Die Sacharowpreisträgerinnen Nadia Murad (rechts) und Lamija Adschi | Bildquelle: AFP

Sacharow-Preis für Jesidinnen Mutige Stimme wider den Terror

Stand: 13.12.2016 15:36 Uhr

Versklavt, misshandelt, vergewaltigt: Die Jesidinnen Nadia Murad und Lamija Adschi haben unvorstellbares Leid durch den IS erfahren. Doch sie wollen keine Opfer mehr sein und kämpfen gegen den Terror - dafür wurden sie mit dem Sacharow-Preis geehrt.

Von Sabine Hackländer, ARD-Studio Brüssel

"Wir sind sehr stolz, Sie heute bei uns begrüßen zu dürfen und wir verneigen uns vor dem Volk der Jesiden, einer der ältesten religiösen Gemeinschaften in der Geschichte der Menschheit. Willkommen", sagt der Präsident des Europaparlaments Martin Schulz. Nadja Murad und Lamia Baschar lächeln - zum ersten Mal. Nur für einen kurzen Moment, dann ist der Blick erneut wie versteinert.

Denn es geht um unbeschreibliche Gräueltaten, die die beiden erlebt haben: erst ihre Gefangennahme und die Ermordung ihrer Eltern und Verwandten im August 2014. Dann die Versklavung durch die Extremisten des "Islamischen Staates", mit Folter und Vergewaltigungen. Und Monate später endlich die Flucht nach bis Deutschland.

Jesidinnen erhalten Sacharow-Preis des Europa-Parlaments
tagesschau 20:00 Uhr, 13.12.2016, Bettina Scharkus, ARD Brüssel

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Den Opfern eine Stimme geben

Beide kämpfen heute engagiert für diejenigen, die zurückgeblieben sind. Diesen Einsatz lobt Schulz in seiner Rede: "Sie kämpfen gegen Straffreiheit und für die Gerechtigkeit. Nadia, Sie haben einmal gesagt: 'Meine Geschichte zu erzählen und den Schrecken erneut zu durchleben, ist keine einfache Aufgabe, aber die Welt muss es wissen." Und nicht nur das, ergänzt Schulz, die Welt müsse auch Handeln. Es sei beschämend und unerträglich, dass demokratische Gemeinschaften, wie die Europäische Union sich manchmal weigerten, Verfolgten Schutz zu gewähren.

Dann tritt Lamia Baschar ans Rednerpult. Sie ist auf der Flucht schwer verletzt worden, ihr Gesicht ist entstellt. Baschar erzählt zunächst ihre Geschichte, auch von dem schrecklichsten Moment, als sie die Todesschreie ihrer Freundin hörte, die während der gemeinsamen Flucht auf eine Landmine getreten war. Doch dann fasst sich die gerade mal 18-Jährige und erklärt, dass sie die Stimme der stimmlosen Opfer sein wolle. Denn immer noch befinden sich mehr als 3000 Jesiden, Frauen und Kinder, in der Gewalt des IS.

alt Andrej Dmitrijewitsch Sacharow

Sacharow-Preis

Der Sacharow-Preis wurde 1988 zu Ehren des sowjetischen Atomphysikers Andrej Sacharow eingeführt. Er war an der Entwicklung der sowjetischen Atombombe beteiligt. Für sein Engagement als Regimekritiker erhielt Sacharow den Friedensnobelpreis.
Erster Sacharow-Preisträger war der südafrikansiche Präsident Nelson Mandela. Er und die späteren Geehrten erhielten die Auszeichnung für ihr Engagement für die Menschenrechte.
Der "Sacharow-Preis für geistige Freiheit" wird vom Europäischen Parlament verliehen. Die Fraktionen können Vorschläge machen, Ausschüsse wählen die drei Finalisten, der Präsident des Parlaments bestimmt den Gewinner. Der Sacharow-Preis ist mit 50.000 Euro dotiert.

Enormer Kampfgeist

Nadia Murad fährt fort, das Leiden zu schildern und bittet eindringlich, zu helfen. Die 500.000 Jesiden, im Irak müssten endlich wissen, wie ihre Zukunft aussehe. Zwei Szenarien seien möglich: Entweder die Einrichtung einer UN-Schutzzone im Irak oder die Jesiden müssten auswandern. Spätestens hier, wird der enorme Kampfgeist der beiden Frauen sichtbar. Ja sie waren Opfer, aber das wollen sie nicht bleiben.

Geschwister finden zueinander

Ihr Engagement erklärt Nadia, gelte nicht nur dem eigenen Volk, sondern jeder Minderheit, deren Lebenswille auf diese Art und Weise gebrochen werde. Als die beiden Frauen ihre Auszeichnungen in Händen halten, tritt ein etwa 12-jähriger Junge zu den beiden. Er sei der Grund, warum der heutige Tag ein richtig schöner für das Europäische Parlament sei, erklärt Schulz: "Das ist der kleine Wat, er ist der Bruder von Lamia und hat die vergangenen 18 Monate in einem Lager verbracht. Seine Mutter und sein Vater und alle Geschwister sind tot, ermordet, und er hat gestern auch anlässlich unserer Preisverleihung seine Schwester bei uns wiedergefunden. Herzlich Willkommen!"

Sacharow-Preisverleihung an Jesidinnen
S. Hackländer, ARD Brüssel
13.12.2016 15:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio am 13. Dezember 2016 um 05:50 Uhr.

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