Saddam Hussein | Bildquelle: AFP

Zehn Jahre Saddam-Tod Öl ins Feuer

Stand: 30.12.2016 15:41 Uhr

Für die USA war es ein großer außenpolitischer Erfolg, doch dem Irak brachte die Hinrichtung von Machthaber Saddam Hussein vor zehn Jahren keinen Fortschritt. Ganz im Gegenteil: Die Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten wurden befeuert.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Diese Bilder sollten nie an die Öffentlichkeit gelangen, und wer das Handyvideo aufnahm und ins Netz stellte, ist bis heute nicht bekannt: Saddam Hussein liegt die Schlinge bereits um den Hals. Er wirkt gefasst, einige der Zuschauer verhöhnen ihn. Schließlich spricht Saddam das Glaubensbekenntnis - bei der Wiederholung kommt er nicht weit. Die Falltür öffnet sich, Saddam bricht das Genick, er ist sofort tot.

Trauer und Trotz damals in Al-Audscha, Saddams Geburtsort: "Er wurde hingerichtet, aber für uns und alle Iraker ist das eine Ehre. Er war ein Held der Geschichte. Und in der Geschichte wird man sich an ihn als denjenigen erinnern, der den Amerikanern und der Besatzung widerstand."

Freudenkundgebungen hingegen dort, wo Schiiten wohnen, die unter dem Sunniten Saddam besonders gelitten hatten. "Wir gratulieren unserem unterdrückten Volk zur Hinrichtung des Tyrannen Saddam Hussein. Er bekam, was er verdiente. Wir gratulieren unserem unterdrückten Volk zu solch einem gerechten Prozess", so ein Mann in Kerbala.

Verstoß gegen internationale Normen

In Wirklichkeit war das Verfahren ein klassischer Fall von Siegerjustiz und verstieß gegen internationale Normen. "Es lebe das Volk und die Nation, mögen die Verräter fallen", ruft Saddam dazwischen, als der Richter das Todesurteil verkündet, verhängt für die Ermordung von 148 Schiiten aus dem Ort Dedscheel. Den flüchtigen ehemaligen Staatschef aufgespürt hatten US-Soldaten zehn Monate nach dem Einmarsch 2003. Saddam saß verwahrlost in einem Erdloch.

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"Jetzt ist die Zeit, um in die Zukunft zu schauen. In Ihre Zukunft der Hoffnung, in eine Zukunft der Versöhnung. Die Zukunft des Irak, Ihre Zukunft, war nie so sehr voller Hoffnung", so der US-Statthalter in Bagdad, Paul Bremer, nach der Ergreifung Saddams.

Tatsächlich kämpfen die Amerikaner zu diesem Zeitpunkt nach wie vor gegen bewaffnete Rebellen - und drei Jahre später, bei der Hinrichtung Saddams, ist aus dem Aufstand längst ein Bürgerkrieg geworden. Sunnitische und schiitische Araber haben sich an der Gurgel. Milizionäre, Todesschwadrone, Terroristen töten jeden Monat mehrere tausend Zivilisten.

Wenige Stunden vor Saddams Hinrichtung warnt dagegen einer seiner Anwälte: "Die Exekution des Herrn Präsidenten und seiner Mitangeklagten unter den gegenwärtigen Umständen, zu diesem Zeitpunkt, wird die Situation im Irak verschärfen. Kein Fenster, keine Tür wird für einen politischen Dialog offen bleiben, der den Irak zum Frieden führen könnte."

Konflikte verschärft

Doch der Bürgerkrieg ist bereits auf seinem Höhepunkt - Saddams Tod durch den Strang ändert daran nichts. Er vertieft aber den Graben zwischen Sunniten und Schiiten - ein Graben, der sich mittlerweile quer durch mehrere Konflikte in der Region zieht und diese verschärft.

Und was den Irak betrifft, könnte Abdul Bari Atwan, einer der bekanntesten Journalisten der arabischen Welt, Recht behalten: "Das Erhängen von Saddam gießt mehr Öl ins Feuer. Es wird dazu führen, dass der Irak ein geteilter und gescheiterter Staat ist, der über mehrere Jahrzehnte vom Krieg heimgesucht wird."

10. Jahrestag der Hinrichtung von Saddam Hussein
C. Kühntopp, ARD Kairo
30.12.2016 14:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Dezember 2016 um 12:45 Uhr

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