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Wirbelsturm "Sandy" bricht über die US-Ostküste herein
Millionen ohne Strom - U-Bahn unter Wasser
Wirbelsturm "Sandy" ist mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde auf die Ostküste der USA getroffen. Das Zentrum des Sturms erreichte am Abend (Ortszeit, 01.00 Uhr MEZ) im Süden des Bundesstaates New Jersey die Küste. Mehrere Menschen starben, der Sturm sorgte für Überschwemmungen und verursachte große Schäden. Laut dem Fernsehsender CNN waren 6,5 Millionen Menschen in mehreren US-Bundesstaaten und in der Hauptstadt Washington von Stromausfällen in Folge des Unwetters betroffen.
Todesopfer wurden aus New Jersey, New York, Maryland, North Carolina, West Virginia, Pennsylvania und Connecticut gemeldet. Einige der Opfer wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. Die Medien berichten von bis zu 16 Toten.
In New York stehen die Straßen unter Wasser
In Metropolen wie New York, Washington und Philadelphia kam das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen. Schulen, Behörden, viele Theater und Restaurants sind geschlossen. In New York wurden Straßen überflutet. Busse und Bahnen fahren nicht, zahlreiche Flüge wurden gestrichen.
Sieben U-Bahn-Schächte wurden überschwemmt. Wie die Verkehrsbehörde MTA mitteilte, handelte es sich in diesem Bereich um die schlimmste Katastrophe seit mehr als einhundert Jahren. "Die New Yorker U-Bahn ist 108 Jahre alt, aber niemals war sie mit einer derart verheerenden Katastrophe konfrontiert, wie wir sie in der vergangenen Nacht erlebt haben", erklärte MTA-Chef Joseph Lhota. Die meisten überschwemmten U-Bahn-Tunnel befinden sich unter dem East River, der sich an der Halbinsel Manhattan entlangzieht.
Weite Teilen von Manhattan sind ohne Strom. Laut einem Sprecher des Elektrizitätsunternehmens Consolidated Edison seien 250.000 Haushalte betroffen. Bürgermeister Michael Bloomberg sprach von 47.000 vom Stromausfall betroffenen Menschen. Er forderte die Bürger der Stadt auf, auf keinen Fall auf die Straße zu gehen. Außerdem bereitete er die New Yorker darauf vor, dass der Stromausfall noch mehrere Tage andauern könne: "Zuerst einmal muss das Wasser weg sein", sagte er - das könne dauern.
Vom New Yorker Universitätskrankenhaus mussten mehr als 200 Patienten in andere Kliniken verlegt werden, nachdem das Notstromaggregat ausgefallen war.
Die Börsenleitung in New York beschloss, den Handel an der Wall Street auch am Dienstag auszusetzen. Bereits am Montag waren New York Stock Exchange und Nadaq zum ersten Mal seit 27 Jahren wetterbedingt geschlossen geblieben.
Alarm im Atomkraftwerk
Wegen des Sturms wurde im ältesten Atomkraftwerk der USA ein Alarm ausgelöst. Wegen eines bedrohlich ansteigenden Wasserspiegels sei der Alarm im Kernkraftwerk Oyster Creek südlich von New York ausgelöst worden, teilte die US-Atomaufsichtsbehörde NRC am späten Montagabend (Ortszeit) mit. Das Kraftwerk sei zu dem Zeitpunkt bereits abgeschaltet gewesen.
Sollten die Fluten weiter steigen, könnten die Wasserpumpen des Reaktors beeinträchtigt werden, die für das Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente genutzt würden. Das Unternehmen könne aber notfalls Wasser aus dem Reservoir für den Brandschutz nutzen, um das Abklingbecken zu kühlen. Oyster Creek ist seit 1969 am Netz und das älteste laufende Atomkraftwerk der USA.
Dammbruch in New Jersey
In einer Ortschaft in New Jersey brach ein Deich. Eine Behördensprecherin sagte der Zeitung "The Record", der Ort Moonachie stehe unter Wasser. Bis zu 1000 Menschen müssten möglicherweise in Sicherheit gebracht werden. In einer Wohnwagensiedlung hätten sich die Bewohner auf die Dächer gerettet. Der Polizeichef von Little Ferry, Ralph Verdi, sagte im Sender CNN, Rettungskräfte brächten Anwohner in Sicherheit. Der Pegel sei mancherorts bis zu 1,8 Meter gestiegen.
In Atlantic City, wo der Sturm die Küste erreichte, wurde die Strandpromenade größtenteils zerstört. In den Straßen stand das Wasser zum Teil hüfthoch.
Auch Teile Kanadas bekommen Ausläufer des Sturms zu spüren. In Toronto wurde eine Frau nach Polizeiangaben von umherfliegenden Teilen tödlich getroffen.
Wieder Flugverbindungen gestrichen
Die New Yorker Flughäfen John F. Kennedy und La Guardia sowie der Flughafen in Newark wurden wegen des Sturms geschlossen. Das macht sich auch auf deutschen Flughäfen bemerkbar. Insgesamt wurden am Frankfurter Flughafen 21 Flüge gestrichen, wie eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport sagte. Annulliert wurden demnach zwölf Flüge aus den USA, die nach Frankfurt starten sollten, und neun Flüge von Frankfurt Richtung amerikanische Ostküste, darunter nach New York und Washington.
Die Fluggesellschaft Air Berlin lässt insgesamt vier Flüge zwischen Düsseldorf und New York und Berlin und New York ausfallen. Die Lufthansa strich unter anderem fünf Flüge aus den USA nach München und vier Flüge von München Richtung amerikanische Ostküste.
Wirbelsturm ist kein Hurrikan mehr
Mittlerweile haben neun Bundesstaaten den Notstand ausgerufen. Hunderttausende Menschen hatten zuvor entlang der US-Ostküste Vorbereitungen getroffen.
Das Nationale Hurrikan-Zentrum hatte "Sandy", kurz bevor der Sturm die Küste erreichte, von einem Hurrikan zu einem "Post-Tropensturm" herabgestuft. Die Winde hätten sich etwas abgeschwächt und das Unwetter nach der Vereinigung mit einer Kaltfront seine tropischen Merkmale verloren, hieß es zur Begründung. Die maximalen Windgeschwindigkeiten lagen aber weiter bei Hurrikanstärke.
Sandy wütet im Nordosten der USA
A. Engelke, NDR Washington
30.10.2012 13:13 Uhr
Stand: 30.10.2012 11:55 Uhr
