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"Land unter" auf den Salomonen in der Südsee: Immer häufiger stehen Eilande der Inselgruppe unter Wasser. Der erhöhte Meeresspiegel fordert erste Flüchtlinge - und die machen den Klimawandel für die Situation verantwortlich.
Von Mario Schmidt, ARD-Korrespondent Tokio
Anflug auf die größte Salzwasserlagune der Welt: Über einhundert Kilometer lang, ein durch Riffe und Inseln vom offenen Meer getrenntes Naturparadies. Wir sind im Südsee-Staat Salomonen, in der Marovo-Lagune. Die 12.000 Einwohner werden satt von dem, was sie angeln und in ihren Gärten ernten.
[Bildunterschrift: Auch im Südsee-Paradies ist das Leben nicht sorglos. Immer häufiger haben die Menschen mit Hochwasser zu kämpfen. ]
Doch das Leben hier ist alles andere als sorglos. Sam Patavaqara und seine Familie sind die letzten in einem Geisterdorf, das alle anderen Bewohner bereits verlassen haben. Das Wasser aus der Lagune hat sie vertrieben. Die Familien haben im vergangenen Jahr abmontiert, was sie noch gebrauchen konnten, und sind auf eine Nachbarinsel gezogen. Denn hier gibt es keinen trockenen Boden mehr, auf dem sie neue Häuser hätten bauen können, erklärt Sam: "Da wo die Mangrovenpflanze im Wasser steht, war die Küste früher trocken. Und dort gucken nur noch die Reste der Hauspfeiler aus dem Wasser."
Der alte Dorfplatz ist immer matschig und oft überflutet. Eine Weile hatten sie hier gehofft, dass der Anstieg des Meeres ein vorübergehendes Phänomen sein könnte. Stattdessen ist es Jahr für Jahr schlimmer geworden, und zwar in der ganzen Marovo-Lagune. Ein zweites Dorf wurde ebenfalls aufgegeben. Sam ist geblieben. Er passt auf die alte Kirche auf, denn die neue ist noch nicht fertig. Die Dorfgemeinschaft paddelt daher regelmäßig zum Gottesdienst hierher.
Aus fast 1000 Inseln bestehen die Salomonen, ein großer Teil der Bevölkerung lebt am Wasser. Im ganzen Land beobachten Menschen, dass das Meer näher kommt. Die Ursachen des Anstiegs sind zwar nicht eindeutig geklärt. Aber an natürliche Schwankungen des Meeresspiegels will auf den Salomonen niemand mehr so recht glauben.
[Bildunterschrift: Eine verlassene Hütte an der Küste - Immer mehr Inselbewohner müssen ihr Dorf zurücklassen und auf eine andere Insel umziehen. ]
Das Wort Klimawandel ist hingegen überall zu hören. Gut 400 Kilometer entfernt liegt die Langalanga-Lagune. Die Menschen bewohnen schon seit langem nicht nur die natürlichen Küsten, sie bauen davor künstliche Inseln, um Platz für neue Häuser zu schaffen. Die Bautrupps arbeiten im Wasser. Sie suchen nach toten Korallen und Steinen. Die stapeln sie, bis ein Fundament für ein Haus oder ein ganzes Dorf fertig ist. Am Anfang dachten einige, ihre Inseln würden sinken. Aber dann hatten in der Lagune plötzlich alle mit regelmäßigen Überflutungen zu kämpfen.
Serah Kei betreibt eine kleine Pension auf ihrer tennisplatzgroßen Insel. Seit 13 Jahren lebt sie hier. Den Boden hat sie bereits erhöht, mit kleinen Korallenstücken und Sand, etwa zehn Zentimeter. Das war teuer, und gebracht hat es nichts, sagt sie: "Wenn das Meer weiter steigt, müssen wir irgend etwas unternehmen. Wir müssen dann woanders hin, oder aber wir erhöhen die Inseln Jahr für Jahr weiter, aber das werden wir sicher nicht lange durchhalten."
Früher trat das Wasser nur im November und Dezember über die Ufer. Jetzt steht es zweimal im Monat unter ihrem Haus. Am Höchststand hat sie einen Nagel eingeschlagen, um Veränderungen zu sehen. Viele ihrer Nachbarn trifft es noch schlimmer. "Bei denen sterben Bäume ab, weil das Salzwasser da hinfließt, wo sie ihre Früchte anbauen. Gärten, die neben den Häusern liegen, werden nicht mehr benutzt. Wir haben Brunnen, aber das Wasser können wir nicht mehr gebrauchen, weil Salzwasser eingedrungen ist."
Zurück in der Marovo-Lagune bei Sam. Hier bringt das steigende Wasser noch ein anderes Problem näher an die Häuser. Neulich lag es direkt vor seinem Garten und war drei Meter lang. "Ich wollte nachschauen, was los war, weil eine Ente Lärm gemacht hat. Dann sah ich das Krokodil, es lag hier. Mit der Ente im Maul ist es dann verschwunden", sagt Sam.
Im neuen Dorf müssen die Familien von vorne anfangen, aber dafür brauchen sie keine Angst mehr vor Krokodilen zu haben, von denen es in der Lagune viele gibt. Sie kommen hier nicht hoch, das Meer auch nicht. Und die Kirche ist bald fertig. Dann können Sie ihr altes Dorf endgültig dem Meer überlassen.
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Sam will in den nächsten Monaten mit seiner Frau, den Kindern und Enkeln nachkommen. Wie die meisten auf den Salomonen lebt auch er ohne Strom, Telefon und Fernsehen. Informationen verbreiten sich daher nur langsam. "Der Klimawandel ist für mich etwas Neues", sagt Sam. "Aber ich glaube, wir müssen auf Dauer damit leben."
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