Soldaten in Schutzanzügen bei Arbeiten in Salisbury | Bildquelle: NEIL HALL/EPA-EFE/REX/Shuttersto

Attacke auf Ex-Spion Nervengift im Restaurant

Stand: 06.04.2018 00:53 Uhr

Der Fall des vergifteten russischen Ex-Spions bleibt rätselhaft. Ermittler haben in dem Restaurant und dem Pub, wo die beiden Opfer waren, Spuren eines Nervengifts gefunden.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Kleidung in die Waschmaschine stecken, Handtaschen und Mobiltelefone abwischen, Brillen und Schmuck in Spülwasser reinigen - und natürlich die Hände danach gründlich waschen: Es ist eine ungewöhnliche Aufforderung der Behörden, die die Besucher eines italienischen Restaurants und eines Pubs in der Innenstadt von Salisbury beunruhigen dürfte.

Zumindest jene bis zu 500 Kunden und Mitarbeiter, die am vergangenen Sonntag oder Montag dort waren, während oder nachdem auch Sergej Skripal und seine Tochter Yulia dort etwas aßen und tranken. Auch wenn die Chefin der englischen Gesundheitsbehörde Sally Davies versichert, diese Empfehlungen seien „eine Vorsichtsmaßnahme“ und das "Risiko für die Öffentlichkeit gering".

Polizeibeamte in Salisbury, wo der russische Ex-Spion aufgefunden worden war. | Bildquelle: REUTERS
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Im Restaurant "Zizzi" in Salisbury haben Ermittler Giftspuren entdeckt, angeblich auf einem Tisch.

Ein Ermittler geht am Eingang des Restaurants "The Mill" in Salisbury vorbei. | Bildquelle: AFP
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Das Pub "The Mill": Auch dort haben sich Skripal und seine Tochter aufgehalten.

Polizist ernsthaft an Gift erkrankt

Sowohl in dem Restaurant - angeblich auf einem Tisch - als auch in dem Pub haben die Experten Überreste des verwendeten Nervengifts entdeckt. Um welches es sich handelt und wie es den Opfern verabreicht wurde, das verschweigen die Ermittler weiter, wohl aus taktischen Gründen.

Der 66-jährige frühere russische Spion und seine 33-jährige Tochter waren wenige Stunden nach ihrem Besuch der beiden Lokale auf einer Parkbank zusammengebrochen. Sie lägen weiter auf der Intensivstation, in einem kritischen, aber stabilen Zustand, so Cara Charles-Banks vom nationalen Gesundheitsdienst NHS.

Der Polizist, der dem Nervengift ebenfalls ausgesetzt war, könne sich inzwischen mit seiner Familie unterhalten. Er sei aber ernsthaft erkrankt und werde weiter im Krankenhaus in Salisbury behandelt.

Gräber von Sohn und Frau werden untersucht

Das Haus von Skripal sowie die Gräber seiner Frau und seines Sohns auf dem örtlichen Friedhof werden immer noch untersucht. Mehr als 250 Anti-Terror-Spezialisten sind der britischen Innenministerin Amber Rudd zufolge im Einsatz, etwa 240 Zeugen würden befragt.

Der Chef der Wiltshire Police, Kier Pritchard, appellierte erneut an die Öffentlichkeit, sich mit jedweden Informationen zu dem Vorfall an die Polizei zu wenden.

Polizeichef von Wiltshire Kier Pritchard | Bildquelle: AP
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Polizeichef von Wiltshire Kier Pritchard ruft die Öffentlichkeit auf, Hinweise zu melden.

Marina Litwinenko
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Marina Litwinenko: "Es wurden keine Lehren aus dem Mord an meinem Mann gezogen."


Litwinenko-Witwe: "Es ist wieder passiert"

Skripal hatte als Doppel-Agent den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 mit Informationen versorgt und war 2010 im Zuge eines Agenten-Austauschs nach Großbritannien gekommen. Geheimdienst-Experten mutmaßen, dass der russische Staat den Angriff in Auftrag gab, was Moskau jedoch bestreitet.

Gleichwohl erinnert der Fall Skripal an die Ermordung des Ex-KGB-Manns und Dissidenten Alexander Litwinenko mit hochradioaktivem Polonium in London im Jahr 2006. Eine öffentliche Untersuchung kam vor zwei Jahren zu dem Schluss, dass "wahrscheinlich Russlands Präsident Wladimir Putin" diesen Anschlag beauftragt hatte. Litwinenkos Witwe Marina sagte jetzt der BBC: "Es ist leider wieder passiert. Das heißt, es wurde nicht genug getan. Es wurden keine Lehren aus dem Mord an meinem Mann gezogen."

Sollte die Spur im Fall Skripal am Ende tatsächlich nach Moskau führen, stünde Premierministerin Theresa May vor der schwierigen Entscheidung: Welches Instrument aus dem diplomatischen Werkzeugkasten soll sie benutzten? Ihr Außenminister Boris Johnson hat bereits einen britischen Boykott der Fußball-WM im Sommer in Russland ins Spiel gebracht - in welcher Form auch immer.

Angriff auf Ex-Spion: Nervengift-Spuren in Restaurant und Pub
Stephanie Pieper, RBB London
11.03.2018 17:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. März 2018 um 18:30 Uhr.

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