Wirbelsturm "Sandy"
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Straße in Hoboken in New Jersey nach dem Wirbelsturm "Sandy"

Doch von Normalität kann keine Rede sein. Nicht weit von New York, in Hoboken im Bundesstaat New Jersey, sitzen immer noch 20.000 Einwohner in ihren Häusern und Wohnungen fest - ohne Strom und Heizung und abgeschnitten durch meterhohes Hochwasser. Die Hälfte von Hoboken steht komplett unter Wasser, sagt Bürgermeisterin Dawn Zimmer. Sie warnt die Bürger, ihre Stadt auf eigene Faust durch das verseuchte Wasser zu verlassen: "Das ist Öl, das sind Fäkalien, alles vermischt. Aber wir werden das beseitigen. Wir werden das überstehen."

Die Bürgermeisterin hat die Nationalgarde angefordert, und Präsident Barack Obama hat umgehend eine uniformierte Truppe einfliegen lassen. Die Soldaten helfen vor allem älteren Menschen, die seit Tagen im Dunkeln und in der Kälte ihrer Wohnungen ausharren müssen. Wasser und Lebensmittel werden verteilt; auch Stromgeneratoren.

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Wirbelsturm "Sandy" an der US-Ostküste

Zerstörte Häuser in den USA

Auch eine Woche nach Wirbelsturm "Sandy" leben die Menschen in großen Teilen der betroffenen Gebiete an der US-Ostküste immer noch unter katastrophalen Bedingungen. Fast zwei Millionen Häuser und Wohnungen waren weiter ohne Strom. Bei Temperaturen von nachts nur noch knapp über Null Grad harren viele Menschen seit Tagen in eiskalten Wohnungen aus. (Foto: REUTERS)

Manche Bürger, wie Lee Ballin und seine junge Familie, werden evakuiert. "Der Kühlschrank fiel aus; und wir haben ein kleines Baby", sagt Ballin fast entschuldigend. "Wir mussten das tun, was für uns das Beste ist - und fortgehen."

Das Wasser kam durch alle Ritzen und Steckdosen

Greg Caruso dagegen will bleiben. Er pumpt das Wasser aus seinem Wohnzimmer. Rechtzeitig vor dem Hurricane habe er sein Haus mit Sandsäcken und Spanplatten gesichert, sagt Caruso, doch als "Sandy" wütete, sei das Hochwasser "durch die Wände, durch alle Ritzen und durch die Steckdosen" gekommen.

Schadensbilanz nach Wirbelsturm "Sandy"
tagesschau 12:00 Uhr, 01.11.2012, Arnim Stauth, WDR

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Dabei hat Caruso noch Glück gehabt, dass sein Haus stehen geblieben ist. Zehntausende Häuser entlang der Küste von New Jersey und ganze Strandabschnitte hat "Sandy" zerstört. Bis alles wieder aufgebaut ist, werden Wochen vergehen. Die Gesamtschäden schätzen Experten auf rund 20 Milliarden Dollar. Die US-Regierung spricht von einem der teuersten Stürme, die Amerika je erlebt hat.

Viel Lob für Obama

Der republikanische Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, besuchte gestern das Katastrophengebiet gemeinsam mit US-Präsident Obama. Christie versuchte den Betroffenen Trost zu spenden: "All die Schäden hier können wir beseitigen. Aber wenn Ihr nach rechts und nach links schaut: Euer Mann, Eure Frau, Euer Sohn, Eure Tochter - die sind unersetzlich."

US-Präsident Obama mit dem republikanischen Gouverneur Christie
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US-Präsident Obama mit dem republikanischen Gouverneur Christie

Der Gouverneur profilierte sich in den vergangenen Tagen als kraftvoll zupackender Landesvater und schloss eine neue überparteiliche Freundschaft. Obwohl er Obama noch vor zehn Tagen im Wahlkampf heftig angegriffen hatte, lobte der republikanische Gouverneur das Krisenmanagement des Präsidenten in den höchsten Tönen. In einer aktuellen Umfrage von ABC und der "Washington Post" sagen acht von zehn Amerikanern, der Präsident habe dies hervorragend oder zumindest gut gemacht.

Obama hat aus den Fehlern seines Vorgängers George W. Bush gelernt, der nach Hurricane "Katrina" vier Tage brauchte, bis er sich in New Orleans blicken ließ. Einige Kommentatoren in Washington vermuten, dass "Sandy" somit vielleicht auch die Wiederwahl des Präsidenten sichern könnte. Obama geht heute jedenfalls gestärkt in den Endspurt des Wahlkampfs.

Obama besucht Katastrophengebiet
nachtmagazin 01:38 Uhr, 01.11.2012, Stefan Niemann, ARD Washington

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Stand: 01.11.2012 17:52 Uhr

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